Film: Predator – Badlands (2025)
Titelbild Copyright by Disney/20th Century Studios
Facts
Jahr: 2025
Regie/Drehbuch: Dan Trachtenberg
Cast: Elle Fanning, Dimitrius Schuster-Koloamatangi
Kamera: Jeff Cutter
Musik: Benjamin Wallfisch
Review
Der Gedanke, einen Predator mal nicht als die übermächtige Bedrohung aus dem All, sondern die unterlegene Seite eines Kampfes zu erleben, erschien mir reizvoll, wenn auch mit Fallhöhe. Und zugegeben, ich habe mich mit dem Film und eben dieser vorab nicht aktiv beschäftigt. Dumm, denn es hätte wahrscheinlich alle notwendigen Redflags aufleuchten lassen, und mir bereits angedeutet, dass die befürchtete Fallhöhe hier durch einen Sturz ins Bodenlose um Welten übertroffen wird.
PREDATOR: BADLANDS – Building worse Worlds
In 95% seiner Laufzeit, setzt mir der Film Dinge vor, die ich mit absoluter Ausdrücklichkeit NICHT hätte sehen wollen (was ich allerdings stark in den Roots des PREDATORverse begründe, weniger in reiner persönlicher Präferenz). Im Folgenden nenne ich ein paar Beispiele. Nur ein Paar, damit dieser Text nicht 37 Seiten lang wird. Minor Spoilers ahead.
Der Predator stellte bis dato eine hochgradig mystische außerirdische Kreatur nebulösen Ursprungs dar, die vor allem, bzw. ausschließlich durch ihr klares Ziel, das Erlegen des stärksten Jägers eines Planeten, definiert war. Nur vage Andeutungen – wenn überhaupt – der Hintergründe, das Wesen unmenschlich und emotionslos, brutal angetrieben. Das war stark, weil es im Sci-Fi-Horror-Sinne maximal konsequent und eben vor allem unmenschlich (in direkter Bedeutung des Wortes) ist.
Wer zur Hölle hielt das jetzt also für eine gute Idee, den Predator massiv zu anthropomorphisieren, ihm eine Bandbreite an Gefühlen, eine (ganz den kontemporären Zwängen folgend natürlich toxisch-maskuline) Familiengeschichte und vor allem Humor (WHAT? THE? ACTUAL FUCK?) zu geben? Versteht mich nicht falsch, ALIEN: EARTH hat gezeigt, dass es möglich ist, einem bis dato als kalte Killermaschine definierten Wesen neue Aspekte und Ebenen, vielleicht gar so etwas wie einen Charakter zu verpassen. Nur dreschen die Aliens im EARTH eben keine dümmlichen Oneliner und bekommen dafür von einem noch dümmlicheren Comedy-Sidekick Props. Noch mal: What the fuck?
Wahrscheinlich ist dieser Aspekt bereits der Schlüssel dazu, dass der Film wirklich keine Sekunde auch nur annähernd funktioniert. Wir sehen einen PREDATOR-Film, doch nichts an der zentralen Figur bräuchte einen Predator, um den Film genau so zu erzählen. Bzw. noch drastischer gesagt: alles daran widerspricht den impliziten Mythen des Franchises auf drastische Weise.
Der Predator während den und bekannten Besuchen auf der Erde immer im Rahmen der uns bekannten Physik. Seine Fähigkeiten sind aber hier, ganz im Einklang mit der allgemeinen Blockbuster-Logik des mittlerweile die Strippen ziehenden “Mu/th/ur”-Konzerns (Pun intended), auf 12 gecrankt, er springt 15 Meter von Bäumen auf Monster, überlebt Stürze auf 50+ Metern ohne Nachwirkung, hüpft wie ein Flummi durch Horden von Opponenten. Danke CGI, du hast hier wieder ganz, ganz wundervolle Moviemaking-Magic ermöglicht. Im Zuge dieser Inszenierung ist unser Predator also austauschbar gegen jedwede überhöhte Heldenfigur, die vor Greenscreen CGI-Kapriolen aufführt.
Und was die Predators bis dato ausmachte, waren die oben angesprochene emotionslose Härte und ihr fortgeschrittenes Waffenarsenal, das hier leider zu großen Teilen auf ein Schwert reduziert ist. Dementsprechend sehen wir, sich überraschend stark nach generischer MARVEL-Formel anfühlend, die belanglose Heldwerdung eines beliebigen Kämpfers, der dem bösen, bösen Papa endlich mal zeigen will, dass er auch etwas wert ist. Dass ihm per Computer ein Predator-Skin auf das Gesicht geklatscht wurde (auch hier: danke CGI, der Look der Figur ist den originalen Modellen und Prosthetics nur ca. Faktor 1 Million unterlegen), hilft nicht und bleibt eben genau das – ein Skin, welches im weiteren Verlauf eine Menge random Bullshit durchläuft.
