Archiv der Kategorie: Bücher

Ich habe mir vorgenommen mehr zu lesen – der Vorsatz geht schleppend voran. Dennoch möchte ich meine Eindrücke der Romane teilen. Für viel-Leser ist die Auswahl vielleicht kalter Kaffee, aber das soll kein Hinderniss sein.

Comic: Charles Berberian – Cinerama (2013)

Titelbild & Bildausschnitte © by Reprodukt


Eckdaten
Story: Charles Berbérian
ArtworkCharles Berbérian
ColoristCharles Berbérian
Genre: Satire, Autobiografisches Werk
Label: Reprodukt
Umfang: 57 Seiten
Gelesen: Deutsche Übersetzung, Trade Paperback, August 2016



Plot
Autobiografisch reist Autor Charles Berberian durch seine eigene cineastische Sozialisation und reflektiert den Geist all der unsäglich-komischen B-, C- und Schundwerke, die er im Bagdad der 60er und/oder Frankreich der 80er in sich aufsog. Humorvolle Nacherzählungen wirrer Plots gehören ebenso zu dieser Reise durch die Welt der Obskuritäten, wie eine lockere Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhältnis zum Kino.


Review
Begegnungen mit jenem B- und C-Kino früherer Epochen, welches gemeinhin als qualitativ minderwertig angesehen wird, können ein unablässiger Quell der Freude sein. Offenherzige Filmfreunde (wie ich) mit einem notwendigen Hang zum Obskuren, wissen und schätzen dies auf verschiedenste Weise – die einen bezeichnen Gummimonster im Kampf mit unfähigen Schauspielern als “liebenswert naive Trashfilme”, die anderen sprechen mit strahlenden Augen vom “Zauber vergangener Tage” und ganze Youtube-Kanäle (und Festivals und Podcasts) sind augenzwinkernd den “besten schlechten Filmen” gewidmet. Was die meisten dieser Blickwinkel jedoch vereint, ist die ironische Distanz, welche durch Jahrzehnte andauernde Verschollenheit der Werke im Dunst des Vergessens und eine (oft kollektiv gefeierte) rituelle Wiederentdeckung entsteht. Sind halt “nur” die netten Filmchen von damals.  Comic: Charles Berberian – Cinerama (2013) weiterlesen

Comic: Ed Brubaker – Criminal Vol. I – Coward (2006)

Titelbild & Bildausschnitte © by Image & Icon Comics (MARVEL)


Eckdaten
Story: Ed Brubaker
Artwork: Sean Phillips
Colorist: Enigma (Val Staples)
Genre: Noir, Crime, Psychologischer Thriller
Label: Icon Comics (MARVEL)
Umfang:  143 Seiten (5 Hefte)
Gelesen: Englisch, digital, Juli 2016



Plot
Leo ist ein Dieb mit einem strengen Kodex, angeblich der Beste seines Fachs und wandelt nur noch, so denkt er zumindest, in Freiheit (und unter den Lebenden), weil er immer konsequent seinen Prinzipien treu bleibt. Ein Gangster aus seiner Vergangenheit, mit einem korrupten Cop im Schlepptau, eröffnet ihm jedoch ein Angebot, welches er aufgrund der desaströsen Zustände, die derzeit sein Leben bestimmen, nicht abschlagen kann. Obwohl die Sache etwas fishy und die anderen Beteiligten zu nervös erscheinen, lässt er sich darauf ein – und so Gott (und das Noir-Genre) will, wählt der Lauf der Dinge eine unangenehme Richtung.


Review
Premiere in meiner kleinen und bescheidenen Comic-Kategorie – erstmalig schreibe ich über ein Buch, dass ich nun sogar schon zum zweiten Mal gelesen habe. Vor Jahren schwärmte mir ein Comic- und Film-verrückter Freund von einem großartigen Noir-Band vor. Ästhetik und Themen der klassischen Filmgattung seien perfekt getroffen, die Atmosphäre ein Knaller und in den einzelnen Heften fänden sich sogar noch Essays des Autors zum Film-Noir, die jedem Filmfan auf der geistigen Zunge zergehen würden. Obwohl ich heute weiß, dass besagter Kumpel ein hoffnungsloser Brubaker-Fanboy ist, sollte er recht behalten, denn als ich mich einige Tage später überzeugen durfte wurde schnell klar: CRIMINAL VOL. ICOWARD (und auch LAWLESS, dazu aber wann anders mehr) ist ein ziemlich starkes Buch und huldigt den düsteren Noir-Themen in jedem Panel.  Comic: Ed Brubaker – Criminal Vol. I – Coward (2006) weiterlesen

