Film: Noah (2014)


Trailer © by Paramount Home Entertainment


Fakten
Jahr: 2014
Genre: Fantasy, Drama, Epos, Bibelfilm
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Darren Aronofsky, Ari Handel
Besetzung: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Anthony Hopkins, Ray Winstone, Emma Watson, Logan Lerman, Douglas Booth
Kamera: Matthew Libatique
Musik: Clint Mansell
Schnitt: Andrew Weisblum


Review
Das biblische Zeitalter in computergenerierten Bildern:

Noah wandert durch eine karge, endlose CGI-Wüste. Am Horizont düstere CGI-Städte, deren dunkle Türme sich hoch empor gen Himmel erstrecken. Plötzlich eine CGI-Blüte aus dem Nichts, dann ein CGI-Wald. Langwierig und mühsam beginnen Noah und eine Armee aus verkrüppelten CGI-Stein-Transformern ihre CGI-Arche aus CGI-Holz zu bauen. Und das Wunder geschieht! Zunächst kommen die kunterbunten CGI-Vögel aus aller Herren Länder geflogen. Dann die glänzenden CGI-Schlangen gekrochen. Zuletzt die gemütlichen CGI-Rinder und -Elche. Und plötzlich die CGI-Sintflut.

So weit, so gut, all dies konnte man mehr oder weniger bereits im Trailer zu NOAH betrachten – es soll also niemand behaupten es wäre nicht zu erwarten gewesen. Doch bei all der Zwiegespaltenheit in Bezug auf eben diese bereits bekannten Aufnahmen, existierte im Vorfeld, tief im Herzen des Aronofsky-Fans verankert, sowohl rational, als auch vom Bauchgefühl her eine unumstößliche Hoffnung. Ein elementarer Glauben in Darren Aronofsky und seine unfehlbaren Fähigkeiten als Filmemacher. Den mentalen Wortlaut zu zitieren, klänge in etwa so: „Das sieht zwar aus, wie ein 0815-Blockbuster von der Stange und mit Russell Crowe (nichts gegen ihn) sitzt auch ein typisches Blockbuster Zugpferd „im Boot“, aber das ist verdammt nochmal fuckin‘ Aronofsky und der wird irgendetwas um diese Effekthascherei herum kreieren, was NOAH meilenweit vom üblichen Einheitsbrei abheben kann. Atmosphärisch, psychologisch, audiovisuell, von allem ein bisschen – egal. Einfach irgendwas, das NOAH zu mehr macht.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt – doch nun ist sie in etwas über zwei Stunden Laufzeit elendig vor die Hunde gegangen.

Nichts in NOAH unterscheidet sich auch nur irgendwie von 80% der modernen Multimillionen Dollar Produktionen. Allem voran geht das schwerwiegendste aller Probleme: Die Hauptfigur Noah ist in seinen Beweggründen zwar gerade noch nachvollziehbar, hat aber ansonsten keinerlei Psychologie verpasst bekommen. Er hat genau eine Eigenschaft (nämlich den Willen des „Creators“ umsetzen) und die erfüllt er – das muss reichen. Abseits von Crowes Charakter wird es geradezu ärgerlich: Emma Watson darf die Statistin im Dauer-Heulmodus mimen, Anthony Hopkins ebenso auf Sparflamme, als quasi-Cameo, der wenige weise Reden schwingt und Beeren sucht und Logan Lerman spricht drei Sätze und guckt verloren in die Kamera. Jennifer Connelly wurde minimal gnädiger behandelt – sie bekommt als Frau an Noahs Seite immerhin ein einziges mal die Gelegenheit, so etwas wie einen Charakter zu zeigen. Ansonsten ist auch sie Statistin. Die Show soll Noah gehören. Der legt sich dafür umso mehr ins Zeug, um jedes Wort, jeden Blick, jeden Satz voller Inbrunst und maximal bedeutungsschwanger vorzutragen. Formatfüllende Close-Ups mit angestrengten Blicken untermauern die Last des Weltschicksals auf seinen Schultern. Der Pathos trieft, die Dia- und Monologe sind oft nah an der Grenze zu lächerlich und die Kluft zwischen leerem Inhalt und überbordender Darbietung könnte nicht weiter aufklaffen. Unterlegt ist das alles ununterbrochen von schwulstigem Hollywood-Scoring – das typische „Fühlen-sie-bitte-jetzt“ Syndrom: Clint Mansell’s Musik untermalt nicht, sondern schleudert mit voller Wucht entgegen. Nun-fühlen-sie-gefälligst-(ob-sie-wollen-oder-nicht)!

