#52FilmsByWomen: The Bride (2026)
Titelbild © by Warner
Fakten
Regie: Maggie Gyllenhaal
Drehbuch: Maggie Gyllenhaal
Darsteller: Jessie Buckley, Christian Bale, Peter Sarsgaard, Jake Gyllenhaal, Penélope Cruz, Zlatko Burić, Annette Bening
Kamera: Lawrence Sher
Musik: Hildur Guðnadóttir
Jahr: 2026
Genre: Alle die dir einfallen
Review
Wer hier schon länger mitließt – bzw. in Anbetracht dessen, dass es in den letzten Jahren wenig bis gar nichts zu lesen gab, wohl eher: wer hier schon sehr lange mitließt – dürfte wissen, dass ich dem Populärkino (mittlerweile) äußerst kritisch und stark ablehnend gegenüberstehe. Primär aus einem Grund: Modernes Hollywood-Kino wird mit Unsummen gemacht, um noch viel absurdere Unsummen zu verdienen, alles andere ist egal. Es ging immer schon um Geld, aber mehr als je zuvor ist Kino ein maßgeschneidertes Produkt, das basierend auf Marktforschung, Algorithmen-Auswertung, etc. gewinnoptimiert den Massen die Euros, Dollars und Yuan aus den Taschen ziehen soll.
Kreative Kräfte existieren natürlich nach wie vor inmitten des Prozesses, Beteiligte haben immer noch Visionen, Heerscharen an Minions stecken Blut, Schweiß und Herzblut in die Projekte. Aber über allem steht die Disney/Netflix/Random Evil Studio-Maschinerie, die jeden kreativen Gedanken, jedes Aufbäumen von Eigensinnigkeit im Kern erstickt und im Fleischwolf der Studio-Executives alles zu einem grauen, kommerziellen und eben absolut ungenießbaren Brei ohne Charakter zermahlt. Und das widert mich an, es hat nichts mit der Kunstform Film die ich liebe zu tun und ich wünsche mir von Herzen, dass das System an den eigenen gesichtslosen Sequels, Prequels, Comicverfilmungen erstickt.
That being said, tun mir die folgenden Zeilen unglaublich Leid. Denn mit aller Kraft auf einen Film einzuprügeln, dessen Dreh, ganz im Gegensatz zur oben genannten Mainstream-Hölle, eindeutig von einer merklichen (wenn auch hier in ihren Beweggründen und Motiven für mich nicht ansatzweise nachvollziehbaren) Ambition angetrieben wurde, fühlt sich nicht richtig an. Es trifft gefühlt den Falschen, einfach weil es erfrischend und ungewohnt ist, in einer verhältnismäßig großen Produktion, als Triebkraft der Entstehung den künstlerischen Ausdruck einer Filmemacherin, und somit etwas anderes als ausschließlich PowerBI-Bilanzen der Suits, zu vermuten. Doch dieser Film war eine der unerträglichsten Filmerfahrungen, vielleicht jemals, für mich, so here we are..
THE BRIDE hat offenkundig genannte Triebkraft, denn Maggie Gyllenhaal, in klassischem Auteur(inn)en-Style für Regie und Drehbuch verantwortlich, wirft in die Erzählung um das einsame Monster Frankensteins und dessen, sofort sofort auch zur großen Liebe gewordenen, ebenfalls zum Leben erweckten, weirden und frei-drehenden Weggefährtin eine kaum zählbare Fülle an Ideen und Motiven hinein. Das Problem dabei: all dies fühlt sich (im negativsten möglichen Sinn) wie die Fieberfantasie einer betrunkenen 14jährigen an. Fragmente pop- und soziokultureller Gesellschafts-Ereignisse, Zitate aus der Film- und Literatur-Geschichte, moderne Males-are-evil Feminismus-Dogmen und schätzungsweise weitere 900 Zutaten werden in einen Topf geschmissen und zu einem durch und durch ungenießbaren Brei verrührt. Alles was Gyllenhaal scheinbar irgendwann mal cool, interessant, bewundernswert fand, oder auch nur beim nostalgischem Schwelgen in ihrer persönlichen Filmhistorie entdeckte.
