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Comic: Robert Kirkman – The Walking Dead Vol. I – Days Gone By (2003)

Titelbild & Bildausschnitte © by Image Comics


Es wird zum Muster – schon wieder habe ich mir einen Band vorgenommen, der als Vorlage für Bewegtbilder herhalten musste. In diesem Falle jedoch, konnte mich die darauf basierende Serie THE WALKING DEAD nicht wirklich abholen. Hab vor Jahren mal S1 gesehen, empfand sie als ziemlich ziellos und leidlich interessant, dachte “guckst du irgendwann weiter” und hab es nie getan. Ob sich das bald ändern wird? Das Vorwort von Autor Robert Kirkman hat mir immerhin eine gute Idee geben können, wo der Stoff eigentlich hin will…


Eckdaten
StoryRobert Kirkman
ScriptRobert Kirkman
ArtworkTony MooreCliff Rathburn
Genre: Endzeit, Zombie, Drama
LabelImage Comics
Umfang: 146 Seiten
Gelesen: Englisch, Digital, Juli 2016


Plot
Der Kleinstadt-Cop Rick wird bei einem Einsatz angeschossen und erwacht Wochen später im Krankenhaus aus dem Koma. Die Welt um ihn herum ist wie leergefegt und vollkommen verwüstet. Schnell offenbart sich ihm in seiner Verwirrung ein maßgeblicher Unterschied zu vorher: auf den Straßen wandern Untote die mit rabiaten Methoden versuchen, ihm das Fleisch von den Knochen zu knabbern. Von einem Fremden erfährt er, dass es eine unerklärliche Zombie-Apokalypse gegeben hat und die Regierung den Menschen rät, sich zum Schutz in die Metropolen zu begeben – hoffnungsvoll (und bewaffnet) macht er sich auf den Weg, seine Frau und seinen Sohn zu suchen.


Review
In seinem Vorwort erklärt Autor Robert Kirkman seine Intention, bei der Arbeit an The Walking Dead. In den üblichen Zombie-Filmen, so sagt er, fehlte ihm immer das Wissen über all das, was sich nach dem Abspann ereignet. Die nagende Ungewissheit, wie es wohl mit den Figuren in dieser heruntergekommenen Welt weitergehen wird, ließe ihm nie Ruhe. Und aus diesem Grund wolle er anfangen eine Geschichte zu erzählen, bei der dieser unschöne Abschied niemals eintritt – augenzwinkernd schreibt er selbst von einer Soap-Opera mit Zombies. Eine Geschichte, die dem Leser also die Möglichkeit gibt, über weite Strecken Charakterentwicklung und -veränderung mitzuerleben, die durch die Umstände in einer Vorhölle abgestoßen werden. Für ein Verständnis dessen, was die Reihe erreichen will, ist dieses Vorwort essenziell.

Wie oben bereits beschrieben, machte sich beim schauen der AMC-Adaption nämlich ein Gefühl der Ziellosigkeit bereit. Hier erfahre ich nun, dass das genau der Sinn ist. Das es bewusst kein Ziel geben soll, damit der Inhalt sich einzig um das Innenleben der Figuren dreht. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder derartige Schwerpunkte sind mir in der ersten Staffel der Fernsehserie einfach entgangen oder (und bei der Brillanz, mit der diese Comic-Reihe eröffnet erscheint mir dies wahrscheinlicher) Kirkman gelingt der erforschende Blick in die geschundenen Seelen seiner Figuren bereits auf den ersten 140 Seiten um ein vielfaches besser. Comic: Robert Kirkman – The Walking Dead Vol. I – Days Gone By (2003) weiterlesen

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Roman: Arkadi & Boris Strugatzki – Picknick Am Wegesrand (1972)

Hat ja richtig gut geklappt mit dem regelmäßigen Lesen (und vor allem “im Blog Reviewen”) von Kurzgeschichten und Romanen. Nicht. Seit ich vor fast einem Jahr das erste (und einzige Mal) mit dem Text zu DIE BEWOHNTE INSEL der Strugatzkis versuchte, etwas zu einem Buch zu schreiben, habe ich von den Autoren zwar noch die zwei weiteren Teile der Kammerer-Trilogie gelesen, aber den Allerwertesten nicht zum Schreiben hoch bekommen. Nun geht es weiter – für mehr Diversität im Blog und gegen den Schweinehund.