Zeitweise, wenn gerade mal ein besonders intensives Schluchzen aus Emmas zarten Nasenlöchern ertönt, oder Connelly den Mut fasst, ihrem fanatisch-größenwahnsinnigen Mann nun endlich so richtig die Meinung zu seiner ausgeprägten Misanthropie zu geigen, kippt der Film sogar ins ungewollt komische, weil das Skript einfach zu banal ist. Es wirkt hölzern und lässt keinerlei Blick unter die staubbedeckte Oberfläche zu. Glaubt mir: dies ist kein gewolltes Gebashe, denn als großer Fan des Regisseurs tut diese Aussage weh, wie ein Stich ins Herz!

Aber die größte Enttäuschung an NOAH ist wohl, in welch universellem Maße der Meister des Audiovisuellen hier trotz atemberaubender Kulissen an der Kreation einer mitreißenden Atmosphäre scheitert. Es fehlt vor allem an visuellen Einfällen und guter Taktung. Wie tief (oder eben nicht) Aronofskys frühere fünf Werke in die Köpfe ihrer Figuren abtauchten ist sicher streitbar, auch wenn ich fest der Überzeugung bin, dass seine Filme auf sehr eigene Art audiovisuell Charaktertiefe schaffen konnten, weil sein Stil elementar mit seinen Erzählungen verknüpft ist. Dass sie von eben diesem besonderen, hyper-stilisierten und sehr eigenen Stil geprägt und getragen wurden ist es nicht. NOAH lässt davon nichts erkennen. Der Film transportiert audiovisuell nichts, das Skript hinkt gleichfalls hinterher und so ist NOAH auf jeglicher psychologischen Ebene leer, egal ob es um Figuren-Konflikte oder Noahs aufkeimenden Hass auf die Menschen geht. Nichts davon ist wirklich nachvollziehbar und trägt bis auf kurze Traum- oder Zeitraffer-Einschübe auch optisch nichts von Aronofskys sonst so intensiver Handschrift. Vielleicht soll das so sein (denn wann sind Fanatiker schon nachvollziehbar?), doch gefallen mag es mir so gar nicht. Kurz gesagt: NOAH hat leider weder audiovisuell noch charakterpsychologisch irgendetwas bahnbrechendes zu bieten, versagt als intensives Charakter-Drama und taugt noch nicht einmal als simples Schauwert-Popcorn-Kino – verdammt schade, wenn man sich vor Augen ruft, was der Macher von mehreren meiner Lieblingsfilme sonst auf die Leinwände zauberte.


Wertung
2 von 10 computergenerierten Arche-Tieren


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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15 Gedanken zu „Film: Noah (2014)“

  1. Unterstreicht alles, was ich befürchte. Anfangs fand ich das Projekt ja interessant, aber inzwischen interessiert es mich kaum noch. Besonders, wenn er audiovisuell nix drauf haben soll, wie du ja sagst, und das bei Aronofsky

    1. Auch dies ist ein Review was letztes Jahr direkt nach dem Kino entstand. Ich plane seitdem, dem Film irgendwann mal eine zweite Chance geben, weil ich ihn leider aus der 4. Reihe in miesem 3D sehen musste und daher ziemlich von der Optik abgeturnt war. Vielleicht ist mir da was entgangen, aber ich fürchte nicht.. Manche feiern den Film ja auch ziemlich – immerhin aht er viel Wüste, das dürfte dir als Western-Fan ja gefallen

      1. Dazu kam, dass an dem Tag richtiger Scheiß passiert war (und meine Laune demnach im Keller). Vielleicht kam da einiges zusammen und NOAH ist doch zumindest „okay“.. Irgendwann finde ich es raus..

      2. Deswegen hab ich im Hinterkopf eine lose “Zweite Chance“ Liste. Da stehen zum Beispiel auch AGUIRRE und die GLORREICHEN HALUNKEN drauf

      3. NICHT mögen tue ich ihn nicht, aber ich finde ihn komplett überbewertet. Teils isser ja wirklich genial, besonders das Finale, aber mir fallen so viele Schwachpunkte ein, dass ich bei einer Sichtung des Films immer mit dem Eindösen zu kämpfen habe

      4. Ach was?! Das gibt es ja nicht Ob du es glaubst oder nicht, ich habe wirklich noch NIE gelesen oder gehört, dass irgendjemand auch nur die kleinste Kleinigkeit ab dem Film kritisiert. Für alle ist der immer nur das unantastbare über-Meisterwerk. Ich war gerade verwirrt, vor kurzem hab es auf eurem Blog ja ne Kritik zu den, aber die war ja gar nicht von dir

Und eure 2 Cents?