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Film: UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung (1989)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Capelight Pictures


Fakten
Jahr: 1989
Genre: Satire, Komödie
Regie: Jay Levey
Drehbuch: “Weird Al” YankovicJay Levey
Besetzung: “Weird Al” YankovicMichael RichardsVictoria Jackson, Kevin McCarthyFran DrescherDavid BoweStanley BrockAnthony GearyTrinidad SilvaGedde WatanabeBilly Barty
Kamera: David Lewis
Musik: John Du Prez
Schnitt: Dennis M. O’Connor


Review
Wir befinden uns in einer Zeit des medialen Umschwungs, die vor allem dadurch gezeichnet ist, dass die (zuvor über ein halbes Jahrhundert andauernde) immense Vorherrschaft des linearen Fernsehens zunehmend schwindet – und mit ihr sowohl Einfluss der speziellen Formate auf den Menschen, wie auch der Stellenwert der wohnzimmerlichen Mattscheibe im Leben der Massen. Welche Umstrukturierungen das langfristig zur Folge hat, wird sich zeigen, dass die “Religion TV” zunehmend um ihre Jünger bangen muss, zeigen bereits jetzt die Quoten.

“Sometimes you gotta stand up and say: This floor is dirty as hell, and I am not gonna take it anymore!”

Greift also eine Satire mit dem offensichtlichen Ziel, den jahrzehntelangen Irrsinn des Dauerschleifen-TV-Alltags von vorne bis hinten frei zu legen und durch den Kakao zu ziehen, auch noch knapp 30 Jahre nach ihrer Entstehung? In einer völlig veränderten Medienwelt? Es hängt wahrscheinlich von der Ausgangslage ab – definitiv geht es allerdings als kluger Schachzug durch, die Wiederveröffentlichung eines solch “geheimen Klassikers” um ein Event herum zu bringen, dass die Zugkraft des Unterhaltungsfernsehens in seinen besten Zeiten immer noch herauf beschwört und die Nation vor den flimmernden Schirmen vereint – Live und in Farbe wird gekickt, zig Millionen schalten ein, fast wie damals. Film: UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung (1989) weiterlesen

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Film: The Hunger Games – Catching Fire (2013)


Trailer © by STUDIOCANAL


Fakten
Jahr: 2013
Genre: Dystopie, Gesellschaftskritik, Jugendfilm
Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: Michael Arndt, Simon Beaufoy
Besetzung: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Willow Shields, Bruce Bundy, Lenny Kravitz, Stanley Tucci, Jeffrey Wright, Amanda Plummer, Jena Malone
Kamera: Jo Willems
Musik: James Newton Howard
Schnitt: Alan Edward Bell

Review
Nächster Roman, nächster Film.

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmfreunden hielt ich THE HUNGER GAMES nicht für eine softe BATTLE ROYAL Variante, sondern einen brauchbaren Jugendfilm, der trotz junger Protagonisten und bunten, überdrehten Momenten durchaus auch erwachsene Qualitäten vorzuweisen hatte.

Nun geht es in die zweite Runde, ein Jahr ist vergangen, Katniss und Peeta wurden vom System zu linientreuen Vorzeigeobjekten stilisiert, einem schwer verliebten Traumpaar mit Signalwirkung, und die 75. Hunger Games stehen vor der Tür. Da sich in den ärmeren Distrikten zunehmend kritische, gar revolutionäre Tendenzen abzeichnen, die sich zu allem übel auch noch mit Katniss’ Symbol, dem Mockingjay, identifizieren, muss das Regime zusehen den aufmüpfigen Seelen zu zeigen wo der Hammer hängt.
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Film: Gone Girl (2014)


Trailer © by 20th Century Fox


Fakten
Jahr: 2014
Genre: Thriller, Medienkritik
Regie: David Fincher
Drehbuch: Gillian Flynn
Besetzung: Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Carrie Coon, Kim Dickens, Patrick Fugit, David Clennon, Lisa Banes, Missi Pyle, Emily Ratajkowski
Kamera: Jeff Cronenweth
Musik: Trent Reznor, Atticus Ross
Schnitt: Kirk Baxter


Review
Nun ist es also passiert.
Zum Jubiläum, Fincher’s Film No. 10, liegt er für meinen Geschmack erstmalig vollkommen daneben. Ohne SPOILER wird die Besprechung des Films nicht möglich sein, also hier die kurze Warnung für das gesamte Review.

