Tatort: Der Inder (2015)


Trailer © by ARD / SWR


Fakten
Jahr: 2015
Genre: Tatort, Thriller, Laber-Orgie
Regie: Niki Stein
Drehbuch: Niki Stein
Besetzung: Richy Müller, Felix Klare, Thomas Thieme, Robert Schupp, Katja Bürkle, Gabriela Lindlova, Stephane Lalloz, Carolina Vera
Kamera: Stefan Sommer
Musik: Jacki Engelken
Schnitt: unbekannt


Review
Diese Episode des TATORTs war durchweg und in allen Belangen ein einziges WTF in Dauerschleife!

Die Story: Überladen, wüst, konfus. 90 Minuten lang redet irgendwer mit irgendwem über irgendwas. Meist ist das S21-related und selten bleibt ein Rest-Überblick davon, wer nun gerade Objekt der Besprechungen ist und warum. Dubiose Figuren, sowohl Politiker als auch S21-Bauträger, haben Dreck am stecken und sitzen irgendwie im selben Boot, tiefgehende Korruptions-Skandale inklusive. Der eine Mann ist sogar ständig im Knast, raucht Zigarillo und kommt dann ständig wieder raus. Wer er ist? Egal! Weil einem hier alles in einer irrwitzigen Dialogdichte erzählt wird – ALLES, denn “show, don’t tell” wird als “tell everything” missverstanden – hilft nicht mal erhöhte Aufmerksamkeit um den Überblick zu behalten, die ständigen Zeitsprünge zu Personen, die wir noch gar nicht kennen, machen es nicht besser.

Die Optik: DER INDER sieht aus, als wäre der Film mit einem Handy gefilmt worden. Glasklare, viel zu krass ausgeleuchtete Bilder erinnern an Youtube und GoPro und könnten in Verbindung mit dem Fehlen von jeglicher Bewegungsunschärfe als Lexikon-Definition des Soap-Effekts durchgehen. Die Kameraführung (überwiegend Handkamera) beruft sich wohl irgendwie vage auf den neueren Michael Mann, kommt aber vor allem gehetzt und ohne Sinn daher. Ganze Dialoge ohne Schnitt, dafür nervös umkreist und mit harten Schwenks von Gesicht zu Gesicht eingefangen, GTA-Perspektiven an Auto-Felgen, auf Motorhauben, etc. (während im Auto lediglich geredet wird, muahaha) und zwischendrin derart schlechte TV-Nachrichtensendungen-Intermezzi, dass dem ganzen fast schon ein irrwitziges Trash-Potential erwächst. Selten empfand ich einen Stil so unpassend, dass ich zwischenzeitlich los prusten musste. Absurd hoch 10.

Die Intention: Was sich Niki Stein dabei gedacht hat? Keine Ahnung, aber es muss eine Menge gewesen sein, denn DER INDER schreit förmlich in die Welt hinaus, ein Experiment zu sein, dessen Ziel es war einfach ALLES anders zu machen. Geglückt ist dies nicht. Absolut nicht. Eher ist dieses Konglomerat aus vollgestopftem Inhalt und schrägen Stilbrüchen zwischen kalter Thriller- und verruchter Noir-Ästhetik völlig in die Hose gegangen. Und doch ist Experimentierfreude im TATORT ausnahmslos IMMER löblich, weswegen DER INDER zwar nicht wirklich Punkte, aber doch eine gewisse Achtung von mir bekommt. Da kann er froh sein und sich jetzt beherzt einen Schokoriegel von kaufen! Aber lieber absurd, als einfach NUR langweilig.


Wertung
3-4 von 10 verwackelten GoPro-Morden


Weblinks
DAS ERSTE
IMDB
MOVIEPILOT
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):