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Film: Brothers (2009)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Koch Media


Fakten
Jahr: 2009
Genre: Anti-Kriegsfilm, Drama
Regie: Jim Sheridan
Drehbuch: David Benioff (Vorlage: Susanne Bier, Anders Thomas Jensen)
Besetzung: Jake Gyllenhaal, Natalie Portman, Tobey Maguire, Sam Shepard, Mare Winningham, Bailee Madison, Taylor Geare, Patrick John Flueger, Clifton Collins Jr., Carey Mulligan, Omid Abtahi, Navid Negahban
Kamera: Frederick Elmes
Musik: Thomas Newman
Schnitt: Jay Cassidy


Review
BROTHERS hat mich sehr bewegt. Und auch wenn der Grund natürlich in einer Mischung aus Inszenierung, Schauspiel, Dialogen, oder besonders emotionalen Momenten liegt, bin ich schon geschafft genug durch die (formell eigentlich gänzlich unaufregende und ziemlich simple) Geschichte. Nicht, weil sie klug, originell, oder ähnliches ist – Soldat erlebt schlimmes und kommt gebrochen, unfähig an sein altes Leben anzuknüpfen, zurück nach Hause, das wurde schon oft erzählt – sondern im Gegenteil: weil sie, egal wie oft das Szenario behandelt wurde, immer wieder erschreckend real erscheint. Und in abgewandelter Form auf dieser Welt leider wohl hunderte und tausende von Malen passiert ist.

Dabei ist es völlig egal was genau der traumatisierte Soldat im Krieg erlebt hat – der hier gezeigte Fall ist sicherlich sehr extrem und bewusst auf ein mentales Zerbrechen des Protagonisten zugeschnitten – relevant ist einfach, dass Krieg viele Gesichter hat und keines davon sollte auch nur irgendjemand durchleben müssen. Sicherlich bietet BROTHERS in genau diesem Punkt – die sadistische Darstellung der afghanischen Gefangenschaft – bei einer unreflektierten Betrachtung der anti-Amerika-Fraktion ein gefundenes Fressen, um auf die Barrikaden zu gehen und laut zu schreien: “Propaganda! Amerika stellt den nahen Osten wie wilde Tiere da.”

Sehe ich so: Erstens muss man, um das Szenario in der heutigen Zeit einigermaßen glaubhaft zu verankern auch einen “aktuellen” Krieg wählen. Und da ist leider der Nahe Osten Brennpunkt Nummer eins. Zweitens vertrete ich die Ansicht, dass (Anti-)Kriegsfilme eigentlich jegliche Form von Grausamkeit zeigen können, sofern sie keine allgemeingültigen Aussagen über gesamte Bevölkerungsgruppen daraus ableiten. Denn Hass und Verzeiflung veranlassen Menschen Dinge zu tun, die sie in anderem Umfeld, in anderen Situationen, in anderen Lebenslagen sicher für unmöglich erachtet hätten. Damit geht immer ein Verlust “menschlicher Werte” einher, der Tür und Tor für unvorstellbare Grausamkeiten öffnet. Und eine mögliche Variante dieses Hasses und dieser schlimmen Grausamkeiten zeigt uns BROTHERS, wohlgemerkt an einer kleinen Splittergruppe Afghanen im Gebirge, über die keine weitere Aussage gemacht wird – gar nicht werden kann, weil wir einzig in der Sicht von Maguire’s leidendem Protagonisten verhaftet sind. Man erfährt nur, dass die Gruppe gegen die US-Besatzung kämpft und mit allen Mitteln den Westen aus dem Land treiben will. Insofern ist das Szenario krass, aber aus ideologischer Sicht unbedenklich, denn (1) gab und gibt es (leider, leider) auch real schon Hinrichtungsvideos, entführter Soldaten, Journalisten, etc. und (2) wird die Gruppe nicht repräsentativ gezeigt, weder für ein gesamtes Volk, noch für eine Armee. Das wäre also aus dem Weg geschafft.

Im Vorfeld hatte ich ein wenig Skepsis bezüglich des immer netten Lieblings-Schwiegersohns Tobey Maguire. Ich mag sein Schauspiel, aber als Soldaten konnte ich ihn mir so gar nicht vorstellen. Fazit: Er wächst in BROTHERS über sich hinaus: Dem typischen Kleinstadtamerikaner, Opfer einer Indoktrination, die familiär bedingt bereits früh griff, um militärische Ideologie einzupflanzen und der mit Stolz in sein Verderben zieht, steht der gebrochene Mann, der emotional aus dieser Welt entkoppelt wurde und keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt, überall Feinde wittert und zu keiner Bindung mehr fähig ist, gegenüber.

Sehr konträr, aber Maguire stemmt beide Seiten einer Figur, die er grandios, intensiv und glaubhaft verkörpert. Auch ansonsten ist BROTHERS wirklich treffend besetzt: Jake Gyllenhall schafft es den Wandel seiner Figur ebenso glaubhaft zu verkaufen – man spürt förmlich die Zerrissenheit zwischen seinen alten Verhaltensmustern, der Traurigkeit über den Verlust des Bruders und der aufkeimenden Zuneigung zur Quasi-Witwe Grace. Natalie Portmann überzeugt mich (mal wieder) genauso. Bestes Beispiel: Der Moment in dem sie an die Tür kommt und von den zwei Generälen erfährt, dass ihr Mann verstorben sei, trägt eine Wucht in sich, die von den Füßen haut. Sekundenbruchteile strahlt sie einfach den puren, ungefilterten Schmerz aus – hundertprozentig echt, stark gespielt!

Ob das was BROTHERS uns vorsetzt alles “glaubhaft” oder “nachvollziehbar” ist, sei dahingestellt, tut aber eigentlich nichts zur Sache, weil es sich hier um eine Extremsituation handelt in der es keine richtige und keine falsche Darstellung gibt und sowieso viel mehr die emotionale Verfahrenheit im Vordergrund steht. Wie Menschen sich nach solch einem Verlust verhalten, kann niemand exakt prognostizieren. Insofern ereilte mich hier wirklich das Gefühl, echte Charaktere vor mir zu haben, die sich entwickeln, die mal rational, mal irrational handeln und die mich (trotz mehrfachem Griff in die Hollywood-Trickkiste) emotional berühren.


Wertung
8 von 10 traumatischen Erlebnissen


Veröffentlichung
BROTHERS ist bei Koch Media als BluRay und DVD erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Audiokommentar von Regisseur Jim Sheridan, Featurette über die Entstehung von “Brothers”, Making of, Featurette über Jim Sheridan, Orig Kinotrailer. Die Discs kommen im Wendecover ohne FSK Logo.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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