Wo hier der Schuldige zu suchen ist, ist schwer zu sagen, denn die Vorlage zu GONE GIRL bildet der gleichnamige Roman von Gillian Flynn, seines Zeichens “New York Times Bestseller”. Sollte dieses Label in etwa mit dem hiesigen “Spiegel Bestseller” zu vergleichen sein, ist vielleicht das erste Indiz zur Ergründung der geradezu plumpen Oberflächlichkeit dieses Filmes gefunden. Generische Krimi-Literatur für die Massen bildet die Basis für einen generisch-einfältigen, als “Mediensatire” getarnten Whodunit-Thriller – ebenfalls für die Massen. Allerdings kann dies (begründet in meiner Unkenntnis der Vorlage) nur Spekulation sein. Auch die Antwort auf die Frage, ob die Probleme wirklich schon im Buch begannen, oder erst durch die (ebenfalls von Flynn durchgeführte) Adaption ihren Ursprung nahmen, schwebt im Dunst.
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Film: Videodrome (1983)


Trailer © by Universal Pictures Germany GmbH


Fakten
Jahr: 1983
Genre: Horor, Mystery
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Besetzung: James Woods, Deborah Harry, Sonja Smits, Peter Dvorsky, Julie Khaner, Leslie Carlson, Jack Creley, Lynne Gorman
Kamera: Mark Irwin
Musik: Howard Shore
Schnitt: Ronald Sanders


Review
Wir schreiben 1983, der Home-Video Markt boomt in den USA genau so sehr wie die Cable-Networks und David Cronenberg liefert unter dem Deckmantel des Horror-/Psychothrillers eine faszinierend vielschichtige Betrachtung des Metiers, inklusive umfassender Reflektion der Medienlandschaft und des Realitätsbegriffes.

Zum einen weist VIDEODROME bissige satirische Züge vor: Der Mensch als Endabnehmer einer endlosen, und vor allem undurchsichtigen Produktionskette, als blinder Wiederkäuer. Wie der, auf Neudeutsch so schön als “Content” bezeichnete Inhalt entsteht ist hinter einem dunklen Vorhang verborgen – wir, die Abnehmer, sehen nur das fertige Endprodukt auf unseren Bildschirmen und wollen auch nur das. Und bitte immer extremer. Und bitte immer mehr. Je dubioser und abgedrehter, desto besser, je näher die Illusion an der Realität ist, umso mehr beißen wir an. Folgen blind und wollen uns hinein flüchten, weil es sich so schön von unseren “langweiligen Leben” unterscheidet.

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Film: Freakstars 3000 (2004)


Trailer © by Filmgalerie 451


Fakten
Jahr: 2004
Genre: Satire, Medienkritik
Regie: Christoph Schlingensief
Konzept: Christoph Schlingensief
Personen: Werner Brecht, Susanne Bredehöft, Ilse GarzanerAchim von Paczensky
Kamera: Meika DresenkampDirk Heuer
Musik: Uwe Schenk
Schnitt: Robert Kummer


Review
FREAKSTARS 3000 ist die gelungenste Mediensatire, die ich jemals sehen durfte. Nie wurde die Absurdität des TV-Alltags gelungener aufgezeigt, nie wurde der Zuschauer, seine Begrifflichkeit von normal, sein Durst nach Wahnsinn, sein unreflektiertes Schlucken von ewig wiedergekäutem, provokanter auf die Probe gestellt.

Normal.
Was bedeutet das?
Wer definiert das?
Und wann zum Teufel wurde beschlossen, dass “normal” das Ideal ist, dem wir alle hinterher laufen müssen?

Normal gibt es nicht.
Und das beweist Christoph Schlingensief mit seiner Casting-Show FREAKSTARS 3000 so gut wie kein anderer. Ehrlicher als alles was die privaten Verdummungsanstalten uns jemals vorgesetzt haben, menschlicher als es die Bohlens, Bauses, Heidis und sämtliche anderen Zugpferde der mittlerweile leider fest etablierten professionellen Diffamierungsindustrie auch nur träumen könnten (wenn sie es denn wollten) und um längen “normaler”, weil purer und echter, als der ganze glattgebügelte Zirkus, der täglich über unsere Mattscheiben flimmert. Film: Freakstars 3000 (2004) weiterlesen

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