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Film: UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung (1989)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Capelight Pictures


Fakten
Jahr: 1989
Genre: Satire, Komödie
Regie: Jay Levey
Drehbuch: “Weird Al” YankovicJay Levey
Besetzung: “Weird Al” YankovicMichael RichardsVictoria Jackson, Kevin McCarthyFran DrescherDavid BoweStanley BrockAnthony GearyTrinidad SilvaGedde WatanabeBilly Barty
Kamera: David Lewis
Musik: John Du Prez
Schnitt: Dennis M. O’Connor


Review
Wir befinden uns in einer Zeit des medialen Umschwungs, die vor allem dadurch gezeichnet ist, dass die (zuvor über ein halbes Jahrhundert andauernde) immense Vorherrschaft des linearen Fernsehens zunehmend schwindet – und mit ihr sowohl Einfluss der speziellen Formate auf den Menschen, wie auch der Stellenwert der wohnzimmerlichen Mattscheibe im Leben der Massen. Welche Umstrukturierungen das langfristig zur Folge hat, wird sich zeigen, dass die “Religion TV” zunehmend um ihre Jünger bangen muss, zeigen bereits jetzt die Quoten.

“Sometimes you gotta stand up and say: This floor is dirty as hell, and I am not gonna take it anymore!”

Greift also eine Satire mit dem offensichtlichen Ziel, den jahrzehntelangen Irrsinn des Dauerschleifen-TV-Alltags von vorne bis hinten frei zu legen und durch den Kakao zu ziehen, auch noch knapp 30 Jahre nach ihrer Entstehung? In einer völlig veränderten Medienwelt? Es hängt wahrscheinlich von der Ausgangslage ab – definitiv geht es allerdings als kluger Schachzug durch, die Wiederveröffentlichung eines solch “geheimen Klassikers” um ein Event herum zu bringen, dass die Zugkraft des Unterhaltungsfernsehens in seinen besten Zeiten immer noch herauf beschwört und die Nation vor den flimmernden Schirmen vereint – Live und in Farbe wird gekickt, zig Millionen schalten ein, fast wie damals. 

Fakt ist, dass die grundsympathische, in gewissen Kreisen fanatisch als Kultfilm abgefeierte Blödel-Satire UHF – SENDER MIT BESCHRÄNKTER HOFFNUNG bezüglich ihrer inhaltlichen Anliegen nach wie vor ins Schwarze trifft – der Dummheit sind auch in 2016 noch keine (und werden auch nie) Grenzen gesetzt (sein) und das Angebot an Fremdscham-erzeugendem geistigen Dünnpfiff existiert ungebrochen, wenn auch immer weiter ins Netz ausgelagert – sie allerdings mit fortschreitendem Verlauf des neuen Jahrtausends immer stärker um Relikte aus vergangenen Zeiten herum tanzt. Gameshows, Nachmittags-Talk und co.? Mit der Einstellung von WETTEN DASS? wurde doch der Anfang vom Ende der klassischen “Unterhaltungsformate” ausgerufen.

Ein Verlust ist das – ohne verklärende Nostalgie betrachtet – ganz sicher nicht, doch erscheint es fast logisch, dass all die irrsinnig-überdrehte Anarcho-Unterhaltung, die der liebenswerte Träumer George hier in seinem Channel 62 anzettelt, nachdem ihm die Leitung dieses (aus dem letzten Loch pfeifenden) Billig-Fernsehsenders übertragen wurde, in der Tragweite ihrer satirischen Seitenhiebe erst die volle Wirkung entfalten können, wenn man miterlebt hat, was das Fernsehen einst für eine gesellschaftliche Dominanz besaß. Wie präsent es war. Und wie kaputt.

“Lesbian Nazi Hookers abducted by UFOs and forced into weight loss programs – all, on this week’s town talk!”

Wenn hier das WHEEL OF FORTUNE zum WHEEL OF FISH mutiert, mit totaler Selbstverständlichkeit Karpfen und Red Snapper auf Gewinnchance hin gedreht werden und das Publikum völlig ausrastet, oder in RAOUL’S WILD KINGDOM ein begeisterter Tierfreund in seiner Wohnung durch die “Wildnis” führt, während er ganz nebenbei allerlei Unfug treibt, erscheint das zwar auf Anhieb nur ähnlich albern und over-the-top, wie die schrägen Slapstick-Momente der eröffnenden INDIANA JONES-Parodie, oder aus dem Fenster fliegende Karate-Kämpfer – aber ist es tatsächlich NUR Klamauk? Steckt nicht unheimlich viel wahres in derartig skurriler Überzeichnung?

