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GeSneakt: Ex Machina (2015)


Titelbild & Trailer © by Universal Pictures Germany


Fakten
Jahr: 2015
Genre: Science-Fiction, Philosophischer Film
Regie:  Alex Garland
Drehbuch: Alex Garland
Besetzung:  Alicia Vikander, Domhnall Gleeson, Oscar IsaacSonoya Mizuno
Kamera: Rob Hardy
Musik: Geoff BarrowBen Salisbury
Schnitt: Mark Day


Review
Caleb ist Programmierer bei der größten Online-Suchmaschine der Welt. Eines Tages gewinnt er bei einer internen Auslosung einen Preis: Eine einwöchiges Treffen mit dem visionären Gründer und Chef der Firma. Ohne zu wissen was die Woche bringen wird, fliegt ihn ein Helikopter weit in die Tiefe eines Nirgendwos aus bergigen Wäldern und Einsamkeit – was der undurchsichtige Nathan ihm dort offenbart, übersteigt alle nur erdenklichen Erwartungen: Er entwickelt seit Jahren eine künstliche Intelligenz und scheint vor dem Durchbruch zu stehen, Caleb wurde ausgewählt, um anhand eines Turing-Tests zu prüfen, ob das System die Kriterien einer K.I. erfüllt. Ob es dem Menschen ebenbürtig ist.

Von Anfang an regieren klug gewählte Kontraste die visuelle Gestaltung und vermitteln schon lange vor dem ersten Treffen zwischen „Mensch und Maschine“ zwischen den Zeilen eine Idee dessen, was Alex Garland in EX MACHINA inhaltlich umschiffen wird. Reinste, vollkommen unberührte Natur umschmiegt den Ort des Geschehens – tief aus dem Inneren des Gebirges entspringt ein Quell des Lebens, brodelndes Bergwasser formt Bäche. Natürlich – noch nie wurde hier eingegriffen, seit Jahrtausenden nimmt die Zeit ihren Lauf, das Wasser sprudelt, nährt die Natur, diese wächst, gedeiht, vergeht und wächst erneut. Doch inmitten dieser beeindruckenden Natürlichkeit weilt ein Konstrukt, wie es artifizieller nicht sein könnte. Nathan’s Komplex ist definiert durch glatte Betonwände, futuristische Computertechnik, keinen Strahl Sonnenlicht im Innern. Eine Bastion der Künstlichkeit, nichts ist hier aus sich selbst erwachsen. Es wurde geschaffen. Und auf die gleiche Art und Weise, soll hier nun Leben erschaffen werden. Künstlich.

Doch was ist Leben eigentlich? Wo hört die programmierte Maschine auf, wo beginnt der Mensch? Oder etwas ihm gleichwertiges?

Nathan’s hat seiner K.I. einen Körper gegeben, der bis auf die Oberfläche dem unseren gleicht (vielleicht das perfekteste, was Computertechnik jemals in einem Film geschaffen hat) – Kopf, Hände und Füße sind bereits ein genaues Abbild unserer Spezies und er hat ihr einen Namen gegeben: Ava. In täglichen Sitzungen soll Caleb ausloten, ob Ava intelligent ist, sich ihrer Selbst bewusst. Schnell beginnt sich die Komplexität und philosophische Komponente dieser Fragestellung zu manifestieren: Wie definiert man Intelligenz überhaupt? Kann ein rational durchdachter Katalog an Merkmalen und Eigenschaften ausreichen, um den Sprung von der Maschine zur Lebensform zu vollziehen? Ist eine künstliche Intelligenz überhaupt eine Lebensform (bzw. WAS ist eine Lebensform)? Wenn ja, wie muss man mit ihr umgehen? Wie dürften wir, die Erschaffer, über sie verfügen, also welche Rechte, Freiheiten, etc. stehen ihr zu?

