Film: Fahrraddiebe – Ladri di biciclette (1948)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Alamode Film


Fakten
Jahr: 1948
Genre: Sozial-Drama, Nachkriegsfilm
Regie: Vittorio De Sica
Drehbuch: Oreste Biancoli, Suso Cecchi D’Amico, Vittorio De Sica, Adolfo Franci, Gherardo Gherardi, Gerardo Guerrieri, Cesare Zavattini
Besetzung: Lamberto Maggiorani, Enzo Staiola, Lianella Carell, Gino Saltamerenda, Vittorio Antonucci, Giulio Chiari, Elena Altieri
Kamera: Carlo Montuori
Musik: Alessandro Cicognini
Schnitt: Eraldo Da Roma


Review
Es beginnt positiv, locker und unscheinbar.
Es entwickelt sich zunehmend problematisch.
Es endet niederschmetternd, bitter und hoffnungslos.

FAHRRADDIEBE ist ein Fenster in eine Zeit, die (zum Glück) aus unserer Generation keiner mehr nachempfinden kann. Ein Fenster, dass sich verdammt echt anfühlt: Europa ist zerstört, die Menschen haben nichts mehr, über die Runden zu kommen ist ein dauerhafter Kampf. Hunderte Männer hoffen auf eine einzige Stelle die frei wird, um einen kleinen Obolus zu verdienen, verzweifeln schier an den fehlenden Möglichkeiten und bangen um ihr Leben. Das trifft, denn heute ist (glücklicherweise) alles so unglaublich sicher – nicht mehr wirklich vorstellbar, dass man damals GAR NICHTS hatte, bzw. sein letztes Hemd (oder Laken) für ein wenig Geld, Nahrung oder Medizin lassen musste. Dass ein Fahrrad zur Ausübung eines Jobs über Existenz oder Niedergang entscheiden konnte.

FAHRRADDIEBE fotografiert das Nachkriegs-Rom zwar in vollkommener Schönheit, bekommt aber mit zunehmender Laufzeit einen bittersüßen Beigeschmack, der gegen Ende wahrhaft giftig wird. Ein integrer Mann, der ehrlich seinen Unterhalt verdienen will, um sich und seine Familie zu ernähren, der moralisch richtig handeln möchte, wird durch etwas, was uns heute nur noch als ein kleines Ärgerniss erscheint, hammerhart mit dem Rücken an die Wand gedrängt. Die Armut hat er immer als überaus reale Bedrohung im Nacken, die FOlgen könnten fatal sein – das will er verhindern und geht daran, zumindest moralisch, beinahe zu Grunde. Es verändert ihn, er verhält sich schlecht, lässt seinen kleinen Sohn allein, kann seine Aggressivität nicht mehr im Zaum halten. Das ist VERZWEIFLUNG. Und ein Einzelschicksal von vielen, dessen schreiende Ungerechtigkeit in diesem präzisen Drama mit Wucht ins Herz des Zuschauers trifft und den Wert der heutigen Sicherheit mal wieder bewusst vor Augen führt. Und das die Welt gemein sein kann. Auch ungerecht. Auch kalt. Auch niederschmetternd.

FAHRRADDIEBE von Vittorio de Sica macht daraus nicht, wie viele damalige Vertreter, vor allem des amerikanischen Heile-Welt-Kinos, einen Hehl, sondern ist daran interessiert ungeschönte Wirklichkeit auf die Leinwand zu bringen. Gut so, denn Kino muss nicht heile Welt sein, Kino muss auch wachrütteln, um wie hier schöne, schmerzvolle und ganz sicher auch unheimlich wichtige Filme hervor zu bringen.


Wertung
8 von 10 deftigen Schicksalsschlägen


Veröffentlichung
FAHRRADDIEBE ist bei Alamode Film als DVD erschienen.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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