Und ob, denn im Kern der leidlich interessanten Grundstory um die Erlangung (und Gefährdung) des Senders, George’s Lebenskrise und Beziehungsprobleme, sowie Konkurrenz zum skrupellosen Marktführer Channel 8, teilen UHF und seine so sympathisch wie grenzdebilen Figuren mächtig aus. In absurden Spots bewerben dauergrinsende Menschen ein Mall in der es einzig Pfannenwender zu kaufen gibt, im lang erwarteten Sequel GHANDI II lässt dieser die Karate-Handkanten spielen (“No more passive Resistance!”), in Stanley Spadowskis Kindersendung stehen die Regler auf zwölf – nicht elf. Zwölf! – aber all dieser groteske Quatsch existiert neben seinem humoristischen Potential eben auch aus dem Grund, uns halb mahnend, halb frech anzugrinsen: “Schaut mal Leute, es fehlt nicht mehr viel, dann sind wir genau hier angekommen!”

Funktionieren tut das nur, weil Writer und Hauptdarsteller Weird Al, zuvor schon ein knappes Jahrzehnt durch musikalische Parodien bekannt, tief verinnerlicht hat, dass den Kern einer jeden Parodie der Geist des Originals bilden muss. Seine RAMBO-Inkarnation, der creepy Science-Dude in seiner mystisch angehauchten Show, die grotesken Themen in Talk Shows (“Sex with furniture, what do you think?”) – das alles sind lediglich leicht verzerrte Abbilder ihrer realen Entsprechungen, die Weird Al nur ein wenig übertreibt und mit einer Prise NAKED GUN-Humor würzt. Wie so oft, wirkt das Ergebnis umso lustiger, je mehr die Vorlagen vom Zuschauer verinnerlicht wurden.

Insgesamt ist UHF jedoch nicht nur eine mal mehr, mal weniger ulkige Satire, sondern auch eine tolle Verbildlichung der Hoffnung darauf, wie man in einer besseren Welt, in der es weniger um Einheitsbrei und glatte Konformität geht, mit Eigensinnigkeit und Freigeist zum Erfolg kommen könnte. Schlussendlich sind George, sein Hausmeister (und aufstrebender Comedy-Star) Stanley und co. beim Publikum nur so erfolgreich, weil sie die “Regeln” links liegen lassen und so verschroben wie sie nun mal sind genau das tun was ihnen in den Kopf kommt – mit Fantasie, mit Kreativität und mit einer gesunden Portion Wahnsinn. Schöner Subtext, der der knackigen Kritik am damaligen Zeitgeist in einem ziemlich lustigen Film das i-Tüpfelchen aufsetzt.


Wertung
7-8 von 10 absurden Alternativ-Versionen von Filmklassikern


Veröffentlichung
UHF – SENDER MIT BESCHRÄNKTER HOFFNUNG ist am 01. Juli 2016 in einer sehr schön restaurierten Fassung bei Capelight Pictures als Mediabook (incl. BluRay, DVD und Booklet) und DVD erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Audiokommentar mit „Weird Al“ und Regisseur Jay Levey, Hinter den Kulissen, Entfallene Szenen, Musikvideo zum Titelsong „UHF“, Comic-Con Podiumsdiskussion „The Wonderful World of ,Weird Al`Yankovic“ (San Diego, 2014), dt. Trailer (Re-Edit), Originaltrailer, Originalteaser. Die Discs kommen im Wendecover ohne FSK Logo.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
Amazon (*) (falls ihr das Amazon-Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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8 Gedanken zu „Film: UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung (1989)“

  1. Der Film ist damals vor allem wegen Michael Richards auf meinen Schirm gewandert, da ich ein riesengroßer “Seinfeld”-Fan bin. Weird Al kenne ich hauptsächlich von seinen Songs und fand “UHF” ebenso unterhaltsam. Wirklich viel hängengeblieben ist aber nicht…

    1. Ich hab den schon ewig auf dem Schirm gehabt (und früher von nem Kumpel mal eine mpeg Version in UNTERIRDISCHER Quali bekommen. Weil die so mies war, hab ich ihn nie geschaut, das re-Release kam mir also gelegen

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