Japanuary 2019, Film #1 – Your Name.

Your Name. (IMDb) – Sci-Fi Lovestory, Japan, 2016 – Regie: Makoto Shinkai Skript: Makoto Shinkai Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Universum Film

Review
Ist die Liebe universell? Leben wir nur auf den einen Punkt hin, der uns diese eine Person treffen und für immer ins Herz schließen lässt? Sind Menschen gar “für einander bestimmt”?

Wenn im alltäglichen Leben Menschen mit solch esoterischen Thesen und Behauptungen um sich schmeißen, dreht sich mir als Wissenschaftler, Rationalist und Klardenker regelmäßig der Magen um. Von Seelen(verwandschaft), Schicksal und ähnlichem Geschwurbel halte ich genau Nullkommanichts und könnte regelmäßig an die Decke gehen, weil heutzutage leider statt Aufklärung und Wissenszuwachs eine starke Zunahme des irrationalen Quatsches in der Gesellschaft zu verzeichnen ist. Das ist nicht gut. Bildet euch. Bitte!

Nach diesem kurzen Rant aber ein wichtiger Zusatz: Wozu bräuchten wir Filme, wenn sie ausschließlich die Realität abbilden würden? So sehr ich mir in der Realität rationales Denken wünsche, so sehr begrüße ich es, wenn Filme sich so frei wie möglich bei “was wäre wenn”-Szenarien bedienen. Uns mit Zeitreise, Monstern, Weltraum, anderen Dimensionen, Schicksal, Magie, und, und, und den nötigen Eskapismus aus einer (manchmal ZU) kargen Welt ermöglichen. Träumen dürfen und sollen wir – man muss nur irgendwann auch wieder auf dem Boden landen – und somit ist Film das perfekte Medium, um in die Wogen des Fantastischen abzudriften.

Eben dies tut Makoto Shinkai in seinem x-ten Film (jedoch meinem ersten Kontakt mit diesem Filmemacher) mit Bravour. Boy meets Girl mal ganz anders gedacht, denn nachdem Mitsuha und Taki in ihren Träumen die Körper tauschten, sich über das Leben im Körper des anderen ineinander verliebten, durch die Zeit reisten, um sich vor einer großen Katastrophe zu retten, ist klar, dass wir hier keine gewöhnliche Liebesgeschichte vom Fließband genießen durften. Stattdessen steht ein großes Ausrufezeichen hinter der Kraft der Liebe. Shinkai lässt sie nicht nur als Triebkraft zu, die zwei Menschen sich finden lässt, sondern ganze Berge (oder Kometen) verrücken, ja gar die Geschichte der Welt neu schreiben.

So zuckersüß und angekitscht wie diese Zeilen klingen mögen, schaut sich YOUR NAME. auch. In warmes Licht getaucht, von wunderschönen, Aquarell-Gemälden gleichenden Landschafts-Animationen durchzogen, wohnen wir dem Weg der zwei liebenswerten Hauptfiguren bei und durchleben große Gefühle. Aufkeimende Zuneigung fühlt sich hier ebenso echt an, wie das schwere Drama und die herzerweichende Verzweiflung bei der Suche nach dem “Seelenverwandten”. Wären die Gefühle bloße Behauptung, ginge YOUR NAME. wohl als triefendes Bonbon der Extraklasse durch, doch innerhalb seines emotional aufgeladenen Settings, gelingt es Shinkai mich hier jede einzelne Emotion glauben (und mitfühlen) zu lassen.

Sicher spielt dabei die technische Perfektion des Animes eine tragende Rolle. Meine Kontaktflächen zu dieser Art Film (oder Serie) beschränken sich bis dato fast ausschließlich auf 80er/90er Jahre Serien, sowie Hayao Miyazaki (bzw. Ghibli allgemein) und der Zuwachs auf dem technischen Level hat mich schlichtweg umgehauen. Eine perfekte Symbiose aus von Hand gezeichneten Bildern und synthetischem Lighting, durch und durch Bilder zum Einrahmen und an die Wand hängen und, für die emotionale Tragweite des Films elementar, ein sicheres Händchen in der Umsetzung der Figuren und ihrer Gefühlsregungen.

Ja, YOUR NAME. hat mir verdammt gut gefallen und den ganz tief in mir verborgenen Romantiker ein Stück weit angesprochen. Ein bewegender Film, dem es spielend gelingt uns zu vermitteln, dass die Liebe etwas wertvolles und wunderschönes ist, ganz ohne sich dabei in den ihm innewohnenden “übernatürlichen” Konzepten, oder gar stumpfen Rollenklischees zu verrennen.

Schön!

Wertung
8 von 10 abgebrochenen Kometen-Splittern

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In eigener Sache: In 2018 wird es…

…hier leider erst mal eine Pause auf unbestimmte Zeit geben.

