Serie: Better Call Saul – Season #1 (2015)


Trailer © by Sony Pictures Home Entertainment / AMC


Fakten
Jahr: 2015
Genre: Drama, Crime, Schwarze Komödie
Showrunner: Vince Gilligan, Peter Gould
Network: AMC
Crew (Writer, Director, Cinematographer, Editor): IMDb-Übersicht
Besetzung: Bob OdenkirkJonathan BanksRhea Seehorn, Michael McKeanPatrick FabianMichael Mando
Musik: Dave Porter


Review
Als kurz nach dem Finale von BREAKING BAD die ersten Meldungen über ein Spin-Off die Runde machten, spaltete sich das Internet in schnell in zwei Lager auf: Zum einen die, die nicht genug vom geliebten Universum bekommen konnten und somit jeglichen Ansatz toleriert hätten – egal was und egal über wen, Hauptsache es kommen wieder neue Albuquerque-Geschichten aus Vince Gilligans Feder und erblicken schnell das Licht der Welt (wir wissen, BREAKING BAD konnte eine enorme Suchtwirkung entfalten). Und auf der anderen Seite diejenigen, welche in enorme Skepsis verfielen, besonders als bekannt wurde, dass der windige Gauner-Anwalt Saul Goodman die Hauptfigur sein würde. Wird das nicht bloß ein aufgewärmter Abklatsch, oder gar reiner Fan-Service? Was soll es über Goodman zu erzählen geben? Kann man BB nicht einfach als instant-Legende ruhen lassen? Berechtigte Zweifel, auch ich teilte sie, es dauerte genau eine Episode BETTER CAUL SAUL, bis nichts mehr davon übrig war. Und ob es über den sympathischen Rechtsverdreher etwas zu erzählen gibt!

Denn Saul Goodman ist nicht nur der ulkige Comic-Relief einer sonst recht ernsten Drama-Serie – Saul Goodman ist vor Allem ein Mensch, der eine Vergangenheit hat, nicht immer mit einem Bein im Gefängnis stand und wie jeder andere durch eine Verkettung von Ereignissen, zufälligen Begegnungen und Entscheidungen zu dem geworden ist, was er ist – dem was wir aus BREAKING BAD kennen. Diesen Prozess gilt es zu erzählen, BETTER CAUL SAUL nimmt sich die nötige Zeit und setzt genau da an – lange Jahre vor den uns bekannten Ereignissen, als Saul Goodman noch Jimmy McGill hieß und versuchte ein ehrlicher Anwalt zu werden.

Wenn die Serie außer den zwei bekannten Hauptfiguren (Saul’s ikonischer Handlanger Mike ist auch mit von der Partie) eines mit dem großen Bruder gemein hat, ist dies wohl der unverkennbare Vibe: Der typische New Mexico Look, die Art wie Kamera und Schnitt erneut diese eigensinnige stilistische Einheit formen und der unterschwellige Humor, dem immer eine Spur Tragik beigemischt ist – es kommt kein Zweifel auf, sich hier im selben Universum zu bewegen, aber dabei belässt Gilligan es. Zum Glück, denn so kann etwas unabhängiges entstehen, etwas dass sich über die enthaltenen menschlichen Wirrungen und Probleme definiert, nicht bloß über den eigenen Ansatz. Resultat gelungen: niemand muss auch nur eine Episode BREAKING BAD gesehen haben, um BETTER CAUL SAUL verstehen und genießen zu können.

Zwar lässt sich Gilligan nicht nehmen, zum Ende der ersten Episode durch Kollision mit einem alten Bekannten einen lauten Knall abzufeuern – “WTF”-Effekt garantiert, so viel Spiel mit dem Wiedererkennungswert sei ihm gegönnt – ansonsten bleibt der Fokus aber angenehm klar auf Jimmy AKA Saul und dem mürrischen Mike. Was hat die zwei zusammengeführt? Wer waren sie vorher? Warum hat sich ihr Leben in die Richtung entwickelt, die sie tief in den Sumpf der niederen Geschäfte absteigen lies? BETTER CAUL SAUL taucht tief in die jeweilige Vergangenheit der beiden Männer ein, wühlt auf, zeigt ungeschönt und lässt verstehen – es sind zwei Männer, mit denen das Schicksal es nicht gut gemeint hat, die aber einfach weiter gemacht haben.

Wie McGill im Laufe der Episoden versucht über die Runden zu kommen entbehrt nicht einer gewissen Komik – sein zerflicktes Auto, das 4qm Büro im Hinterzimmer eines Nagelstudios, die Bingo-Abende, auf denen er als Moderator versucht neue Klienten zur Erstellung deren Testaments zu werben, oder die verzweifelten Versuche ebenfalls einen Fuß in die Vorzeige-Kanzlei, in der sein Bruder Partner ist, zu kriegen – doch nach und nach mischt sich unbemerkt ein bitterer Beigeschmack dazu. Weil es tragisch ist, einen Mann mit den besten Absichten immer wieder scheitern zu sehen, vor allem wenn er so hart versucht ans Ziel zu kommen. Ein Rennen auf dessen Ziellinie “Anerkennung” steht, doch so schnell er auch rennt, sie bleibt ihm verwehrt – manche tritt das Schicksal heftig in den Arsch, McGill ist einer davon und irgendwann läuft jedes Fass über.

Mike: “I remember you saying something about “doing the right thing”. […] You wanna know why I didn’t take that money? Is that what you’re asking? I was hired to do a job, I did it, that’s as far as it goes.”
Jimmy McGill: “Yeah. Sure. But I know what stopped me. And let me tell you something: It’s never gonna stop me again!”

Tolle erste Serienstaffel voll von lässigen und hochspannenden Momenten, die sich genügend Zeit für Entwicklung gönnt, um am Ende zwei nachvollziehbare, stimmige Figuren an einer Wegesgabelung zu zeigen. Der Weg den sie nehmen ist klar, was sie auf ihm erwartet wird Season 2 zeigen. Vorfreude ist da!


Wertung
8 von 10 gelangweilten Bingo-Abenden


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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4 Gedanken zu „Serie: Better Call Saul – Season #1 (2015)“

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