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Serie: The Strain – Season #1 (2014)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by 20th Century Fox


Fakten
Jahr: 2014
Genre: Horror
Showrunner: Guillermo del Toro, Chuck Hogan
Crew (Writer, Director, Cinematographer, Editor): IMDb-Übersicht
Besetzung: Corey Stoll, David Bradley, Kevin DurandRichard SammelMía MaestroMiguel GomezJonathan HydeNatalie BrownRuta Gedmintas
Musik: Ramin Djawadi


Review
Ein Passagierflugzeug bleibt auf der Einfahrt von Landebahn zu Flughafen-Terminal plötzlich stehen. Kein Funkkontakt mehr, keinerlei Lebenszeichen. Als nach Treffen sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen ein Team von Seuchen-Spezialisten die Maschine betritt, macht es einen grausamen Fund: alle Passagiere sind verstorben. Kreidebleich, kleine Einschnitte am Hals, von einer Sekunde auf die andere dieser Welt entschwunden. Schnell wird klar, dass es hier nicht mit rechten Dingen, eventuell gar übernatürlich zu geht. 

Im Folgenden entpinnt sich, basierend auf einem Roman und der zugehörigen Drehbuch-Adaption von Guillermo del Toro, ein auf überaus klassischen Motiven basierendes, emotional jedoch recht modern anmutendes Vampir-Horror-Szenario. Die Blutsauger halten Einfall in New York, doch diese Art gibt sich weder mit spitzen Eckzähnen zufrieden, noch verbringt sie einen Großteil ihrer Zeit in kargen Gemäuern, um auf einsame Jungfrauen zu warten. Del Toros Interpretation des Stoffes, funktioniert analog zu etablierten Zombie- bzw. Infektions-Szenarien – die Masse macht’s und da, wie so oft, die offizielle Seite dementiert statt zu handeln ist New York bald voll von bleichen Freaks mit besonders langer Zunge. Doch wo stammen sie her? Was hat es mit diesem seltsamen, mit morbiden Motiven versehenen Sarg auf sich, den besagtes Flugzeug ins Land brachte und der aufgrund im stillen gezogener Fäden dubioser Konzerne seinen Weg aus dem abgeriegelten Flughafen heraus fand? Fragen über Fragen, die sich nach und nach lichten.

THE STRAIN beweist, weit über die ersten Folgen hinaus, ein gutes Timing in Bezug auf die Einführung der Mysterien, das häppchenweise Füttern maßgeblicher Informationen und die Vernetzung der verschiedenen Handlungsstränge, welche sich über New York verteilt ereignen. Del Toro gelingt die Kunst, immer hinreichend, aber nie zu viel zu servieren – alles bleibt unheimlich, ein größeres Bild setzt sich Stück für Stück zu einem feinen, vielschichtigen Mosaik zusammen.

Wie dieses jedoch gegen Ende aussehen wird, erschließt sich nicht auf Anhieb. Die verschiedenen Erzählperspektiven, der vielzähligen etablierten Figuren – mehrere Mitarbeiter der Behörde zur Seuchen-Bekämpfung stehen im Fokus, die gar nicht so toten Gäste des Fluges werden begleitet, ein kauziger alter Mann, der anscheinend eine Vergangenheit mit den Blut-durstigen Wesen teilt – sind sternförmig um ein noch unbekanntes zentrales Motiv angesiedelt und machen neugierig darauf, wie all dies irgendwann zusammengeführt wird. Was hat es mit der Vergangenheit des graubärtigen Stinkstiefels auf sich? Wer sind Drahtzieher dieses dubiosen Konzerns, der immer wieder die Fäden zu ziehen scheint? Hier schöpft Del Toro (welcher endlich mal wieder annähernd zu alter Stärke findet) tief aus dem Fundus der Möglichkeiten einer TV-Serie, baut weit verstreut über Brooklyn und Manhattan kleinere Subplots um Figuren auf und erzählt so immer wieder Geschichten in der Geschichte, die alle Beteiligten Profil geben, sie echt und menschlich erscheinen lassen. Ganz im Sinne der Dynamik einer derart langen (die gesamte Laufzeit der Staffel beträgt wie üblich etwa 10 Stunden) und vertrackten Erzählung, verlieren diese sich zeitweise wieder aus dem Augen, nur um die Wege bald erneut zu kreuzen und Allianzen einzugehen, um der Bedrohung Herr zu werden (was sich ich in packenden Shootouts und kompromisslosen Enthauptungen manifestiert).

