Archiv der Kategorie: Horror

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#horrorctober 2019, Film #3: Die Farbe (2010)

Ich bin erst spät zu H.P. Lovecraft‘s Werk gekommen, doch so sehr mich meine ersten Versuche im zarten Jugendalter an der – in meiner damaligen Sicht – altbackenen Sprache und Erzählweise scheitern ließen, so sehr haben mich knapp 20 Jahre später seine beklemmenden Grusel-Geschichten kosmischen Ausmaßes gepackt. Am stärksten daran wohl ein besonderer Aspekt, der sich wie ein roter Faden durch sein Werk zieht: Der Autor erzählt vom Unsichtbaren hinter der Fassade des normalen, von Dingen, Wesen und Ereignissen auf die seine Protagonisten treffen, die zu begreifen der menschliche Geist schlicht nicht im Stande ist. Doch so wenig das Unbeschreibliche zu beschreiben ist, so sehr macht er es fühl- und erlebbar.

Letzteres ist wohl der Punkt, warum seine Werke filmisch abzubilden keine triviale Aufgabe ist. Angespannte Stimmung an der Grenze zum Wahnsinn, eine Welt die nicht ist wie sie scheint, sich aber deshalb ein klein bißchen verschoben und falsch anfühlt, ohne klar als Hölle auf Erden erkennbar zu sein – ohne ein Händchen für Wirkung und ein intensiv ausgeprägtes Stilbewusstsein brauchen Filmemacher_innen sich an diese Stoffe gar nicht erst heranzuwagen, auch will sehr genau überlegt sein, was genau die Filme tatsächlich auf der Leinwand abbilden. Das Unzeigbare zu zeigen kann schnell ins Lächerliche abdriften.

Nun habe ich Huan Vu‘s DIE FARBE von 2010 gesehen und kann mich vor diesem, ganz offensichtlich ohne nennenswertes Budget entstandenen Film (nicht “finanziert durch”, sondern “gesponsert by lokale Brauerei”), nur verneigen. Richtiger als Vu – seines Zeichens übrigens treibende Kraft hinter der empfehlenswerten Website genrefilm.net – es mit seiner Interpretation des Lovecraft-Kurzromans THE COLOUR OUT OF SPACE angeht, geht es wohl kaum.

In kontrastreichem, die Welt in einen mysteriösen Schein kleidenden Schwarz/Weiss zeigen Vu und Kameramann Martin Kolbert uns den Einfall einer fremdartigen kosmischen Macht in die natürliche Idylle deutscher Wälder. Nervenzerreibend flimmern Streicher, unerklärlich stellen sich die Phänomene im Sommer nach dem Meteoriteneinschlag da, fiebrig entwickelt sich der mentale Verfall aller involvierten Dörfler. Dass einige Darsteller in den kleineren Rollen nicht der A-List entspringen, gibt dem ganzen sogar noch zusätzlich etwas leicht entrücktes.

In der Limitierung liegt hier auch sonst die Kraft, denn der Horror entspringt, ganz dem Erbe Lovecrafts verschrieben, nicht aus dem offenkundig Sichtbarem, sondern der eigenartigen Veränderung von Natur und Mensch und einem damit einergehenden Vertrauensverlust in die Regeln unserer Welt. Menschen scheinen besessen, Insekten und Früchte mutieren, etwas stimmt nicht – doch niemand versteht wie man dies wieder umkehren kann. Alles scheint möglich, das schlimme Ende unabdingbar.

Auch wenn der Film nach herkömmlichen Maßstäben sicher nicht als perfekt durchgeht, hat Vu hier weit mehr als das Bestmögliche rausgeholt – was an Budget fehlt, holen Schnitt, Kamera und Erzählweise auf natürlichem Wege wieder rein. Ich war gefesselt und verbleibe begeistert, aber auch mit einigen zynischen Fragen im Hinterkopf.

Wieso redet über diesen Film kaum jemand?

Wieso ist man nach Fertigstellung als Filmproduzenten nicht an Huan Vu herangetreten, hat ihm einen Blanko Scheck – von mir aus gedeckelt – ausgestellt und gesagt “mach mal!”?

Wieso durfte Martin Kolbert, der hier einige der atmosphärischsten Bilder einfängt, die ich im deutschen Film bis jetzt bewundern durfte, abseits von DIE FARBE nur vier Kurzfilme machen dürfen?

Die Antworten kenne ich. Akzeptieren werde ich sie jedoch so schnell nicht…

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Film geschaut: The Greasy Strangler (2017)


The Greasy Strangler (IMDb) – Groteske/Slasher/Trash, USA, 2016 – Regie: Jim Hosking, SkriptJim Hosking, Toby Harvard, Kamera: Mårten Tedin, Musik: Andrew Hung, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Tiberius Film


Review
Manche Filme sind mit einer kurz und knappen Aussage am besten (und vielleicht sogar hinreichend) reviewt. Im Falle von THE GREASY STRANGLER hätte sie unmittelbar nach “Genuss” des Films wie folgt lauten können: “Was zur Hölle habe ich hier gerade für einen versifften, infantilen und dabei hochgradig vergnüglichen Hirnschiss gesehen!?“ Doch als Senfmeister vom Dienst, sehe ich es als meine Blogger-Pflicht, mehr als diesen knappen Satz zu einem schrägen Werk wie diesem abzugeben – vor allem, weil ein wenig mehr drinsteckt, als der erste, trashige Eindruck glauben lässt. Film geschaut: The Greasy Strangler (2017) weiterlesen

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(Neuer) Deutsch(sprachig)er Genrefilm #16: Tatort – Fürchte Dich (2017)


Tatort: Fürchte dich (IMDb) – Horror/Krimi, Deutschland, 2017 – Regie: Andy Fetscher, Skript: Andy Fetscher, Christian Mackrodt, Kamera: Benjamin Dernbecher, Musik: Steven Schwalbe, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Das Erste


Review
Sich einen von den wenigen Typen, die innerhalb des deutschsprachigen (Film)Raumes innerhalb des letzten Jahrzehnts konsequentes Genre-Kino fabriziert haben, als Regisseur für einen TATORT zu holen, zeigte sich in der Vergangenheit bereits als gute Idee – immerhin lieferte Marvin Kren, seines Zeichens treibende Kraft hinter Perlen wie RAMMBOCK und BLUTGLETSCHER mit TATORT: KALTSTART einen der besten mir bekannten “Sonntags-Krimis” ab.