Dass die Frequenz dieses Blogs im letzten Jahr sowieso schon deutlich gesunken ist, hat sicher bereits jeder gemerkt, der hier früher mal regelmäßig rein schaute. Wieder seit 2 Wochen kein Beitrag, keine Reaktion auf Nominierungen, keine, bzw. nur sehr sporadische Teilnahme an regelmäßigen Events wie dem Media Monday – die Zeichen waren zu erkennen.

Nun das Problem. Dieser niedrige Output ist etwas, das mich lange Zeit konstant wurmte und irgendwann, so haben es mir einige Ereignisse der letzten Tage gezeigt, dann ganz unterbewusst zu Stress wurde – “da würde ich gern, nein, da muss ich doch eigentlich drüber schreiben” ist ein Gedanke, der zum stetigen Begleiter wurde, keinen Film konnte ich mehr wirklich “frei” sehen (bzw. Comic “frei” lesen, im Entwurfs-Ordner türmen sich (viele!) angefangene Reviews, die wohl nie fertig gestellt werden, weil Zeit und Verpflichtungen sie überholt haben. Fände sich hier alles, worüber ich gerne schreiben täte, dann würden täglich mindestens 2-3 Beiträge zu Filmen, Musik, Comics oder Nerd-Scheiß in euren Feed purzeln.

Das würde ich gerne so umsetzen, aber ich schaffe es nicht. Im Gegenteil. Ich renne seit einer ganzen Weile nur noch hinterher und der eigentliche Antrieb für all das hier – Spaß an der Auseinandersetzung mit Film/Musik/Medien, Freude am Diskurs und an diesem bescheidenen Weg des gestaltens – ist, so habe ich nun bemerkt, vollständig einer Knechtschaft unter kruden selbst auferlegten Verpflichtungen gewichen. Das ist nicht schön, das macht keinen Spaß und nun ist es so weit gekommen, dass es mich (in Verbindung mt einigen anderen Dingen in meinem Leben) sogar etwas aus der Bahn geworfen hat. Ich will dieses “ich müsste”-Gefühl nicht mehr.

Also: Konsequenzen ziehen. Ich will weniger Verpflichtung, dafür wieder mehr Leidenschaft, habe die Prioritäten überdacht und setze den digitalen Entgiftungs-Rotstift an. Zumindest hier, denn meine kleine Evaluation eben dieser Prioritäten hat ergeben, dass mir über die Jahre der Podcast deutlich wichtiger als das schreiben geworden ist.

Also. So long fellas und danke an die (stillen aber vorhandenen) Leser, Liker und Kommentatoren! Irgendwann lesen wir uns sicher wieder

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Film geschaut: Atomic Blonde (2017)


Atomic Blonde (IMDb) – Action/Thriller, USA/Deutschland, 2017 – Regie: David Leitch, Skript: Kurt Johnstad, Kamera: Jonathan Sela, Musik: Tyler Bates, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Universal Pictures Germany


Review
Doppelagenten hinter dem eisernen Vorhang, geschmuggelter Jack Daniels, Amis, MI:6 und Kommunisten – in David Leitch’s zweiter, auf der Graphic Novel THE COLDEST CITY von Anthony Johnston basierenden Regiearbeit ist Berlin nicht bloß Teil oder Schauplatz des Kalten Krieges, die Stadt IST der Kalte Krieg. Dreh- und Angelpunkt, Schlachtfeld, taktisches Mittel im Wettlauf um Information und Vormacht in dem nie enden wollenden Kräftemessen der Seiten. Es brennt, doch von der Wärme echter Flammen ist nichts zu spüren – im Gegenteil, der Name der Vorlage ist Programm: Berlin erstrahlt verfremdet im kühlen Schein des Neonlichts, ein anonymer Ort ohne Menschlichkeit.

Glücklicherweise macht Leitch keinen Hehl daraus, auf welchem Medium Charlize Theron’s Jagd nach einem MacGuffin, der ominösen „Liste“, welche bereits einen Agenten das Leben kostete, basiert – ATOMIC BLONDE ist im besten Sinne comichaft, spielt in einer ähnlich verzerrten Variante der Realität, wie sie uns bereits zuvor in JOHN WICK vorgesetzt wurde. Hier gelten andere Regeln, niemandem kannst du trauen, es existieren (auf beiden Seiten der Mauer) verborgene Welten unter der Oberfläche der Normalität (falls man, vor allem in Ostberlin, überhaupt von Normalität sprechen kann), in denen ganz eigenen Kriege ausgefochten werden – jeder hat ein zweites Gesicht, statt Auftragskillern sind es nun Agenten, die sich beschatten, manipulieren und schlimmstenfalls liquidieren. Film geschaut: Atomic Blonde (2017) weiterlesen

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Ein paar Worte zu: Lommbock (2017)


Lommbock (IMDb) – Stoner-Komödie, Deutschland, 2017 – Regie/SkriptChristian Zübert, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Universum Film


Review
Nach T2 – TRAINSPOTTING folgt im gleichen Jahr die nächste Fortsetzung, welche fast 20 Jahre nach Erscheinen des Vorgängers eigentlich niemand wollte oder brauchte, die sich aber trotz dieses Umstands erstaunlich gut schlägt.