Was habe ich gelesen?
Autor(en): Arkadi & Boris Strugatzki
Titel: Picknick Am Wegesrand (OT: Пикник на обочине)
Erscheinungsjahr: 1972
Entstehungsland: Russland
Genre: Science-Fiction, Dystopie, Gedankenexperiment

Worum es geht?
An sechs über den Globus verteilten Orten ist es zu seltsamen, unerklärlichen Besuchen von vermeintlichen Außerirdischen gekommen. Ohne dass die ansässigen Menschen etwas davon bemerkten, ließen die Besucher in kreisrunden Arealen, “Zonen” genannt, eine Fülle an technologischen Artefakten, biologischen Veränderungen, etc. zurück, die die Menschheit vor große Rätsel stellen. Der Roman PICKNICK AM WEGESRAND setzt in den Nachwehen dieser Ereignisse an: In den umliegenden Städten sind sowohl wissenschaftliche Forschungsinstitute zur Untersuchung der unbekannten Technologien entstanden, wie auch ein florierender Schwarzmarkt, auf dem illegale Schatzsucher, genannt “Stalker”, das Diebesgut ihrer lebensgefährlichen Streifzüge in die Zone(n) handeln. Rotfuchs ist einer von ihnen und in mehreren, teils etliche Jahre auseinanderliegenden Momentaufnahmen seines Lebens, begleiten wir ihn (und seine sich wandelnde Weltsicht) auf seinen Wegen in und um die Zone bei Harmont, Canada.

Wie ich es fand?
In seinen vier (sehr unterschiedlichen) Hauptsegmenten streift der Roman unzählige Themen- und Gedankenkomplexe – so viele, dass es fast unmöglich ist, einen sinnvollen Anfang zur Besprechung zu finden. Ganz allgemein lässt sich zunächst sagen, dass die Strugatzki-Brüder für ihre Erzählung einen Ansatz wählen, der wahrscheinlich den meisten Freunden klassischer Science-Fiction sehr zusagen dürfte: PICKNICK AM WEGESRAND ist nicht primär an einer offensichtlichen Handlung interessiert, sondern fungiert wie ein Fluss aus Gedanken und Eindrücken, ein Treiben durch Situationen. Was uns hier geboten wird, ist eine chiffrierte Sammlung an mal mehr, oft weniger offensichtlichen Denkanstößen, die sich aus den Subtexten und Gesprächsfetzen eines hypothetischen Szenarios ableiten und eins zu eins auf unsere aktuelle Welt anwenden lassen – wahrscheinlich sogar noch treffender, als auf die Epoche der Siebziger in der das Buch originär zu Papier gebracht wurde. Dabei spielen psychologische, menschlich-intime Themen eine ebenso starke Rolle, wie gesellschaftliche, gar universelle Fragestellungen. Roman: Arkadi & Boris Strugatzki – Picknick Am Wegesrand (1972) weiterlesen

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Film: Eine Neue Freundin – Une Nouvelle Amie (2015)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Weltkino & Universum Film GmbH


Fakten
Jahr: 2015
Genre: Drama, Gender-Kino
Regie: François Ozon
Drehbuch: François Ozon
Besetzung: Romain Duris, Anaïs Demoustier, Raphaël Personnaz, Isild Le Besco, Aurore Clément, Jean-Claude Bolle-Reddat
Kamera: Pascal Marti
Musik: Philippe Rombi
Schnitt: Laure Gardette


Review
Filme über Crossdressing, (Trans-)Gender, oder (geschlechtliche) Identitäts-Suche begeben sich aus der Natur der Sache heraus in eine unglaubliche Fallhöhe – die Themen sind sensibel, aus dem Volksmund weht all dem leider noch immer eine mächtige Woge der Intoleranz (oder zumindest des Unverständnisses) entgegen und so kann schnell viel falsch gemacht werden. Kann und wird es. Ohne konkrete Beispiele nennen zu können, ist das Gefühl geblieben, dass diese Themenkomplexe meist, in Anlehnung an die Unsicherheit im Umgang mit ihnen, nur für komödiantische Zwecke ausgeschlachtet werden und die resultierende Klischee-Parade in ihrer Plumpheit selten zu überbieten ist (hierbei gilt zudem: je größer/populärer der Film, umso schlimmer das Resultat). Adam Sandler in Frauenklamotten.. was haben wir gelacht. Zugegebenermaßen ist das natürlich der extremste mögliche Vergleich und ganze Welten vom vorliegenden Film entfernt, aber es verdeutlicht ganz gut, was gemeint ist: es fehlt an Sensibilität! Film: Eine Neue Freundin – Une Nouvelle Amie (2015) weiterlesen