Bullshit, der rein gar nichts mit der eigentlichen Figur zu tun hat und sein Bestes tut, die Legacy des Franchise einzureißen, oder zumindest ad absurdum zu führen: Zunächst benimmt sich unser “Protagonist” nach Ankunft auf dem Death-Planet wie ein hirnloser Honk, verliert die meisten seiner Waffen und muss extern durch einen plappernden Androiden gerettet werden. Dann kämpft er sich durch eine stetig wechselnde Armada aus gesichtslosen Computerwesen, die um ihn herum explodieren, giftige Projektile schießen, aus 17 Richtungen gleichzeitig angreifen, etc. aber allesamt dem eben noch völlig hilflosen n00b NICHTS anhaben können, weil er von besagtem Androiden Tipps erhält. Klar, das braucht ein wahrer Krieger, um gegen die größte Übermacht bestehen zu können und sich im Minutentakt aus lebensbedrohlichen Situationen zu befreien.
Und dann wird es richtig beschissen, der Predator beginnt nämlich seine Menschlichkeit zu entdecken und legt den Grundstein für eine zukünftige kleine Outcast-Patchwork-Familie, bestehend aus dem dauerplappernden verstoßenen Androiden, der seine Gefühle entdeckt hat, einem verstoßenen Predator, der seine Gefühle entdeckt hat und dem kleinen Spross des gefährlichsten Wesens des Universums, welcher böse ist, dass Weyland-Yutani seine Mama gefangen genommen hat.
Und am Ende übersteigt er sich trotz aller vorherigen Flaws natürlich aus dem Nichts, wie bei jeder vernünftigen Heldenreise (gähn!), selbst und kann dennoch nur bestehen, weil er – noch mal: ein Wesen, das bis dato als eine der kompromisslosesten Killermaschinen der Kinogeschichte etabliert war – die Kraft des Zusammenhalts entdeckt hat und nur gemeinsam mit seinen neuen Freunden den Feind besiegen kann.
Es ist unfassbar absurd (!) und in polemisch verdichter Form aufgezählt, wird mir nur umso klarer, was für eine deplatziert und hanebüchener Schwachsinn in PREDATOR: BADLANDS abgefeuert wird. Es kommt nicht oft vor, dass man ungläubig und wütend mit offenem Kiefer einen Film sieht und nach 60-70 % der Laufzeit ernsthaft glaubt, dass das einzige mögliche Ende sein kann, wie der Predator eine bunte Jack-In-The-Box-Schachtel findet, die aufspringt, aus der dann ein breit grinsender Disney-Anzugträger-Executive heraus hüpft, dem Publikum etwas in Richtung “You idiots fell for it!” entgegen brüllt und anfängt, wie bei den Looney-Tunes mit einem Oldskool Cartoon-Stoffhammer auf den Predator einzuprügeln.
Ich habe ganz bewusst ca. 10 Jahre keinen aktuellen Hollywood-Blockbuster mehr gesehen, es nun mal wieder gewagt (weil ich PREY von Dan Trachtenberg als den stärksten Franchise-Beitrag seit dem Original empfand), und einen der schlechtesten Filme bekommen, die ich in den letzten 10 Jahren ertragen musste. Gar nicht mal, weil er inszenatorisch so mies ist – filmisch sehen wir austauschbare 0815-CGI-Grütze, der ab und zu mal ein starkes Bild (z.b. der Predator mit erhobenem Schwert vor der großen Explosion des Weyland-Yutani Camps) oder eine starke Szene (z.b. die Actionszene in der Fannings Android und ihre abgetrennten Beine separat im gleichen Kampf agieren) gelingt, nein vielmehr weil er ein, evtl. sogar mehrere Filmreihen entmystifiziert, unterwandert und in manchen Aspekten regelrecht beschmutzt.
Man kann nicht einfach jede beliebige Geschichte in jedem beliebigen Gewand gleichwertig erzählen und denken, dass das schon passt. Eben diese random-Gleichmacherei ist es, die den Film zu einem Totalausfall macht. Ich stehe zu 100% hinter den menschlichen Werten, die heute gern als woke beschrieben werden, aber der Predator ist verdammt noch mal kein Mensch und ich brauche sowas von absolut keinen woken Predator, der inmitten von Oneliner-Gags und Comic-Relief den Wert von Freund- und Gemeinschaft erkennt und am Ende die toxische Wurzel allen Übels bekämpft.
Was für ein unfassbarer Mist.
Wertung
0-1 von 10 mit Durchfall zugeschissenen Franchises