Das Resultat sind 28 Filme in einem, die ungefähr 478 Genres abdecken, primär von wirren, auf 11 gecrankten Performances in einer absurden Erzählweise voran getrieben werden und zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Quäntchen dieses All-Over-The-Place-Splatters zu einem stimmigen Ganzen zusammen flicken (get the pun?). Klassischer Detective-Noir, Prisen von Gothic-Horror, ein feministisches Anarcho-Pendant zu Joker’esken Selbstjustiz-Systemsturz-Phantasien, Bonnie-und-Clyde-Eskapismus, Tanznummern, Body-Horror, Reflektion von Geschlechterrollen, Kritik an Eliten, Roadmovie-Elemente, Lobpreisungen des klassischen Hollywoods, schmerzhaft self-aware meta-Experimente – es ist schlichtweg alles in diesem Film. Und alles wirkt out-of-, bzw. wie bereits gesagt vollkommen all-over-the-place.
Und verheizt (teilweise) schauspielerisches Talent in selten gesehener Form. Die Darsteller:innen haben entweder nichts (z.B. Penelope Cruz und Peter Sarsgaard als, dem mordenden Frankenstein-Duo hinterher ermittelndes Detective-Duo, deren Handlungsstrang man ohne jeglichen Effekt für den Film komplett hätte streichend können) oder zu viel zu tun. Letzteres trifft vor allem auf die Braut, also Jessy Buckley zu, aber ihre Performance, bzw. das was das Drehbuch ihr vorgibt reicht für drei. Zu sagen, ich wäre bereits nach wenigen Minuten dieser schwachsinnig-debil den halben Duden runter ratternden, wild gröhlenden Figur aus der Nummer raus gewesen, träfe die Realität nicht. Dafür hätte ich in den Eröffnungsdialog der von ihr gespielten, zur Groteske verzerrten, da als vulgäre Suffnase portraitierten Mary Shelley überhaupt erstmal rein finden müssen.
Obwohl dieser Zugang ab Sekunde eins fehlte, habe ich mich durch diese zwei Stunden eines lauten und ziellosen Kamikaze-Mashups oben genannter Elemente gequält, war wirklich selten so unglaublich genervt von einem Werk und spreche somit, ohne auch nur noch ansatzweise auf konkrete Kritik an inhaltlichen Entscheidungen, oder dem Plot, oder weiteren Aspekten des Films einzugehen, ein seltenes Urteil aus: THE BRIDE ist einer der wenigen Filme, die trotz (vermutlich brauchbarem?) Handwerk und High-Class-Acting in mein all-time Negativ-Pantheon Einzug halten und das Prädikat “Absolut unerträglich” erhalten.
Trotz allem ist es eine gutzuheißende Singularität, dass dieser Film überhaupt so wie er ist entstehen konnte. Vielleicht sind es erste Anzeichen einer einsetzenden Studioboss-Panik, da an allen Ecken die sicheren Banken (wie MARVEL oder STAR WARS) plötzlich nicht mehr zu 100% sicher sind und vereinzelt sogar floppen. Die Ratlosigkeit, wie man weiter Geld verdienen soll, führte einst mal zum New Hollywood, in dem den Filmschaffenden quasi jegliche Kontrolle übergeben wurde, was auch viel größenwahnsinnige Projekte fragwürdiger Qualität, aber eben auch eine Fülle an zeitlosen Meisterwerken der Filmgeschichte hervor brachte. Dass wir ein neues New Hollywood brauchen, propagieren ich und andere schon lange und vielleicht wird man in 20 Jahren retrospektiv Filme wie diesen als Startpunkt, oder zumindest erste Anzeichen eines Wendepunkts sehen?
Schön wär’s.
Und dennoch: Hölle, war dieser Film fürchterlich.
Wertung
1 von 10 rülpsend von einer Bekloppten vorgetragen verbalen Assoziationsketten
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