Comic: Frank Miller – Batman: Year One (1988)

Titelbild & Bildausschnitte © by DC Comics


Eckdaten
StoryFrank Miller
ScriptFrank Miller
ArtworkDavid Mazzucchelli (Inker/Penciller), Richmond Lewis (Colorist)
Genre: Superheld, Noir, Crime
Label: DC Comics
Umfang:  127 Seiten
Gelesen: Englisch, Trade Paperback, Juli 2016


Plot
Wie der Titel schon sagt – YEAR ONE erzählt das erste Jahr des Bruce Wayne nach seiner Heimkehr aus Übersee, inklusive der Origin des Batman und dessen ersten Streifzügen neu. Im gleichen Zuge (und quantitativ sogar präsenter) auch parallel von Comissioner (bzw. damals noch Lieutenant) Gordon nach seiner Versetzung zum Gotham City Police Department. Gordon schlägt sich in einer Hölle voll Gewalt und Abschaum mit hochgradig korrupten Kollegen, unangebrachten Gefühlen für seine Partnerin Sarah Essen und dem ominösen Geist Batman herum, der in nächtlichen Aktionen Kriminelle krankenhausreif prügelt. In einem Schlüsselmoment kreuzen sich ihre Wege und Gordon erkennt, nach anfänglicher Skepsis, auf welcher Seite des Gesetzes Batman steht.


Review
Frank Miller’s, zwei Jahre nach THE DARK KNIGHT RETURNS erschienene, endgültige Neuinterpretation des “Mythos Batman”, ursprünglich in den fortlaufenden Comics BATMAN #404-407 veröffentlicht, ist eine derjenigen Storys, welche man unmöglich isoliert für sich betrachten kann, weil die wegweisenden Entwicklungen die sie ins Rollen brachte und die langfristige popkulturelle Strahlkraft untrennbar mit dem Inhalt verknüpft sind.

Jeder kennt, derzeit vor allem durch Christopher Nolan’s und jüngst auch Zack Snyder’s Leinwandadaptionen, Batman. Und jeder hat bei seinem Namen den “dunklen Ritter” in einer korrupten Stadt voll Wahnsinn vor Augen – der Clou dabei: ohne den Spin, den Miller, Moore und co. der Figur (und ihrer Welt!) in den Achtzigern mitgaben, hätten weder Burton, noch Nolan, noch Snyder wohl die entsprechende Ästhetik und Themenvielfalt umgesetzt, die in ihren Filmen zu finden ist, denn der Weg vom scharfsinnigen Detektiv, über den campigen Gadget-König bis zum gebrochenen Antihelden in versifften Straßenschluchten war weit. Comic: Frank Miller – Batman: Year One (1988) weiterlesen

Comic: Robert Kirkman – The Walking Dead Vol. I – Days Gone By (2003)

Titelbild & Bildausschnitte © by Image Comics


Es wird zum Muster – schon wieder habe ich mir einen Band vorgenommen, der als Vorlage für Bewegtbilder herhalten musste. In diesem Falle jedoch, konnte mich die darauf basierende Serie THE WALKING DEAD nicht wirklich abholen. Hab vor Jahren mal S1 gesehen, empfand sie als ziemlich ziellos und leidlich interessant, dachte “guckst du irgendwann weiter” und hab es nie getan. Ob sich das bald ändern wird? Das Vorwort von Autor Robert Kirkman hat mir immerhin eine gute Idee geben können, wo der Stoff eigentlich hin will…


Eckdaten
StoryRobert Kirkman
ScriptRobert Kirkman
ArtworkTony MooreCliff Rathburn
Genre: Endzeit, Zombie, Drama
LabelImage Comics
Umfang: 146 Seiten
Gelesen: Englisch, Digital, Juli 2016


Plot
Der Kleinstadt-Cop Rick wird bei einem Einsatz angeschossen und erwacht Wochen später im Krankenhaus aus dem Koma. Die Welt um ihn herum ist wie leergefegt und vollkommen verwüstet. Schnell offenbart sich ihm in seiner Verwirrung ein maßgeblicher Unterschied zu vorher: auf den Straßen wandern Untote die mit rabiaten Methoden versuchen, ihm das Fleisch von den Knochen zu knabbern. Von einem Fremden erfährt er, dass es eine unerklärliche Zombie-Apokalypse gegeben hat und die Regierung den Menschen rät, sich zum Schutz in die Metropolen zu begeben – hoffnungsvoll (und bewaffnet) macht er sich auf den Weg, seine Frau und seinen Sohn zu suchen.


