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Serie: Braunschlag (2012)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by EuroVideo Medien GmbH


Fakten
Jahr: 2011
Genre: Satire, Groteske, Gesellschaftskritik
Showrunner: David Schalko
Network: ORF Eins
Crew (Writer, Director, Cinematographer, Editor): IMDb-Übersicht
Besetzung: Robert Palfrader, Maria Hofstätter, Nicholas OfczarekNina ProllManuel RubeyAdina VetterSabrina ReiterChristopher SchärfSimon SchwarzRaimund WallischDavid MiesmerDavid Wurawa
Musik: Kyrre Kvam


Review
Österreichisches Kino hat sich in den letzten 20 Jahren zu einer filmischen Instanz mit ganz eigener Tonalität gemausert. Seidl und Haneke drehen harte, ungeschönte Filme, die dort treffen wo es weh tut und auch auf der heiteren Seite des Spektrums weht ein anderer Wind als hierzulande – die Brenner-Reihe, TV-Filme wie AUFSCHNEIDER, oder überdrehte Werke der Marke CONTACT HIGH, welche irgendwo zwischen tiefschwarzer Groteske und wohldosiertem Irrsinn hin und her schwappen, sprechen eine klare Sprache. Seltener als gewissen Kinofilme schaffen es reine TV-Erzeugnisse der Nachbarn auf den deutschen Markt – leider. Denn die 2011er Miniserie BRAUNSCHLAG, eins von wenigen Exemplare, denen dieser Sprung über die Grenze vergönnt ist (und die mit Netflix- und Maxdome-Auswertung auch eine entsprechende Bühne bekommen), lässt auf ihre ganz eigene Art und Weise keinen Zweifel aufkommen, dass sich derartige Importe mehr als lohnen.

Tief in Niederösterreich, nah der Tschechischen Grenze, ist das verschlafene Kaff Braunschlag gelegen – ein Ort in dem verkorkste Typen einen UFO-Landeplatz betreiben und täglich auf Kontaktaufnahme der Außerirdischen hoffen, erwachsene Männer von ihrer Mutter (in Schürze) mit Nackenschlägen gemaßregelt werden, wenn sie sich vor dem Essen nicht bekreuzigen und die herunter gewirtschaftete Dorfdisco die letzte (und daher tägliche) Flucht für gescheiterte Seelen bietet. Freund Alkohol wird den quälenden Zustand der Existenz schon richten – oder zumindest ein Stück erträglicher machen. In 8 Episoden dürfen wir verschiedensten, durch und durch in ihrer Skurrilität am Anschlag rangierenden Handlungssträngen beiwohnen, in denen gestrige Denke, an die Wand gefahrene Existenzen und stereotype Klischees diverser Alltagsfiguren ihr Fett weg bekommen. Nicht zu knapp und mit sarkastischem Augenzwinkern. Serie: Braunschlag (2012) weiterlesen

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Meinung: Media Monday #241

Da bin ich, nach einer Woche Snowboarding, wieder und widme mich zunächst dem Media Monday #241. Wulf’s Text habe ich mit kursiven Antworten ergänzt. Und keine Sorge, dieses Jahr geht es nicht ganz so Karnevals-lastig wie vor einem Jahr zu.


1. Wenn es mal ein Film zu reinen Unterhaltungszwecken sein darf, greife ich ja sehr gerne zu kleinen, geradlinigen Genrefilmen. Ohne doppelte Böden und tiefere Aussagen kommen Thriller, Horrorfilme, etc. in der Regel noch am besten über die Runden. Es darf also auch mal Selbstzweck sein – das soll natürlich nicht heißen, dass alle Filme dieser Art substanzlos wären, aber mir gefallen kleine Werke mit einfachem Ansatz (wie z.B. der high-Speed Actioner THE VIRAL FACTOR, oder der Haunted House Horror WE ARE STILL HERE) mittlerweile einfach besser als aufgeblasene Hollywood-Filme, die mit Budget um sich werfen.

2. Neben Karneval gibt es ja noch viele andere Gründe sich zu verkleiden und bei der Mottoparty eines Kumpels zum Thema “Helden und Schurken” hat mir das allgemeine Auftreten auch richtig gut gefallen, denn nicht nur, dass meine Lady und ich als stilechte X-MEN (sie Storm, ich Wolverine) unterwegs waren, auch waren Catwoman, Batman, Robin, Captain America, der Joker, Hitman, die Daltons, die Ghostbusters, etc., etc. anwesend Ein großer Spaß!

