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Serie: Orphan Black – Season #1 (2013)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Polyband Medien GmbH


Fakten
Jahr: 2013
Genre: Mystery, Thriller, Science-Fiction
Showrunner: John Fawcett & Graeme Manson
Crew (Writer, Director, Cinematographer, Editor): IMDb-Übersicht
Besetzung: Tatiana Maslany, Dylan Bruce, Jordan GavarisMaria Doyle KennedyKristian BruunKevin HanchardEvelyne BrochuSkyler WexlerMichael MandoMatt Frewer
Musik: Two Fingers (Main Theme) & Trevor Yuile (Score)


Review
Es gibt bekanntermaßen reichlich gutes in der Film- und Serienlandschaft. Viel Qualität, vieles was man lobt, bejubelt und auch gerne noch ein zweites und drittes Mal schauen will. Doch nur selten schleicht sich eines dieser Ausnahme-Exemplare auf den Schirm, die dich sofort und kompromisslos am Schopfe packen, dem Wort Sucht innerhalb weniger Minuten eine neue Bedeutung verleihen und dem Teufelchen im Unterbewusstsein den temporären Job auferlegen, keine Ruhe mehr zu geben, bis nicht die letzte Sekunde des Werkes durch die Synapsen gerauscht ist. ORPHAN BLACK ist eines dieser Ausnahme-Exemplare.

Es bestehen gute Chancen, dass der Mystery-affine Zuschauer bereits von der grandiosen Eröffnungsszene dieser BBC-Serie gefangen genommen wird: Eine abgewrackt aussehende, gehetzt wirkende junge Frau verschläft auf einer Zugfahrt ihren Ausstieg. Als sie dann am falschen Bahnhof den Zug verlässt, passiert etwas unglaubliches – eine Frau, die ihr bis aufs Haar gleicht steht ihr auf dem Bahnsteig gegenüber. Verstört schauen die zwei sich über einige Meter Entfernung in die Augen, doch bevor es zu einem wirklichen Kontakt kommt, stellt die Unbekannte ihr Tasche ab und schmeißt sich vor einen einfahrenden Zug. Keine Zeit sich Fragen zu stellen. Irritiert lässt die erste den Schock kurz sacken, doch anstatt auf die Polizei zu warten und auszusagen, ergreift sie die Gelegenheit, krallt sich die Handtasche ihrer Doppelgängerin und sucht das Weite. Dann setzt der Titelsong von Two Fingers (aka eine der eigensinnigsten Ikonen der elektronischen Musik: Amon Tobin) ein.

In hyper-stilisierten Bildern und einem abartigen Tempo entfesselt sich in den nächsten zehn Episoden ein verknotetes Verwirrspiel aus doppelten (bzw. mehrfachen Identitäten), mysteriösen Verschwörungen und undurchsichtigen Figuren. Was ist hier los? War die Selbstmörderin ein unbekannter, verlorener Zwilling der als Waisenkind aufgewachsenen Hauptfigur Sarah Manning? Was für unlautere Dinge trieb sie in ihrem Leben? Als die semi-legal lebende Sarah sich nicht mit dem Plündern der Handtasche zufrieden gibt, sondern vollständig in die Rolle der verstorbenen Beth schlüpft, mehren sich die Hinweise, dass hier größeres als eine nie bekannt gewordene Blutsverwandschaft im Gange ist. Beth war Cop und alles macht den Anschein, dass ein gesetzeswidriger, mutwilliger Einsatz der Dienstwaffe mit Todesfolge vertuscht werden soll. Und was hat es mit Beth’s dubiosem Lebenspartner und dem zweiten Telefon in ihrer Handtasche auf sich? Und der panischen Deutschen, die ständig versucht Sarah, also eigentlich Beth, zu kontaktieren?