Review
In seinem Vorwort erklärt Autor Robert Kirkman seine Intention, bei der Arbeit an The Walking Dead. In den üblichen Zombie-Filmen, so sagt er, fehlte ihm immer das Wissen über all das, was sich nach dem Abspann ereignet. Die nagende Ungewissheit, wie es wohl mit den Figuren in dieser heruntergekommenen Welt weitergehen wird, ließe ihm nie Ruhe. Und aus diesem Grund wolle er anfangen eine Geschichte zu erzählen, bei der dieser unschöne Abschied niemals eintritt – augenzwinkernd schreibt er selbst von einer Soap-Opera mit Zombies. Eine Geschichte, die dem Leser also die Möglichkeit gibt, über weite Strecken Charakterentwicklung und -veränderung mitzuerleben, die durch die Umstände in einer Vorhölle abgestoßen werden. Für ein Verständnis dessen, was die Reihe erreichen will, ist dieses Vorwort essenziell.

Wie oben bereits beschrieben, machte sich beim schauen der AMC-Adaption nämlich ein Gefühl der Ziellosigkeit bereit. Hier erfahre ich nun, dass das genau der Sinn ist. Das es bewusst kein Ziel geben soll, damit der Inhalt sich einzig um das Innenleben der Figuren dreht. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder derartige Schwerpunkte sind mir in der ersten Staffel der Fernsehserie einfach entgangen oder (und bei der Brillanz, mit der diese Comic-Reihe eröffnet erscheint mir dies wahrscheinlicher) Kirkman gelingt der erforschende Blick in die geschundenen Seelen seiner Figuren bereits auf den ersten 140 Seiten um ein vielfaches besser.  Comic: Robert Kirkman – The Walking Dead Vol. I – Days Gone By (2003) weiterlesen

Comic: Alejandro Jodorowsky & Moebius – Incal Vol. 1 – The Black Incal (1981)

Titelbild & Bildausschnitte © by Humanoids


Eckdaten
StoryAlejandro Jodorowsky
ScriptAlejandro Jodorowsky
ArtworkJean Henri Gaston Giraud (Moebius)
Genre: Science-Fiction, Dystopie, Abenteuer
Label: Humanoids
Umfang: 50 Seiten
Gelesen: Englisch, Digital, Juni 2016



Plot
John DiFool ist Privatdetektiv in der futuristischen Megacity Terra 21. Auf einem dubiosen Auftrag fällt ihm in den Katakomben der Stadt ein unbekanntes Artefakt in die Hände, dem, wie sich bald zeigt, übernatürliche Kräfte innewohnen und unzählige Parteien hinterher jagen – teils mit brutalen Mitteln. Die Regierung setzt den Kopfgeldjäger Metabaron auf ihn an – zur Flucht gezwungen verlässt er in Begleitung seines Haustiers – einer Möwe – die Stadt und landet in der riesigen Technocity.


Review
Als Filmfan, mit der Intention in die unendliche Welt der Comics hinein zu schnuppern, drängen sich vereinzelte Bücher als Einstiegspunkte förmlich auf – eine der ersten Anlaufstellen aus diesen offensichtlichen Kandidaten bildet natürlich der Comic-Output eines der Großmeister des surrealen Kinos: Alejandro Jodorowsky. Sein Debut in dieser Kunstform ist die Serie INCAL, die er Anfang der 1980er gemeinsam mit dem französischen Zeichner (und Künstler) Mœbius realisierte. Zwei eigensinnige Köpfe am Werk – sollte mich etwa ähnlich größenwahnsinniger Irrsinn erwarten, wie Jodorowsky ihn zuvor mit seiner gescheiterten Adaption vonFrank Herbert’s DUNE hatte liefern wollen (und einfach zu viel wollte, weswegen den Film dann doch David Lynch Jahre später realisierte)? Oder eine bissig-verdrehte Version der Realität wie in MONTANA SACRE oder EL TOPO? Spoiler vorweg: Nichts davon, der Qualität (und Weirdness) des Werkes tut diese Erkenntnis allerdings keinen Abbruch.  Comic: Alejandro Jodorowsky & Moebius – Incal Vol. 1 – The Black Incal (1981) weiterlesen