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Film: JCVD (2008)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Koch Media GmbH


Fakten
Jahr: 2008
Genre: Tragikkomödie, Drama, Action, meta-Film
Regie: Mabrouk El Mechri
Drehbuch: Mabrouk El Mechri, Frédéric Benudis, Christophe Turpin
Besetzung: Jean-Claude Van Damme, Valérie Bodson, Hervé Sogne, John Flanders, Vincent Lecuyer, Raphaëlle Lubansu, Zinedine Soualem, Karim Belkhadra, Jenny De Chez, Jesse Joe Walsh, François Damiens
Kamera: Pierre-Yves Bastard
Musik: Gast Waltzing
Schnitt: Kako Kelber


Review
So durchwachsen seine Karriere auch sein mag und so sehr er in den letzten Jahren in eine Senke der Vergessenheit glitt: Jean-Claude Van Damme, die ewige Nummer zwei hinter Arnie und Sly, ist trotzdem eine Action Legende.

– “Du bist van Damme, du hast John Woo nach Amerika gebracht!”
– “Und wo bin ich jetzt?”

Gute Frage, wo ist er jetzt, der Karate-Kämpfer, König des Spagat, Colonel William F. Guile, Frank Dux, der Universal Soldier? Ein Star auf der großen Leinwand? Headliner in den Class-A Action und Martial-Arts Produktionen? Eine schillernde Figur, die nostalgisch verklärt abgefeiert wird? Ganz sicher nicht. Viel mehr hat er einen Großteil seiner Karriere in den Tiefen des Direct-to-Video Mittelmaßes verbracht, vielleicht den falschen Produzenten vertraut, ganz sicher die falschen Entscheidungen getroffen und nie den Sprung nach GANZ oben geschafft. Zwar existiert eine eingeschworene Fangemeinde, die jedem neuen Film entgegen fiebert, doch was verbindet die Masse mit seinem Namen? Ein leichtes Grinsen können sich die meisten wohl nicht verkneifen – Jean-Claude Van Damme, der Belgier der es nie so recht gepackt hat.

Und so tut er im Jahr 2008 etwas mutiges: Er spielt in JCVD, im Rahmen einer alltäglichen Geschichte, sich selbst und stellt sich der bitteren Wahrheit über sich als Person, über den Status seiner Karriere und über den Gehalt der Filme die er gedreht hat. Ehrlich und ungeschönt, Van Damme am Boden und als die Bank, in der er kein Geld bekommt weil er pleite ist, überfallen wird, auch ganz sicher kein Held mehr. Der Film (also auch er als Person) macht keinen Hehl aus seinen Eheproblemen (JCVD war 5 mal verheiratet), seinem katastrophalen Umgang mit Geld, sowie komplett persönlichen Problemen, z. B. seinem psychischen Zustand und der (hoffentlich hinter ihm liegenden) Kokainsucht. Einmal die Hose bis zu den Knöcheln runter lassen, um Gemächt (und Seele) blank zu ziehen. Boom. Das sitzt.

Und da das Leben bekanntlich die besten Geschichten schreibt, muss JCVD nicht viel mehr tun, als mit einem eigenartigen, tragisch-komischen Blick große Teile von van Dammes Leben aufzugreifen – dass das Resultat dem Karate-Veteranen einen absolute Herzensangelegenheit ist, merkt man schnell, wächst dieser in seiner Selbst-Verkörperung doch schauspielerisch völlig über sich hinaus: Ein menschlicher, zerbrechlicher Action-Star, den man hier mit nie gekannter Emotionalität erleben darf. Das kommt überraschend, wie aus dem nichts, überzeugt, reißt mit, beeindruckt, bewegt sogar ein bißchen. So wie Van Damme mitten im Film wörtlich vom Boden abhebt, um die vierte Wand zu durchbrechen, transzendiert das gesamte Konzept sein vorheriges Oeuvre um Welten – Wahnsinn.

Dass die rahmengebende Bankraub-Geisel-Geschichte ihre Längen und das Drehbuch immer wieder kleine Hänger hat, fällt durch den gesetzten Fokus kaum ins Gewicht – was hier zählt ist JCVD, der sich von einer nie gekannten Seite zeigt. Einer Seite die erahnen lässt, dass hinter der Fassade aus Roundhouse-Kicks, Spagat und gespielter Coolness ein (entgegen aller Kampfkunst) verletzlicher Mensch steckt, der trotz des Erfolgs einiges eingesteckt hat und nun ein Resümee zieht.

“Was habe ich für diese Welt getan? Nichts! Nichts habe ich für diese Welt getan!”

Doch Jean-Claude. Ob derber Trash, oder gelungener B-Reißer – ein paar tolle Filme hast du uns geschenkt.


Wertung
7 von 10 gelungenen Meta-Experimenten


Veröffentlichung
JCVD ist bei Koch Media GmbH als BluRay und DVD erschienen. Die Discs kommen im Wendecover ohne FSK Logo.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

4 Gedanken zu „Film: JCVD (2008)“

  1. Ach, schön, dass du dir diesen Film angesehen hast! Ich habe “JCVD” damals im vollbesetzten Saal auf dem Fantasy Filmfest gefeiert! Hat definitiv meinen Respekt für Jean-Claude Van Damme erhöht, auch wenn ich seine Leistung als Kampfkünstler ohnehin schon immer geschätzt habe (mein Ex-Mann macht selbst Karate, da war ich “vorbelastet”).

    1. Ist schon eine Weile her, dass ich den sah – ich reanimiere ja konstant einihe alte Kritiken, die derzeit auf Entwurfs-Status stehen. Ist mir aber in sehr guter Erinnerung geblieben!

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