Film: The Way Back – Der Lange Weg (2010)


Trailer © by Splendid


Fakten
Jahr: 2010
Genre: Survival, Abenteuer, Drama
Regie: Peter Weir
Drehbuch: Peter Weir, Keith R. Clarke, Slavomir Rawicz (Romanvorlage)
Besetzung: Jim Sturgess, Ed Harris, Colin Farrell, Dragos Bucur, Saoirse Ronan, Gustaf Skarsgård, Mark Strong
Kamera: Russell Boyd
Musik: Burkhard von Dallwitz
Schnitt: Lee Smith


Review
THE WAY BACK, oder: Wie Peter Weir eine unaufgeregte Erzählweise mit gänhnender Langweile verwechselte..

Wie befinden uns im zweiten Weltkrieg, die Sowjet-Armee ist von Osten nach Polen eingefallen und die ersten polnischen Männer werden gefangen genommen, um in russischen Arbeitslagern zum schuften und sterben verdammt zu sein. Janosz ist einer von ihnen und stellt sich aufgrund der unmenschlichen Haftbedingungen schnell die entscheidende Frage: mit hoher Sicherheit an Unterernährung und Erschöpfung sterben, oder die unmöglich scheinende Flucht, durch ca. 1000 km Eiswüste und -40º kalte Nächte wagen?

Was folgt ist ein Survival-Trip, welcher der Gruppe Männer nicht die erwarteten 1000, sondern knapp 6000 Kilometer Fußmarsch beschert und diesen mit Eis und Schnee, kargen Gebirgsketten und staubtrockener Wüste garniert – so unwirtlich, wie das weite Eurasien nur sein kann. Und so unglaublich es anumten mag, drei Männer schaff(t)en es in der  zugrunde liegenden Geschichte tatsächlich ans Ziel. Das klingt krass. Doch leider gelingt THE WAY BACK das seltene Kunststück die Energie, die diesem Stoff inneliegt, ins Nichts verpuffen zu lassen.

Die Geschichte um die waghalsige Flucht wird völlig neutral erzählt – trotz ständiger Bedrohung vermittelt der Film nur selten ein Gefühl von wirklich akuter Gefahr. Er behauptet dass sie da sei (und jeder, der nur halbwegs mitdenkt weiss das), aber vermittelt weder die tiefschürfende Angst, noch die nagende Zerrissenheit der Männer – auch die überlebensgroße  Ausweglosigkeit der Situation bleibt Behauptung. Zu entschärft inszeniert Weir das Drama (welches mit der Zeit immer mehr den Charakter eines Roadtrips bekommt), fast wirkt es, als schneide er grundsätzlich in Momenten der wirklichen Bedrohung weg und steige immer erst wieder ein, wenn es langsam wieder Berg auf zu gehen, das Blatt sich zu wenden scheint. Die vereinzelten, tragischen Tode der Gruppenmitglieder wirken so fast deplatziert.

Das kann als lohnenswerter Ansatz gesehen werden – keine standardisierte Effekthascherei, kein zu ausgiebiges Ausschlachten von Leid und Schicksal – doch leidet die Glaubwürdig- und Ehrlichkeit beträchtlich darunter: Will ich einen Höllentrip verfilmen, in dem fast verhungernde Männer am Rande des Abgrunds balancieren, haarscharf dem Drang nach Kannibalismus entgehen und die Lungenentzündung als Vorboten des Sensemanns im Nacken spüren? Dann sollte ich keinen gemütlichen Spaziergang inszenieren.

Wie ein solcher erscheint THE WAY BACK ab und an. Weir nimmt sich unendlich viel Zeit, um lange Shots auf (ohne Frage) beeindruckende, geradezu bezaubernde Landschaften unterzubringen und begleitet den Trupp konstant auf ihrer Wanderung durch die wechselhaften Gesichter der Natur – fatal dabei: All seine Figuren verbleiben trotz des gemütlichen Erzähltempos und vielen Dialogen ohne Profil. Sie sprechen, doch ihr Charakter formt sich nicht. Über keine der Figuren weiß man nach dem Film mehr als ihren Beruf. ernüchternd, denn Saoirse Ronan, Ed Harris, Colin Farrell und der Rest des Casts hätten mehr liefern können, hätten wahre Charaktere, nicht bloß lebende Hüllen, stemmen können.

Zu wenig Figurenzeichnung, aber zu viel Weg für 120 Minuten. THE WAY BACK ist vollgestopft mit Eckpunkten der abenteuerlichen Reise – das ufert darin, dass die Überquerung des Himalaya-Gebirges gegen Ende (ebenfalls zu Fuß und in der falschen Jahreszeit) in einer einminütigen Randnotiz abgearbeitet wird. Eine Mammutleistung, deren Tragweite völlig untergeht, weil Etappen wie im Zeitraffer erscheinen.

Leider ein recht uninteressanter, passagenweise aber weitaus mehr als nur nett anzusehender Film, der Welten von Weir’s Top-Werken entfernt ist!


Wertung
5 von 10 schier unüberwindlichen Hindernissen


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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