Über das “Spätwerk” von Wes Anderson
Mr. Quirkiness in Person – Wes Anderson – hat mich mit den ersten 15-20 Jahren seines Schaffens wahnsinnig fasziniert, mir Lieblings-Filmszenen und -filme beschert und konnte eigentlich kaum etwas falsch machen. Doch bereits der (nach wie vor) universell geliebte GRAND BUDAPEST HOTEL gefiel mir nur mit starken Abstrichen, weil die formellen Spielereien überhand nahmen, und die emotionalen Kernaspekte zunehmend zu kurz kamen. Langsam verlor ich das Interesse, sah seit 2021 nichts mehr von seinem Output und stieg erst jüngst wieder ein – mit fatalem Ergebnis.
Es folgen ein Paar Worte, die im Grunde auf alles was er ab (und inklusive) ISLE OF DOGS gemacht hat anwendbar sind (einzige Ausnahme: THE WONDERFUL STORY OF HENRY SUGAR, der mich zwar auch im den ersten 15-20 Minuten unendlich nervte, aber dann einen unerwarteten Flow in seinem fragwürdigen Stil fand). Den Anlass sie zusammenzuschreiben gab die Kurzfilmsammlung Roald Dahl-Adaptionen, die er 2023 für netflix drehte, speziell der Titel RATCATCHER, der den absoluten Tiefpunkt darstellt.
Wes Anderson scheint mittlerweile absolute Narrenfreiheit zu genießen und hat in dieser den Punkt leider lange hinter sich gelassen, an dem Produzenten, sein engstes Umfeld, die Casts der Filme, oder wer auch immer Einfluss auf ihn hat/hatte, ihn noch notwendigerweise challengten, ob er die Dinge die er da vorhat wirklich für eine gute Idee hält.
Es ist natürlich absolut anmaßend einem Filmemacher vorzuwerfen, er verstünde selbst nicht, was seine Werke einst großartig gemacht hat, aber Beispiele wie George Lucas zeigten, dass dies durchaus der Fall sein kann. Und auch hier scheint mir diese tragische Entwicklung eingetreten zu sein.
Denn ein einst auch auf der inhaltlichen bzw. menschlichen Ebene grandioser Filmemacher, der am laufenden Band ungewöhnliche, dafür umso herzerwärmende Familiengeschichten zauberte (ROYAL TENENBAUMS oder STEVE ZISOU sind pures Gold) verrennt sich zunehmend in reinem, arg überzogenen Stil unter dem schlichtweg gar nichts mehr versteckt ist. Zuckerwatten-Ästhetik, Puppenhaus-Kulissen, lebendig gewordenes YPS-Heft – es wurden schon viele Analogien gefunden, um die visuelle Gestaltung seiner Filme zu beschreiben, und all das machte seine Filme wiedererkennbar, aber eben nicht alleinig aus.
Mittlerweile ist dieser Stil zum absoluten Selbstzweck verkommen und fungiert, falls überhaupt noch, als Ablenkung davon, wie wirr seine (stetig per Bruch der vierten Wand durch Erzähler/Figur-Amalgame on-screen monologisierten) Inhalte an die Zuscahauenden gebracht sind. Kommt keiner mehr mit, nachdem 10, 20, 50, 100 Minuten ohne Punkt und Komma in erschlagender Informationsdichte gefaselt wurde? Egal, sieht ja alles soooo schööööööön aus…
Anderson agiert offenbar in seiner persönlichen Echokammer, die ihm mit keiner Silbe zurück spiegelt, dass dieser immer stärker zu “Tell don’t show” – trotz aller visueller Opulenz also dem absoluten Gegenteil gelungenen filmischen Erzählens – verkommene Ansatz für Filme vielleicht nicht die beste Idee ist. Die Kombi aus Farben, Kameratechniken, Schnittfrequenz, Dauergebrabbel, Kostümen, Schauspieler/innen-Bingo, etc. verursacht Herzrasen und Stress, aber vernittelt fernab davon nicht eine einzige weitere Emotion.
Im Resultat dreht und dreht und dreht er mit seinen Star-geschwängerten Ensembles allerlei (Kurz)filme, die nach Jahren der tief emotionalen und persönlichen (Familien)geschichten nun in all ihrer anstrengend-übertriebenen Ästhetik vollkommen leer geworden sind. Es interessiert einfach einen Scheiss, was da gerade passiert, 95% der Laufzeit plappert irgendjemand irgendetwas, aber wo das hinführt und was das soll, ist so unendlich egal, dass man auch einfach den Ton ausmachen könnte und sich an Pasteltönen und Theater-Vorhängen satt frisst, bis sie als Schwall wieder raus kommen.
Ein tragischer Verfall….