Film: Killing Them Softly (2012)


Trailer © by Universum Film GmbH


Fakten
Jahr: 2012
Genre: Gesellschaftskritik, Gangsterfilm, Drama
Regie: Andrew Dominik
Drehbuch: Andrew Dominik
Besetzung: Brad Pitt, Ray Liotta, Richard Jenkins, Ben Mendelson, James Gandolfini, Scoot McNairy, Vincent Curatola, Trevor Long, Max Casella, Sam Shepard
Kamera: Greig Fraser
Musik: Diverse
Schnitt: Brian A. Kates, John Paul Horstmann


Review
Barack Obama: “…to reclaim the American dream and reaffirm that fundamental truth, that, out of many, we are one”

Amerika, der große Traum. Amerika, die große Illusion. Amerika, das Land was seine Einwohner sanft tötet. Aus der Distanz. Aus den Sesseln der CEOs heraus. Durch die Anlagen-Kurse auf der Wallstreet. Durch Rezession, nicht durch Gewalt. Sanft. Ohne Gefühle. Amerika mag keine Gefühle. Will nicht über sie nachdenken. Will nur bezahlt werden.

Trotz größtmöglicher Kontraste in Andrew Dominik’s Bildsprache, trotz unübersehbarer Symbolik und offensichtlicher Beziehung zwischen den Reden der Politiker und den Verhältnissen auf den Straßen, fällt es schwer vollends zu durchdringen was genau uns KILLING THEM SOFTLY, eine offensichtliche Allegorie auf die Funktionsweisen der Wirtschaft, übertragen in ein vollkommen anderes Millieu, sagen will. Ist es “nur” die Kernaussage, die Pitt in seinem letzten Satz formuliert: “America is a business. So fuckin’ pay me?” Ist all das, was Dominik uns kraftvoll in Form hyper-stilisierter Bilder entgegen schleudert – die Dynamik der Figuren, ihre Motivation, ihr Handeln, ihre Entscheidungen – eine zynische Parabel auf “das System” im Ganzen? Worldwide Economy, also Hyperkapitalismus, auf den Mikrokosmos von Kleingangstern und Auftragskillern eingeschrumpft? Stellt KILLING THEM SOFTLY gar nur 90 Minuten Nonsens mit galant durch-choreografierten, sehr harten Gewaltexzessen dar?

Letzteres ganz sicher nicht, dafür steht über weite Strecken zu viel zwischen den Zeilen – ein Subtext, der keine Zweifel an Dominik’s ernsthaften Absichten lässt. An anderer Stelle wird einem dieser Subtext auch mal mit dem Holzhammer in Kopf geknallt – der Autorenfilmer will hier wirklich viel, serviert aber (gemessen an der objektiv sehr klugen Herangehensweise) zeitweise entschieden zu heiß. Der Effekt: es verpufft der angenehme Nachgeschmack, weil man sich die Zunge verbrannt hat. Will sagen: während sich in mancher Szene die Gehirnwindungen biegen, um die Bedeutung zu filtern, rufen andere nur eine müde Reaktion der Marke: “I get it!” hervor.

Am Ende fehlt leider ein wenig Balance. Ganz sicher ist KILLING THEM SOFTLY ein Abgesang auf coole Gangstermythen – jede Figur in diesem Werk ist ein verachtenswürdiger Mensch, der verachtenswürdige Dinge tut. Irgendwo ist KILLING THEM SOFTLY auch beißende Systemkritik – egal was die Politik auch schönreden mag, niemand in diesem Land ist gleich, oder hat gar von Haus aus gleiche Chancen. Nur Geld regier und irgendwo in KILLING THEM SOFTLY steckt auch viel über die diabolische Macht des Geldes in bezug auf das Individuum – Loyalität ist eine Tugend, die sich keiner mehr leisten kann (oder nur will?), auch “alte Freunde” werden eiskalt abserviert, sofern das Geld stimmt.

Eingebettet ist dies alles in eine audiovisuelle Darreichungsform, die nah an perfekt reicht und das ist (neben weiter Analyse zum fortschreitenden Verständnis) auch ein guter Grund, warum KILLING THEM SOFTLY zur Zweitsichtung einlädt – auf dass ein Bisschen mehr Struktur im Chaos erkannt wird – und damit wahrscheinlich der endgültige Untergang.


Wertung
7 von 10 implodierten amerikanischen Träumen


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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3 Gedanken zu „Film: Killing Them Softly (2012)“

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