Macht Spaß, schafft in den atmosphärischen Spitzen sowohl nagende Spannung, als auch ehrliche Emotion zu erzeugen und ist, sogar weit über TV-Standards hinaus, überaus ansehnlich in Szene gesetzt. Del Toro’s frühere Freude an Schleim, Gummi und Body-Horror scheint endlich wieder durch: Zwar sind die Angriffe der Vampire, vom alten Abraham als “Strigoi” bezeichnet und einige Schritte der Metamorphose überwiegend mit dem Computer dargestellt – in Anbetracht der erdachten Mechanik wird klar, dass wahrscheinlich gar nicht anders ging – doch spätestens als eins der Viecher zur Strecke gebracht wurde und Corey Stoll als Dr. Goodweather in aller Länge und Breite eine siffig-schleimige Obduktion durchgeführt, kommen Freunde der praktischen Glibber-Effekte vollends auf ihre Kosten (das Sound-Design ist daran nicht ganz unschuldig). Formell passt das. Zwar wird es mit der Ausleuchtung durch farbiges Licht, wenn auch nette Referenz an Klassiker wie SUSPIRIA, etwas übertrieben – New York ist sicher in mehr Farben als grün und rot beleuchtet – doch ist das zu verzeihen weil THE STRAIN an anderer Stelle sowohl audiovisuell, wie auch inhaltlich eine Menge richtig macht.

Funktionieren die Erzählung zudem exzellent, weil auf Seiten der Darsteller reichlich Kompetenz aufgeboten wurde. Mit besagtem Corey Stoll, aber auch Kevin Durand und David Bradley sind einige fähige Gesichter “aus der zweiten Reihe versammelt”, auch weniger bekannte Darsteller wie Miguel Gomez oder Mía Maestro machen eine gute Figur und wahrhaft episch liefert der deutsche Richard Sammel ab – zwar nah an Christoph Waltz’s Inkarnation des “evil german guy”, doch immer noch eigen genug, um nicht in den Verdacht der Kopie zu geraten. Sarkastisch, voller Spielfreude und mit reichlich Präsenz gesegnet. “Bald ist Schluss mit dem Affenzirkus”.

Rundum gelungen, hält THE STRAIN in der ersten Staffel eine gute Balance zwischen gelüfteten Geheimnissen und sich weiterhin stellenden Fragen. Plot, Inszenierung und erst recht die furiosen, als Season-Finale einstehenden Episoden #12 und #13 machen Lust auf mehr.


Wertung
7 von 10 langen Blutsauger-Zungen


Veröffentlichung
THE STRAIN – SEASON #1 ist bei 20th Century Fox als BluRay und DVD erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Entfallene Szenen, Spaß am Set, Audiokommentar von Carlton Cuse, Prolog: Videoeinführung von Guillermo del Toro.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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7 Gedanken zu „Serie: The Strain – Season #1 (2014)“

  1. Was mich an der Serie so fasziniert hat, waren diese Vampire. Ich habe sie unter der Thematik Walking Dead meets Dracula klassifiziert. Die sind schon etwas Besonderes.
    Die zweite Staffel wird dir bestimmt auch gefallen.
    Gerade gelesen, dass Ende August / Anfang September die 3. Staffel anfangen wird.

      1. Ekelig ist ja Sinn der Sache, wenn so starke Body-Horror-Elemente drin sind. Schön Schleim und Glibber. Und langweilig: Wie viele Episoden hast du denn gesehen? Das gemütlich Tempo zieht kontinuierlich an.

    1. Kann man bedenkenlos schauen (und dürstet dann nach mehr). Die Serie macht genau so viele Fässer auf, dass man nach mehr Info dürstet, ohne sich dabei das eigentlich interessante für später aufzusparen…

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