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Film: Spuren – Tracks (2014)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Ascot Elite Home Entertainment


Fakten
Jahr: 2014
Genre: Roadtrip, Naturfilm, Biopic
Regie: John Curran
Drehbuch: Marion Nelson
Besetzung: Mia Wasikowska, Adam Driver, Lily Pearl
Kamera: Mandy Walker
Musik: Garth Stevenson
Schnitt: Alexandre de Franceschi


Review
Wir schreiben 1975 – eine junge Frau besorgt sich mühsam eine Handvoll Kamele, lernt sie zu trainieren und verwirklicht ihren Traum: Einmal zu Fuß quer durch die australische Wüste. Mehrere tausend Kilometer, rohe, wundervolle Natur und vor allem viel Zeit mit sich selbst. TRACKS erzählt von der hindernisreichen Planung, der Durchführung und dem letztendlichen Erfolg dieses abenteuerlichen Unternehmens.

Auch wenn es im Fazit schwer greifbar ist, was genau mir John Curran mit diesem Werk eigentlich über das physische Erleben der Reise hinaus erzählen wollte, so ist es doch ein Film, der auf audiovisueller Ebene derart bezaubernd abliefert, dass diese Frage ein wenig, vielleicht sogar stark in den Hintergrund gedrängt wird – TRACKS “wirkt” vor allem im Bauch (was nicht heißen soll es würde jegliche Substanz fehlen).

Wie es die Natur der Sache mit sich bringt, lässt Curran die Bilder seiner Kamerafrau Mandy Walker in gemütlichem Fluss die Finger nach den Zuschauern ausstrecken, um sie langsam in ihre von Aufbruchsgeist beflügelte Welt aus Staub, Sand und Hitze hinein zu ziehen, an Mia Wasikowskas Seite die Glut unter den Fußsohlen spüren zu lassen, sich in der endlosen Wüste zu verlieren. Funktioniert. Die Bilder wirken, der träumerische Soundtrack untermalt stimmungsvoll die emotionale Richtung und besonders der herausragende Schnitt von Alexandre De Franceschi gibt dem sandigen “Road”trip in stillen wie auch belebten Momenten einen besonderen Rhythmus, schafft Struktur und assistiert den für sich mächtigen Bildern, bei der Erfüllung ihrer Mission.

Charakterlich bleibt TRACKS fast skizzenhaft – zart wird ab und an die Vergangenheit der Hauptfigur Robyn Davidson angedeutet, genug um ihrem Entschluss solch ein aberwitziges Unternehmen in Angriff zu nehmen, die nötige Überzeugungskraft zu verleihen. Wasikowska stand hier vor einer nicht unwesentlichen Aufgabe: der Verkörperung der realen Abenteurerin Davidson auch in Einsamkeit, überwiegend im Umgang mit Tieren und mehr durch Körper- denn durch reale Sprache einen starken Charakter zu verleihen, ist nicht gerade eine Einstiegsaufgabe in die Schauspielkunst – doch sie brilliert. Die spärlichen Begegnungen mit Menschen verschiedenster Art, ihr tief menschlicher Umgang mit Rückschlägen und die Fähigkeit den mitreisenden Zuschauer in ihr Herz blicken zu lassen, formen endgültig einen stimmigen Charakter voller Macken und Stärken. Einen den man mehr und mehr versteht, je länger man gemeinsam durch die Wüste trottet.

Es wäre ein leichtes TRACKS mit dem abgegriffenen Label “Selbstfindungstrip” zu versehen, den Film in eine Schublade mit EAT PRAY LOVE, etc. zu werfen und keine weiteren Betrachtungen als nötig zu erachten. Doch obwohl auch diese Komponente enthalten ist, wird uns hier mehr erzählt (oder vielleicht auch nur der nötige Raum gegeben, um mehr hinein zu projizieren) als man zunächst glauben mag. Zwar spielt die Geschichte 1975, doch haben die Kernthemen gerade heute wieder Relevanz. Das urban durchorganisierte, vollständig systemisch geregelte Leben unserer Zeit hat uns zunehmend von der Natur entkoppelt. Eine technisierte Barriere ist errichtet, vor allem in den Köpfen, die zu überwinden nur noch unter den abermals geregelten Vorzeichen der existenten Lebensrealität möglich ist. Wie bewusst sind wir uns noch, eigentlich ein Produkt des uns umgebenden “blauen Planeten” zu sein?

Wonach Davidson hier sucht, ist nicht nur ihr Platz in der Welt, sondern auch eine Rückbesinnung auf den Fakt, dass der Mensch ein lebendiger Bewohner dieses Planeten ist und es schön wäre, wieder mehr in Einklang mit diesem zu geraten. Allein in der Wüste besteht keine Hierarchie mehr zwischen ihrem Hund, ihre Kamelen und ihr selbst – die Illusion des autarken Wesens schwindet zunehmend, Abhängigkeiten werden aufgedeckt: Ohne Tier (= Natur) kein weiterer Weg. Etwas Demut zurück zu gewinnen, sich mal wieder so klein wie man eigentlich ist zu fühlen und die Faszination Erde voll zu zu lassen – darum geht es. Dass Robyn im Zuge dessen auch ehrliche menschliche Zweisamkeit und darüber sogar Freundschaft kennen lernt, erstmalig seit ihrer Kindheit wieder Menschen an sich heran lässt und durch Tonnen von Staub und Monate in der Sonne seelisch zunehmend rein gewaschen wird, ist ein angenehm wenig ausgeschlachteter Nebeneffekt all dessen. Selbstfindung, im doppelten Sinne – zum einen das verlorene Ich in sich, zum anderen das Stück Natur, was jedem Erdenbewohner gegeben ist.

Ein toller, rhythmisch-meditativer Film voller Menschlichkeit.


Wertung
7 von 10 vollgeladenen Kamelen


Veröffentlichung
SPUREN ist bei Ascot Elite Home Entertainment als Mediabook (2 Blu-ray mit 16 seitigem Booklet und den 360°-GEO-Reportagen: “So schmeckt Australien!” von Tino Schrödl und “Das Koala-Hospital” von Therese Engels), BluRay und DVD erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Die Reise, Featurettes, Interviews, B-Roll, Originaltrailer & Trailershow. Die Discs kommen im Wendecover


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
Kaufen (falls ihr das Amazon-Widget nicht seht, wird dies von eurem Ad-Blocker gekillt):

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