Film: Under The Skin (2013)


Trailer © by Universum Film


Fakten
Jahr: 2013
Genre: Science-Fiction, Arthouse, Horror, Kunstfilm
Regie: Jonathan Glazer
Drehbuch: Jonathan Glazer
Besetzung: Scarlett Johansson, Jeremy McWilliams, Lynsey Taylor Mackay, Dougie McConnell, Kevin McAlinden, Andrew Gorman, Krystof Hádek, Paul Brannigan, Adam Pearson, Michael Moreland, Dave Acton
Kamera: Daniel Landin
Musik: Mica Levi
Schnitt: Paul Watts


Review
Es gibt eine Grenze, ab der es nicht mehr möglich ist, eine Erfahrung mit Worten so zu beschreiben, dass das Gesagte dem Erlebten auch nur im Ansatz gerecht wird. Der Punkt der vollkommenen Sprachlosigkeit. UNDER THE SKIN hatte ihn bereits nach der Eröffnungssequenz überschritten. Es ist dieser Moment, wo du plötzlich merkst, dass nicht nur dein Geist, sondern dein ganzer Körper beginnt auf einen Film zu reagieren. Plötzlich ist es da, dieses seltene Gefühl im Bauch, in den Gliedmaßen, überall – es beginnt dich zu durchströmen, in wilder Resonanz zu schwingen. Irgendetwas seltsames, prickelndes hat sich still und leise – und deshalb ist UNDER THE SKIN in seiner vielseitigen Lesbarkeit vielleicht der treffendste Filmtitel aller Zeiten – unter deiner Haut eingenistet. Unmöglich, diesen Zustand verbal zu beschreiben, gibst du dich der Erfahrung hin – ein Schwelen der Eingeweide, ein Kribbeln der Fingerspitzen, Euphorie und Beklemmung zugleich, Anziehung und Abstoßung im selben Moment. Zeit wird relativ, der Ort an dem man sich befindet auch. Weil du nur noch im Film bist. Oder er in dir – unter deiner Haut.

UNDER THE SKIN.

Unter der Haut, wo wir Menschen sind.
Wie ist es eigentlich ein Mensch zu sein?
Wie würdest du es jemandem erklären, der das nicht weiß?
Der Gefühle nicht kennt.
Geschmäcker nicht.
Das Leben nicht.
Wie würdest du das alles hier, auf dieser Welt, sehen, wenn du noch nie damit in Kontakt warst? Ein Alien wärst.
Ein Besucher ohne Verbindung, der als Beobachter durch die Welt reist und nur imitiert, aber nie so sein kann wie all das ihn umgebende.
Hast du dich schon mal so gefühlt?
Wie ein Fremdkörper aus einer anderen Welt, der da ist, doch durch eine unsichtbare Mauer auf Distanz zu allem hier auf Erden gehalten wird.

Wenn das der Fall sein sollte, du Entfremdung also im Schlaf buchstabieren kannst, wird dich UNDER THE SKIN daran erinnern wie es sich angefühlt hat: All die Seltsamkeit des Lebens in kalte Bilder verpackt. All die Irrationalität in atonale Klänge. All das Unerklärliche, was seinen Ursprung in uns (also wieder: unter unserer Haut) hat, in Metaphern und Symbole gesteckt. E sgeht um besagte Entfremdung, um Wahrnehmung und um das Mitschwimmen, im Strom der gesellschaftlichen Konvention. UNDER THE SKIN definiert sich durch teils versteckte, teils offensichtliche Bedeutungen, die man für sich interpretieren kann, was zu einem (von vielen) spannenden Ergebnissen führen wird, oder es einfach lassen. Weil sie einem Werk entstammen, dass man zu verstehen und zu ergründen versuchen kann, oder sich schlicht dem Rausch hingibt, um als entkoppelte Entität durch eine Welt zu driften, die man sowieso niemals verstehen wird – weil man nie ein wirklicher Teil von ihr sein wird.

In seiner Wirkung wird UNDER THE SKIN wohl der 2001: A SPACE ODYSSEY des neuen Jahrtausends werden – der Film den Menschen abgöttisch lieben und als Fundgrube der philosophischen Substanz feiern oder für seine Sperrigkeit energisch hassen, aber niemals neutral hinnehmen werden. Weil er einer der außerordentlich seltenen Filme ist, die eine pure, einzigartige Vision in sich tragen. Die Bild und Ton in eine nie gekannte Symbiose bringen, sie verschmelzen, sich gegenseitig umtanzen und zu einem ganzen verschmelzen lassen. Die ohne wirklich ein Wort zu sagen einfach alles erzählen und dich auffordern noch viel tiefer in den Windungen deiner Wahrnehmung zu graben. Und dich selbst zu hinterfragen. Zu ergründen, wie viel von dem Alien, das verstört durch die Straßen wandert, vielleicht auch in dir steckt?

Da ist nun dieses Gefühl präsent – das Gefühl etwas wahrhaft großes gesehen zu haben und ein Drang diese Stimmung in Worte zu fassen. Vielleicht liest sich dieser Text nach Abklingen des Rausches – und nichts anderes hat UNDER THE SKIN verursacht – überzogen, die Vergleiche sogar größenwahnsinnig. Aber du fühlst eben sehr, sehr selten, dass nach knapp zwei Stunden plötzlich irgendetwas anders ist und vielleicht bleiben wird. Dass du die Welt nun etwas anders sehen wirst, zu neuen Gedanken angestoßen wurdest und Wahrnehmung sich latent anders anfühlt. UNDER THE SKIN – bereits die Bedeutung dieser drei Worte ist eine andere geworden.


Wertung
10 von 10 ausgesaugten Erdenbewohnern


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
Kaufen: ZAVVI.com (Steelbock, BluRay, DVD)
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6 Gedanken zu „Film: Under The Skin (2013)“

  1. Sehr interessant, nun will ich den Film noch dringender ein zweites Mal anschauen. Aus dieser Perspektive gesehen macht er bestimmt mehr Sinn. Die Bilder, Musik und der Schnitt haben mir schon beim Kinobesuch betört, doch leider die Szenenfolge nicht. Das könnte sich nun ändern. Schliesslich liebe ich 2001, Tree Of Life oder ähnliche Werke.

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