Dies sind die ganz großen Fragen, mit denen sich Science-Fiction sonst seit jeher beschäftigt und deren Auslotung immer wieder ungeahnte Aspekte hervorbringt, frische Gedanken anstößt und aufs Neue dazu einlädt sich über Beschaffenheit und Definition des Lebens Gedanken zu machen. Dies ist das Stichwort: sich Gedanken machen! EX MACHINA bewandert äußerst subtil und weitsichtig die verschiedensten Pfade des hypothetischen Umgangs mit dieser künstlichen Intelligenz und trotz gelungener Beleuchtung der unterschiedlichen Sichtweisen über die Eigenschaften von Caleb und Nathan steht nie wirklich eine Antwort im Raum – eher die Frage: „Wie stehe ich selbst dazu?“. Garland geht diesen Themenkomplex in EX MACHINA konkret an (ähnlich wie beispielsweise Spike Jonze in seinem absolut großartigen Gedankenexperiment HER, welches noch abstrahierter die gleichen Fragen stellte) – Ava sieht aus wie ein Mensch, agiert wie ein Mensch, SCHEINT wie ein Mensch zu fühlen – ist es also legitim, sie als solchen zu behandeln? Oder ist alles doch nur Code in einem künstlichen Hirn? Ist sie uns gar überlegen, vielleicht die nächste Stufe der Evolution? Daraus folgt: Ist Evolution auf Fleisch und Blut beschränkt, oder wird sie die Natürlichkeit irgendwann zwangsweise, aus sich selbst, also der entstandenen Intelligenz heraus, transzendieren?

DAS ist Science-Fiction: Fortschritt, der über bloße hyper-Technisierung hinaus geht und existenzialistische Herausforderungen mit sich bringt, die komplexer als ein einfaches Ja oder Nein sind. Deren Probleme gar unlösbar scheinen und gerade deshalb immer wieder und immer aus neuen Blickwinkeln beleuchtend reflektiert werden müssen. Wie schwer sich der Mensch mit der Akzeptanz des andersartigen tut, zeigt uns leider schon sein Umgang mit der eigenen Spezies, vom unumstößlichen Glauben daran die Spitze der Schöpfung zu sein ganz zu schweigen. Wie wird es also sein, wenn wir wirklich mal an dem Punkt stehen, der hier gezeigt wird? Was müssen Menschen denken, um diese Hürde zu überwinden?

Fragen, Fragen, Fragen. EX MACHINA weißt eine derart dichte Substanz auf, dass die vollkommen makellose Inszenierung zur Nebensache verkommt. Der Inhalt (welcher durch das überragende Spiel von Alicia Vikander als Ava, irgendwo zwischen maschineller Programmierung und tief menschlicher Zerbrechlichkeit, eine besonders eindrucksvolle Wucht verliehen bekommt) besitzt eine solche Tragweite, dass es wahrscheinlich nur einem mindest-Interesse an der Materie bedarf, um gedanklich nach Genuss dieses Meisterwerks sehr lange nicht mehr zur Ruhe kommen. Ein wahrhaft großer Film – zum Fühlen, zum Grübeln und abseits davon auch noch ein atmosphärisches Erlebnis. Wahnsinn.


Wertung
10 von 10 Sitzungen zur Ergründung des Bewusstseins


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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15 Gedanken zu „GeSneakt: Ex Machina (2015)“

  1. super review, mit schoenen gedanken, die ich so ausformuliert (noch) nicht zum film hatte. mit hat er der film auch sehr gut gefallen, dieses spiel zwischen ava und caleb war wirklich grossartig. und das ende ist auch boese und gut!

    1. Danke dir
      Mich hat der Film so stark zum nachdenken über diese Themen gebracht. Bin immernoch Baff (wie gut der Film ist, hat mir der Schrott, den ich gestern in der nächsten Sneak gesehen habe nochmal vor Augen geführt)!

  2. Verflixt, der lief bei uns letzten Freitag auch – und ich konnte nicht hingehen! Habe deine Kritik nur grob überflogen und finde es SEHR schade, dass ich den in der Sneak verpasst habe. Aber sicher ist, dass ich mir den Film sofort ansehe, wenn er regulär anläuft!

Und eure 2 Cents?