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Film: Dead Man Down (2013)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Wild Bunch Germany & Universum Film


Fakten
Jahr: 2013
Genre: Noe-Noir, Thriller, Drama
Regie: Niels Arden Oplev
Drehbuch: J.H. Wyman
Besetzung: Colin Farrell, Noomi Rapace, Dominic Cooper, Terrence Howard, Isabelle Huppert
Kamera: Paul Cameron
Musik: Jacob Groth
Schnitt: Timothy A. Good, Frédéric Thoraval


Review
Colin Farrell ist oft als unfähig beschrien worden, genießt jedoch seit IN BRUGES und TRIAGE meinen höchsten Respekt als Schauspieler, gleiches gilt für die gute Noomi Rapace und Regisseur Niels Arden Oplev, die sich durch die schwedische MILLENIUM-Trilogie, vor allem VERBLENDUNG, meine Gunst erspielten. Diese drei also, in einem düsteren Neo-Noir vereint – was sollte da noch schief gehen? Knapp zwei Stunden später liegt die Antwort auf der Hand: ein katastrophales Drehbuch kann das Potential einer derartigen Konstellation ganz maßgeblich aushebeln.

Handwerklich ist DEAD MAN DOWN allerdings, besonders in puncto Atmosphäre und Optik erstklassig. Starke Nachtaufnahmen, karge Kulissen, isolierte Einsamkeit in den Sozialbauten New Yorks – das wirkt. Ein wenig zu sehr hat Oplev sich zwar am letztjährigen Konsens-Kracher DRIVE entlang gehangelt (zahlreiche Aufnahmen mit Farrell schweigend am Steuer, enorme Entschleunigung im Erzähl- und Dialogtempo, ein leicht elektronischer, pulsierender Score), doch das wäre (unter der Sichtweise, dass Refn mit DRIVE evtl. gar ein neues Thriller-Subgenre eröffnet hat) halb so wild, würde denn DEAD MAN DOWN auch auf emotionaler Ebene ähnlich berühren.

Das tut er leider nicht. Die Schicksale der zwei einsamen Protagonisten sind hart, die Thriller-Story zwar sehr konstruiert, aber doch bedingt brauchbar und die Chemie zwischen Farrell und Rapace stimmt soweit – und doch: Emotional kommt wenig rüber. Die traurige Vergangenheit der zwei gebrochenen Menschen berührt nicht, in Folge erscheinen die Beweggründe für das heftige Handeln von Rapace’s Figur Beatrice kaum nachvollziehbar und ihr Verhalten überzogen. Nach und nach verliert DEAD MAN DOWN den Zuschauer auf inhaltlicher Ebene, auch die kleinen Twists wissen nicht mehr wirklich zu überraschen, die Action fesselt wenig und gewisse, sehr harte, Szenen schockieren nicht in dem Maße, wie sie eigentlich unter die Haut gehen sollten. Unbeteiligt sitzt man die zweite Hälfte der 110 Minuten davor, anstatt in die schmerzvolle Welt der zwielichtigen New Yorker Ecken hinein gezogen zu werden – die Moderate länge fühlt sich nicht ewig, aber doch enorm an.

Dabei geht es gut los: die ersten zwei Minuten – lediglich ein innerer Monolog des Protagonisten Victor – gestalten sich unheimlich intensiv und lassen tief in eine geschundene Seele blicken. Das fesselt und lässt viel erwarten. Doch anstatt die Atmosphäre zu intensivieren, will Oplev direkt ein Zeichen der Härte setzen und zerstört die aufgekommene Stimmung mit einer lauten, sehr standardisierten Schießerei. Vielleicht ist dies bezeichnend für den weiteren Verlauf des Films: immer wieder flammen kurze, enorm starke Momente auf, die hoffen lassen dass nun mit den oft flachen Dialogen Ende ist und der Film auf die angedeuteten Pfade abbiegt. Es bleibt bei diesen Momenten, die Dialoge weitestgehend dünn (gelegentlich haarsträubend) und die Optik weiterhin die einzig durchgängig starke Komponente. Besonder weh tut das, weil der Themenkomplex der Rache hier aus verschiedensten Richtungen beleuchtet werden könnte – aus unterschiedlichen Gründen greifen Menschen zu drastischen Mitteln, doch was kommt dann? Lose Fäden in einem Skript, dass sie nicht zusammen zu führen weiß.

Schade, ich hatte sehr gehofft, wenn auch nichts erwartet. “Schuldig”, sofern man diese Zuweisung tätigen kann, ist hier auf jeden Fall J.H. Wyman, dessen Drehbuch über stimmige Brocken nicht hinaus kommt. Die Frage ist nun: Wollte Oplev mit diesem US-Debut unbedingt aktiv nach Amerika übersatteln und musste nehmen was er kriegen konnte, oder fehlt ihm das Gespür für verfilmbare Stoffe und MILLENIUM war ein Glücksgriff? Wir werden es sicher erfahren – bis dahin bekommt DEAD MAN DOWN auf BD noch eine zweite Chance. Auf dass die Enttäuschung sich lichte.


Wertung
5 von 10 nächtlichen Rache-Dramen


Veröffentlichung
DEAD MAN DOWN läuft im Verleih der Wild Bunch Germany im Kino und erscheint im September 2013 bei Universum Film als BluRay und DVD. Im Bonusmaterial befinden sich: Featurettes: “Action richtig inszenieren: Die Schießereien”, “Rache/Erlösung: Die Entstehung von DEAD MAN DOWN”, “Der Racheplan: Die Kameraarbeit”. Die Discs kommen im Wendecover ohne FSK Logo.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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