Nun durfte Andy Fetscher (Regisseur von u. A. BUKAREST FLEISCH und URBAN EXPLORER) ran, um das Halloween-Special FÜRCHTE DICH herunter zu kurbeln und was soll ich sagen – ditt Ergebnis war dufte! Frankfurt der Ort, dunkel die Nacht und wahrlich hemmungslos schmeißt der gute Mann mit allem um sich, was die Horror-Landschaft an Tropes, Motiven und Stilmitteln zu bieten hat. (Neuer) Deutsch(sprachig)er Genrefilm #16: Tatort – Fürchte Dich (2017) weiterlesen

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Film geschaut: Deep in the woods – Au fond de bois (2010)


Deep in the woods (IMDb) – Psychothriller/Drama/Rape’n’Revenge, Frankreich, 2010 – RegieBenoît Jacquot, Skript:  Benoît Jacquot, Kamera:  Julien Hirsch, Musik:  Bruno Coulais, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Alamode Film


Review
Mit DEEP IN THE WOODS bekommen wir den seltenen Fall eines, unter anderen Vorzeichen stark abstrahierten Genre-Motives vorgesetzt – Obsession, Gewalt und weitere typische Horror-Motive, allesamt gewissermaßen in die Autorenfilmer-Variante eines Rape’n’Revenge-Streifens verfrachtet.

Im 19. Jahrhundert macht sich der sleazige Creep Timothée die (ziemlich) schöne Josefine, Tochter eines Edelmannes, gefügig und zwingt sie auf eine zehrende Odyssee durch die Wälder und Dörfer. Schenkt man dem Gezeigten Glauben – Timothée gewinnt ständig mit kleinen Zaubertricks die Gunst der Leute (oder auch ihre Angst) – gelingt ihm dies über das Mittel der Hypnose, doch ob es wörtlich zu verstehen ist, sei dahin gestellt. Viel mehr erscheint die Technik allegorisch, stellvertretend für die Wirkung welche Menschen, bzw. bei Ausweitung der Betrachtung auch ganz allgemein Geschlechter, aufeinander haben. Regisseur Benôit Jaquot agiert an der Basis seines Stoffes symbolisch, Timothée zieht Josefine, auf welche Weise auch immer, in den Bann. Film geschaut: Deep in the woods – Au fond de bois (2010) weiterlesen

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(Neuer) Deutsch(sprachig)er Genrefilm #15: Homesick (2015)


Homesick (IMDb) – Psychothriller/Horror, Deutschland, 2015 – RegieJakob M. Erwa, SkriptJakob M. ErwaKameraChristian Trieloff, MusikChristofer Frank, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Darling Berlin


Review
Kann Ehrgeiz uns in den Wahnsinn treiben? Die Erwartung uns die Luft nehmen? Wie hoch muss der Druck steigen, damit wir unter ihm zerbrechen? Wenn auch nie ansatzweise in der gleichen Liga wie die eindeutigen großen Vorbilder Polanski, Lynch & co., lotet HOMESICK in feinster Tradition besagter Altmeister eben diese Fragen auf einer mal subtilen, mal brachial fordernden psychologischen Ebene aus.

Die anstehende Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb macht die junge Cello-Studentin Jessica nervös – vom Professor als beste Spielerin der Hochschule ausgewählt, übt sie, gerade mit ihrem Freund in eine neue Wohnung gezogen, inmitten der Umzugskartons und umringt von seltsam besitzergreifenden neuen Nachbarn, Tag ein, Tag aus, um die beste Leistung ihres Lebens zu liefern. Technisch bereits perfekt, muss sie nur noch lernen loszulassen, den Emotionen den Steuerknüppel in die Hand zu geben und dem Erfolg würde nichts mehr im Wege stehen. Doch Selbstzweifel nagen. Es fehlt Ruhe, um in Einklang mit sich selbst zu kommen, zu beobachtet fühlt sie sich im neuen Umfeld, zu feindselig muten ihr die Ereignisse in der anonymen neuen Umgebung und der leeren Wohnung an. Die Einsamkeit beginnt zu nagen.

Was HOMESICK im Folgenden trägt, ist ein gelungenes Spiel mit der völligen Ungewissheit. Beobachtet die (herrlich verschroben und dadurch ungemein creepy aufspielende) ältere Dame aus dem ersten OG sie tatsächlich stetig durch das Fenster zum Hof? Schwingt in ihren Worten der bedrohliche Subtext mit, den Jessica auszumachen scheint, oder geht das Ganze nur auf emotionale Dünnhäutigkeit zurück? Von Freunden und dem Partner zum Durchatmen aufgefordert – das alles sei “doch nicht so schlimm“ und sie „solle nicht übertreiben” – schleichen sich bald die ersten Alb-(oder vielleicht doch Tag-)träume ein. (Neuer) Deutsch(sprachig)er Genrefilm #15: Homesick (2015) weiterlesen

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