David Lynch #3: The Grandmother (1970)


Trailer © by Capelight


Fakten
Jahr: 1970
Genre: Kurzfilm, Mystery, Surreal
Regie: David Lynch
Drehbuch: David Lynch
Besetzung: Dorothy McGinnis, Richard White, Virginia Maitland, Robert Chadwick
Kamera: David Lynch
Musik: David Lynch, Tractor
Schnitt: ?


Review
Durch seinen vorherigen Kurzfilm THE ALPHABET, schaffte es David Lynch 1969 am AFI eine Finanzierung für ein weiteres, von ihm mit einer Kopie des besagten Films zusammen eingereichtes Skript zu erhalten. Es hieß THE GRANDMOTHER und ist Lynch’s erster filmischer Operationsversuch “am lebendigen Objekt”. Zwar sind die Eröffnungs- und diverse Zwischensequenzen wieder über die bereits bekannte Form der Stop-Motion-Gemäldekunst realisiert, jedoch besteht der Rest des Werks aus “echten” Szenen mit “echten” Schauspielern.

Auch diesem frühen Werk gelingt es bereits, eine vereinnahmende, düstere Stimmung aufzubauen und beim Zuschauer arg an der Substanz zu kratzen. Ein kleiner, bleicher Junge durchlebt die familiäre Hölle: Schreiende Eltern, die ihn erniedrigen, körperlich misshandeln, herablassend auslachen und einsam in seinem Zimmer vor sich hin leiden lassen, sorgen für eine geistige Abschottung und treiben ihn in die psychologische Flucht in eine erdachte, bessere Welt. Und natürlich ist die Umsetzung dieser fiesen, aber simplen Prämisse auch damals schon pretty Lynchy geraten!

Wirkliche Kulissen gibt es kaum, viel mehr passieren die Ereignisse an einsamen Tischen oder Betten, die in eine alles umhüllende, bedrückende Schwärze eingebettet sind. Auch sprechen die Eltern keine wirkliche Sprache, sondern geben in jeglicher Situation nur einschüchternde schrille Schreie von sich. Diese ganze Welt und die Geschehnisse in ihr, sind äußerst bildhaft geraten und zeigen die vollkommen subjektive Weltsicht des Jungen, eine Projektion seiner malträtierten, einsamen Psyche. Bilder eines Grauens, was er nicht verstehen, auch nicht akzeptieren kann und welches ihn tief verletzt. Wahrlich bizarr gestaltet sich THE GRANDMOTHER ab dem Punkt, an dem die Einsamkeit des Jungen auf das elementare Versagen der Eltern mit der Erschaffung einer Großmutter antwortet – da ihm jegliche Nähe, erst recht Liebe verweigert wird, holt er sich auf eine recht ungewöhnliche Art einen neuen Bezugspunkt in sein Leben.

Ohne zu viel zu verraten kann ich nur sagen, dass sich die Art der Entstehung dieser imaginären Bezugsperson völlig irre, grotesk, vielleicht auch kafkaesk gestaltet. An Ideen, die nicht von dieser Welt erscheinen, hat es David Lynch wohl noch nie gemangelt, ebenso wenig seinen Filmen an vereinnahmender Atmosphäre. Sein erster “richtiger” Film und der ist gleich RICHTIG gut.


Wertung
7 von 10 verängstigten Jungs


Weblinks
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