3. THE BIG BANG THEORY hat nicht mehr viel mit der ursprünglichen Ausrichtung zu tun, schließlich ging es mal darum, auf einem, dem Mainstream verständlichen Level huldigend und augenzwinkernd in Richtung Nerdtum zu nicken, mittlerweile hingegen ist es eine 08/15-Sitcom, die den üblichen Beziehungs-Quatsch endlos durch-exerziert und am laufenden Band Film-, Game- und Serien-Titel fallen lässt. Über das bloße Nennen von Schlagwörtern (und demnach die Aussage “Nerds zocken und glotzen Serien”) geht dieses Namedropping jedoch leider nicht mehr hinaus – Highlights wie das Laser-Experiment sind wohl Vergangenheit. Meinung: Media Monday #241 weiterlesen

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Film: Jagdszenen aus Niederbayern (1969)


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Fakten
Jahr: 1969
Genre: Gesellschaftskritik
Regie: Peter Fleischmann
Drehbuch: Peter Fleischmann
Besetzung: Martin Sperr, Angela Winkler, Else Quecke, Michael Strixner, Maria Stadler, Gunja Seiser, Johann Brunner, Hanna Schygulla, Renate Sandner, Ernst Wager, Johann Lang, Johann Fuchs, Hans Elwenspoek
Kamera: Alain Derobe
Musik: –
Schnitt: Barbara Mondry, Jane Seitz


Review
JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN (oder: Die gnadenlose Demaskierung des deutschen Nachkriegs-Heimat-Mythos)

Damals, 1969, die übliche Behauptung: In einem x-beliebigen Dorf in Süddeutschland, repräsentativ für jedes andere, lebt eine glückliche Dorfgemeinschaft. Die Menschen verüben fröhlich ihre Arbeit und die Sonne scheint bis tief in die Herzen hinein.

Hier gezeigte Realität: Die fröhliche Gemeinschaft ist in Wahrheit eine zutiefst verrohte Sippschaft in der Intoleranz, psychische und körperliche Gewalt, sexuelle Übergriffe und Alkoholismus tief verwurzelt und gedudelt sind, allerdings durch eine scheinheilige Doppelmoral unter dem Deckmantel der gottesfürchtigen-Angepasstheit totgeschwiegen werden.

Diese Angepasstheit ist das Wichtigste in der provinziellen Denke der Dorfbewohner. Eine makellose, sichtbare Fassade bewahren. Nicht auffallen. Bloß nicht aus dem Rahmen der akzeptierten gesellschaftlichen Normen herausbrechen. Jede (vermeintliche) Störung der etablierten Strukturen mit ganzer Kraft bekämpfen. Film: Jagdszenen aus Niederbayern (1969) weiterlesen

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Film: Angst Essen Seele Auf (1974)


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Fakten
Jahr: 1974
Genre: Gesellschaftskritik, Liebesgeschichte, Drama
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder
Besetzung: Brigitte Mira, El Hedi ben Salem, Barbara Valentin, Elma Karlowa, Anita Bucher, Gusti Kreissl, Doris Mattes, Margit Symo, Katharina Herberg, Lilo Pempeit, Peter Gauhe, Marquard Bohm
Kamera: Jürgen Jürges
Musik: –
Schnitt: Thea Eymèsz


Review
“Nix viel denken gut. Aber viel denken, viel weinen.”

Bloß nicht immer wieder nach dem warum fragen, denn eine sinnvolle Antwort gibt es nicht. Nach Resignation folgt Abschottung und schweigende Akzeptanz für unmenschliche Verhältnisse. Den Sinn im Wahnsinn zu suchen, führt unweigerlich zu selbigem, also wird geschluckt und ertragen.

“Keine Angst, Angst nix gut.”

Was führt zu Fremdenhass? Nicht Fakten, denn Fakten die so etwas rechtfertigen existieren nicht. Nicht Wahrheiten, denn die Wahrheit ist nun mal, dass wir alle die selben sind, egal ob wir Schweinebraten oder Couscous essen, egal was unsere Muttersprache ist und egal ob wir hell oder dunkel sind. Der Grund ist Angst. Angst vor dem Unbekannten, das allein durch seine Natur als Bedrohung auf den sicheren, lang etablierten Lebensraum empfunden wird. Angst vor Veränderung, obwohl doch alles oberflächlich so gut scheint. Angst davor, den vertrauten Horizont hinter sich zu lassen und außerhalb der eigenen Festungsmauern hilflos ausgeliefert zu sein. Film: Angst Essen Seele Auf (1974) weiterlesen

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