Und zwar, weil auch LOMMBOCK sich nicht nur blind in Nostalgie suhlt und das gleiche wie damals in der Variante lauter und doller macht, sondern in mal feinen, mal groben Spitzen und Motiven eine (fehlende) Entwicklung thematisiert, indem uns ein bittersüßes Bild des Stillstands vorgesetzt wird. War in der Erinnerung alles super damals, doch sind die Couch, die “Theorien” (aus denen immerhin schwammige “Recherchen” geworden sind) und die Spliffs tatsächlich eine tragende Option für die Ewigkeit? Ein paar Worte zu: Lommbock (2017) weiterlesen

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Podcast(s): Durch den Podcatcher gejagt #25 (2017)

Auch wenn es wieder ein Weilchen zu lang gedauert hat – keine Sendung in der folgenden Auflistung ist brandheißer Shizzle – sehe ich eine Entwicklung, denn wie ihr merkt hat der neue Post kein erneutes Jahr gedauert. Boom! Viel Spaß mit den folgenden Sendungen!


Filme

  • Neu ausgecheckt: Die Auswahl von SoFiFe Berlin hatte schon länger meine Aufmerksamkeit und als Daniel vom Spätfilm sie dann vor kurzem mit dem Worten: “Die SoFiFe-Episode zu PIRATENSENDER POWERPLAY ist Podcast-Gold” auf Twitter hypete, war es so weit. Besagte Folge #20 wanderte im den Podcatcher und ich gehe, nach einigem laut lachenden Wandern durch (mich perplex ansehende) Menschenmassen, absolut mit. Vielleicht sogar Podcast-Platin. Freunde, ihr seid echt ganz großartig!
  • Bei Longtake haben sich Lucas B. und Gast Kamil von den Archivtönen in Episode #85 meiner Hassliebe Wong Kar-wai zugewandt. Seinem Gesamtwerk, um genau zu sein. Auf jeden Fall spannend zu hören, was echte Liebhaber in den Filmen finden, die mich so unendlich genervt haben.
  • Die Realfilm-Adaption von GHOST IN THE SHELL hat mir irgendwie gefallen, obwohl ich nach einigem Nachdenken darüber an dem Punkt ankam, dass er inhaltlich extrem dünn und streng genommen ziemlich schlecht ist. Wahrscheinlich hat es mich geblendet, dass in einem Hollywood-Film überhaupt mal minimale Anregungen über themen Nachzudenken stecken. Was an dem Film alles schief läuft, wurde wunderbar im /Filmcast Episode #412 ausgeführt. Ist schon ziemlich flach das Ding. Fast wütend gab sich Dennis in der Augabe #64 des Lichtspielcast, ziemlich unschlüssig gaben sich die Kollegen von Schöner Denken im Gespräch nach ihrem Kinobesuch.
  • Es ist #horrorctober und das bedeutet Horror, wohin das Auge schaut. Im Spätfilm eröffnete Daniel die Aktion mit Episode #131, einer Solo-Nummer zum Kult-Klassiker CARNIVAL OF SOULS. Schöne Sendung (ich bin einer der fünf, die ihn auch gern alleine hören) und ein gelungener Auftakt, dem noch weitere neun starke Sendungen folgen sollten.
  • Ebenfalls voll im #Horrorctober-Fieber waren die Archivtöne (in einigen Solo-Nummern, startend mit KKS Nummer #1 zu CUBE, sinnierte Kamil über das Genre), die Bildnachwirkung in dreizehn Gast-unterstützten Episoden zu tollen Filmen (u.a. Horrorctober #3 mit A TALE OF TWO SISTERS oder Horrorctober #9 zu THE THING, in dem ich selbst Mitredner war) und nicht zuletzt ich selbst bei Enough Talk! Falls ihr euch gewundert habt, dass hier im Blog nix passierte: ich habe drüben mit Gästen, in Stammbesetzung und sporadisch auch alleine 13 Podcasts in einem Monat raus geballert. Los ging es mit Episode #28.1 zum Effekt-Fest THE VOID.
  • Ich könnte jetzt noch mindestens 30 Episoden mehr zum #Horrorctober bewerben, aber abonniert einfach, sofern noch nicht geschehen, die Feeds und genießt die Sendungen – quantitativ sollte das an Horror-Talks für die dunkle Jahreszeit reichen Podcast(s): Durch den Podcatcher gejagt #25 (2017) weiterlesen

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