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Film: Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach (2015)


Trailer © by Indigo


Fakten
Jahr: 2015
Genre: Schwarze Komödie, Gesellschaftskritik
Regie: Roy Andersson
Drehbuch: Roy Andersson
Besetzung: Holger Andersson, Nils Westblom, Viktor Gyllenberg, Lotti Törnros, Jonas Gerholm, Ola Stensson, Roger Olsen Likvern
Kamera: István Borbás, Gergely Pálos
Musik: Hani Jazzar, Gorm Sundberg
Schnitt: Alexandra Strauss


Review
Es ist wohl nicht gelogen, wenn ich völlig wertfrei behaupte, dass EINE TAUBE SITZT AUF EINEM ZWEIG UND DENKT ÜBER DAS LEBEN NACH (im Folgenden als EINE TAUBE bezeichnet) wohl die seltsamste Kino-Erfahrung meiner jüngsten (bis mittelfristigen) Vergangenheit als Filmliebhaber darstellt.

Ich hatte aufgrund der Festival-Auszeichnungen des Films lobende Worte einiger Personen aufgeschnappt, deren Filmgeschmack ich als spannend einschätze. Dann, als sich die Möglichkeit bot, diesen Film tatsächlich auf einer Leinwand zu erwischen, las ich die Beschreibung und entwickelte eine wahrhaft kindliche Vorfreude, klang doch der “Inhalt” dieses Films im flapsig formulierten Absatz des Kunstkinos außerordentlich ungewöhnlich. Oh ja und das sollte der Film werden.
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Film: Die Jagd – Jagten (2012)


Titelbild & Trailer © by Universum Film


Fakten
Jahr: 2012
Genre: Drama, Thriller
Regie: Thomas Vinterberg
Drehbuch: Thomas Vinterberg, Tobias Lindholm
Besetzung: Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Annika Wedderkopp, Lasse Fogelstrøm, Susse Wold, Anne Louise Hassing, Lars Ranthe, Alexandra Rapaport, Sebastian Bull Sarning, Steen Ordell Guldbrand Jensen, Daniel Engstrup, Troels Thorsen
Kamera: Charlotte Bruus Christensen
Musik: Nikolaj Egelund
Schnitt: Janus Billeskov Jansen, Anne Østerud


Review
Der dänische Dogma ’95-Autheur Thomas Vinterberg erschafft mit DIE JAGD erneut ein bitteres, beängstigend reales Drama, dessen Thematik von enormer gesellschaftlicher Relevanz definiert ist: Nach dem familiären Stillschweigen graunvoller Missstände im 1995er DAS FEST, geht es nun um unreflektierte, wütende Gruppendynamik. Normale Menschen durch einen kleinen, aber wirkungsvollen Impuls mobilisiert, durch eine leitende Führerfigur zu einem wütenden Mob aufgeschaukelt und in völlig abnormen Wahn verfallen.

Um zu verdeutlichen, wie schnell so etwas gehen kann – wie schwierig es sein kann reflektiert zu bleiben und nicht blind zu folgen, zu hinterfragen und immer skeptisch zu sein – wählt er für seine bedrückende Menschlichkeitsstudie ein Thema, bei dem jeder normal denkende Mensch ganz schnell rot sieht: Kindesmissbrauch. Geringste Anzeichen lassen bereits sämtliche Alarmglocken läuten, blitzschnell sind langjährige Freunde zum potentiellen Täter geworden (und somit auf die Abschussliste gerutscht) und die gelebte Integrität einer Person, welche immer problemlos akzeptierte war, wird in Frage gestellt. Wenn es schwer fällt ruhig zu bleiben, kann Vertrauen schnell in Hass umschlagen. Eine beiläufige Aussage kann reichen, um Lawinen ins Rollen zu bringen. Film: Die Jagd – Jagten (2012) weiterlesen

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