Copyright by Medienjournal Blog

Meinung: Media Monday #326

Wow, zwei Wochen in Folge bei Wulf’s Media Monday mitgemacht – da kann man ja fast von der Rückkehr der Regelmäßigkeit sprechen. Aber warten wir ab, es kommen noch weitere Montage.  Zunächst widme ich mich den sieben Lückentexten und versuche sie mit meinem Senf zu würzen. Viel Spaß!


1. Wenn ich eins beim Medienkonsum nicht gebrauchen kann, dann Stress. Deswegen habe ich auch wieder aufgehört, mir Rezensionsexemplare oder Screener schicken zu lassen – Filme und Serien schauen ist ein Hobby, die Auseinandersetzung mit ihnen eine Leidenschaft und die soll nicht durch Pflichten korrumpiert werden.

2. Der Wandel in den letzten 15 Minuten hat mir 10 CLOVERFIELD LANE gehörig verhagelt, denn leider wird der Film von einem packenden, psychologischen Kammerspiel abrupt zu einem der schlechtesten Sci-Fi-Actioner die ich kenne. Dabei ist nicht das Problem was passiert, sondern erstens wie es passiert (plump ist kein Ausdruck) und zweitens, dass das Ende trotz diverser Andeutungen im Vorfeld komplett künstlich hinten dran geklatscht wirkt. Mit dem Geist des Films zuvor hat dieser Müll GAR NICHTS zu tun! 

3. Momentan schlägt mein Fan-Herz ja sehr für das Genrekino. Da hat meine Filmliebe damals angefangen, ich habe einen riesigen Kreis geschlagen, zig Sachen ausgecheckt, gedacht ich ich hätte einen relativ anspruchsvollen Geschmack (was, wie sich zunehmend zeigt, nicht so wirklich stimmt) und bin dann doch wieder bei den niederen Reizen gelandet. Horror, Cop-Thriller, Martial-Arts-Actioner, Alien-Sci-Fi, etc. sind, wenn ich mir meine Favoriten der letzten Jahre ansehe, einfach die Filme, denen ich am meisten abgewinnen konnte.

4. Geht euer (multi)mediales Hobby eigentlich mit akuten Platzproblemen einher oder seid ihr längst digital geworden? Es wird eng. Die Kommoden in denen ich die Filme lagere – bei 2000 Vinyls war in Regalen sowieso schon kein Platz mehr für Filme – sind auf Anschlag voll, besondere Editionen habe ich bereits ausgelagert. Da der private Fundus wächst und wächst (und ich gerne eine Weile so weiter machen will), muss ich mir etwas überlegen. 

5. Darren Aronofsky ist ja vielleicht der Grund dafür, dass ich Filme heute so liebe, wie ich es tue. REQUIEM FOR A DREAM hat mir damals den ersten, Film-induzierten ultra-Klos im Hals verpasst und mir mehrere Dinge gezeigt. U.a. wie sehr Style für mich in der Inszenierung eine Rolle spielt (was mich zu Antwort 3 zurückführt) und dass Filme weit mehr in einem auslösen können, als bloß zweistündige „Unterhaltung“. Zwar war NOAH ein absoluter Totalausfall, aber mit MOTHER! ist der Mann wieder sowas von on-top-of-his-game, dass ich ihm diesen Ausrutscher (in dem ich nichtmal verstehe, was er mit dem Film sagen wollte), gern verzeihe.

6. In gemütlicher Runde lässt es sich meiner Meinung nach ja am besten quatschen – nicht Film schauen. Ich bin mittlerweile fast so weit, dass ich Filme am liebsten alleine (bzw. in einem Kino „quasi-alleine“) sehe. Die Sachen, die mir viel geben – und das soll nicht arrogant klingen – „versteht“ in meinem direkten Umfeld eh keiner, denn die echten Filmfreunde wohnen woanders (siehe den Staff des Enough Talk!). Von daher gönn‘ ich mir weirden Genre-Shizzle oder verdrehte Lynch-Eskapaden lieber für mich und werde nicht dadurch gestresst, dass meine Mitseher sich unruhig auf den Sesseln windeln „weil nichts passiert“.

7. Zuletzt habe ich DER BLAUE ENGEL, den ersten Tonfilm mit Marlene Dietrich gesehen und das war durchwachsen, weil er inhaltlich spannende Dinge thematisiert – z.B. den Generationenkonflikt zwischen der neuer Freizügigkeit und verstaubten Altherren in den 20ern – aber mich das Gefühl beschlich man wusste 1930, unmittelbar nach Einführung des Tonfilms, außer ein paar schönen Gesangsnummern noch nicht so recht, was man mit diesem neuen Format eigentlich anfangen sollte. Die Erzählung wirkt sehr unsicher und unfokussiert, die Darsteller verfallen zwischenzeitlich hilflos in die dick aufgetragenen Gesten der Stummfilm-Ära und entscheidende Ereignisse im Plot (die ein Jahr zuvor wahrscheinlich noch per Texttafel kommuniziert worden wären) gehen fast unter, weil die nötigen Informationen um folgen zu können fehlen. Für die Charakterwandel gilt selbiges. Dennoch ein angenehm langsamer Sonntagsfilm und ein Fenster in eine Umschwungzeit des Kinos.

Flattr this!

4 Gedanken zu „Meinung: Media Monday #326“

  1. Ich fand das Ende von „10 Cloverfield Lane“ auch nicht passend. War aber irgendwie zu erwarten bei dem Titel. Man hätte die Geschichte gar nicht unter die Marke stecken sollen, sondern lieber den ursprünglichen „The Cellar“ veröffentlichen. Dennoch mochte ich den Film insgesamt sehr. Ende hin oder her.

  2. Wie dankbar bin ich doch, dass mal jemandem der Schluss von „10 Cloverfield Lane“ nicht gefällt! Ich hab den damals in der Sneak Preview gesehen und war total fasziniert von diesem Kammerspiel – und dann DAS! Deswegen habe ich den auch nie besprochen, weil für mich die zwei Teile überhaupt nicht zusammengepasst haben und ich eigentlich getrennte Bewertungen für beides hätte abgeben müssen.

    1. Same here. Und die Bewertung für den zweiten Teil wäre nicht gut ausgefallen. Hat mir den Film richtig kaputt gemacht. Wünschte mir so sehr (ACHTUNG SPOILER für evtl. Mitlesende), dass er einfach geendet hätte, als Winstead den Fuß aus dem Bunker setzt. Dann wäre es ein derart runder Film

Und eure 2 Cents?