Film: Videodrome (1983)


Trailer © by Universal Pictures Germany GmbH


Fakten
Jahr: 1983
Genre: Horor, Mystery
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Besetzung: James Woods, Deborah Harry, Sonja Smits, Peter Dvorsky, Julie Khaner, Leslie Carlson, Jack Creley, Lynne Gorman
Kamera: Mark Irwin
Musik: Howard Shore
Schnitt: Ronald Sanders


Review
Wir schreiben 1983, der Home-Video Markt boomt in den USA genau so sehr wie die Cable-Networks und David Cronenberg liefert unter dem Deckmantel des Horror-/Psychothrillers eine faszinierend vielschichtige Betrachtung des Metiers, inklusive umfassender Reflektion der Medienlandschaft und des Realitätsbegriffes.

Zum einen weist VIDEODROME bissige satirische Züge vor: Der Mensch als Endabnehmer einer endlosen, und vor allem undurchsichtigen Produktionskette, als blinder Wiederkäuer. Wie der, auf Neudeutsch so schön als “Content” bezeichnete Inhalt entsteht ist hinter einem dunklen Vorhang verborgen – wir, die Abnehmer, sehen nur das fertige Endprodukt auf unseren Bildschirmen und wollen auch nur das. Und bitte immer extremer. Und bitte immer mehr. Je dubioser und abgedrehter, desto besser, je näher die Illusion an der Realität ist, umso mehr beißen wir an. Folgen blind und wollen uns hinein flüchten, weil es sich so schön von unseren “langweiligen Leben” unterscheidet.

Doch Cronenberg nutzt diese Betrachtung des medialen Konsumverhaltens, welche hier angenehmerweise aus zwei Seiten beleuchtet wird, da der Protagonist Max sowohl Creator, als auch Consumer zu gleich ist, nur als Fundament für eine weitere, nochmals wesentlich spannendere Ebene:

Was, wenn die Illusion zu unserer Realität wird?
Wenn die Grenzen verschwimmen?
Wenn wir unser Umfeld ausblenden und Eskapismus mehr Gewicht als die Wahrnehmung der echten Welt bekommt?

Fragen, die 1983 schon genug Relevanz hatten, um sie in diesen Schocker zu verpacken, die aber nun, dreißig Jahre später nochmal ein völlig anderes Gesicht bekommen: Die VHS in VIDEODROME ist zur VDSL 50.000 Leitung geworden, der Sender “Videodrome” zum Netz an sich und der vielseitigen Möglichkeit sich eine alternative Realität auf seinem Screen aufzubauen – nichts anderes tun wir alle täglich. Oder eben den umfangreichen, in alle Richtungen ausgestreckten Fangarmen milliardenschwerer Manipulationsmaschinerien ins Netz zu gehen. Ihren falschen Bildern zu verfallen und die Fähigkeit der kritischen Reflektion zu verlieren. Eben so wie auch “Videodrome” hier Max manipuliert, bis zu einem Punkt, an dem Gesehenes und tatsächlich Erlebtes sich zu mischen beginnen, an dem Fiktionales und die Realität verschmelzen und sich bizarre Abgründe auftun.

Bizarre Abgründe, die sich durch eine gesund portionierte Dosis Cronenberg’schen Body-Horror darstellen – schleimig, blutige Dinge geschehen, Körper tun sich auf, die Medien dringen ein, um den Konsumenten von innen heraus zu zerstören. Sicher nicht das subtilste Bild, doch wer den abgestumpften Konsumenten wachrütteln will, muss zu drastischen Maßnahmen greifen. Verblüffend, wie es diesem Regisseur immer wieder gelingt eine Ebene in seine Werke zu spinnen, die weit mehr als stumpfes Horrorfutter beinhaltet – Gesellschaft, Realität, Eskapismus, all diese Themen tauchen immer wieder in seinem Oeuvre auf und bilden mal subtil, mal ganz offensichtlich die Fundamente seiner Filme.

Und das gelingt! VIDEODROME ist gehaltvoll, atmosphärisch dicht, toll gespielt und zudem einfach creepy as f#%k – ein wahrer Cronenberg-Streifen!


Wertung
8 von 10 modifizierten Videorekordern


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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