ORPHAN BLACK gerät für Sarah zu einer geheimnisvollen Suche nach den Wurzeln der eigenen Identität und eröffnet auf dem steinigen Weg ein Mysterium nach dem nächsten. Dabei hält die schnelle, packende Inszenierung über die knapp 400 Minuten Laufzeit der S1 durchweg einen so pervers hohen Spannungslevel aufrecht, dass das Schauen der Serie vor allem zu einer Bewährungsprobe für Fingernägel mutiert. Die Regler stehen auf Maximum, denn ORPHAN BLACK geht auf Tuchfühlung mit inszenatorischen Extremen – durch die Verschmelzung des messerscharfen Scores mit den cleanen, ins Unermessliche farb-korrigierten Bildern, rangiert die Serie audiovisuell nah der Überstilisierung, durch die fiebrige Taktung gleicht jeder Schnitt einem hektischen Adrenalinstoß, an Härte und Creepiness wird so wenig wie an Thrill und intensivem Drama gespart. Die wechselnden Regisseure liefern das höchstmögliche Maß an Intensität, ohne es jedoch auch nur einen Moment zu weit zu treiben. I bought it all.

Inhaltlich gleicht Sarah’s Weg einer fordernden Flucht aus den Fängen diverser höherer Mächte, die sie zum Ping-Pong-Ball der verborgenen Interessen instrumentalisieren. Wer das ist und was die wollen, sickert nur mühsam, Tropfen für Tropfen, aus dem fest verschnürten Paket der Geheimnisse heraus – was jedoch zum Vorschein kommt, lässt mit beachtlicher Regelmäßigkeit die Kiefer herunter klappen, denn überraschende Enthüllungen und unerwartete Twists jagen sich mit Höchstgeschwindigkeit. Der Clou dabei: je mehr der Plot einen vermeintlichen Wissensvorsprung verkauft und ein umfassendes Bild zu entstehen scheint, desto undurchsichtiger wird das Spiel tatsächlich – mehr Parteien, mehr Interessen und in Summe doch wieder mehr Fragezeichen. Da war Figur X eben noch Freund, doch plötzlich steht jeder unter Verdacht nicht der zu sein, der er vorgibt – nie ist es möglich zu erahnen, wo Sarah als nächstes hinein stolpern wird und nur langsam lichtet sich das Geheimnis um ihre und die Vergangenheit ihrer Mitstreiterinnen.

Neben der inhaltlichen Brillanz dieses intensiven Drama-Thriller-Kombinats mit leichtem Humor- und noch leichterem SciFi-Einschlag, begeistert ORPHAN BLACK aber vor allem durch eines: Phänomenales Schauspiel. Es ist unumgänglich, das was Tatiana Maslany in dieser Serie zum Besten gibt, mit ekstatischer Begeisterung in den Himmel zu loben, es pausenlos abzufeiern und mit Applaus zu überhäufen. Nur so viel sei gesagt: Es bleibt nicht bei Sarah und der verstorbenen Beth – Maslany schlüpft in weitere Rollen, die zu unterscheiden zwar bereits optisch klar möglich ist, deren Wesen sich jedoch über feine Änderungen der sprachlichen Betonung, den völlig selbstverständlichen Wechsel zwischen Slang-lastigem Britisch, breiigem Awesome-Amerikanisch, oder Ostblock-Akzenten und vor allem unfassbar nuancierter Körper-Sprache und Mimik definiert. Nie (!) ähneln sich die Frauen in mehr als den Gesichtszügen, nie fällt Maslany aus der jeweiligen Rolle auch nur einen Zentimeter heraus und selbst wenn eine in der Serienrealität in die Rolle der anderen schlüpft, spielt sie dies auf den Punkt – die zig gewonnen Awards sprechen eine klare Sprache und sind ausnahmsweise indiskutabel gerechtfertigt. Es gibt sicher auch welche, die sie nicht gewonnen hat – das hingegen darf gern als Stein des Anstoßes genommen werden! Alles was geht für sie und bitte noch viel mehr.

So wird’s gemacht.
Ganz klar aktuell der Stern am Himmel der Thriller-Serien und von so immenser Sogwirkung, dass jede reale Sekunde in der noch ungesehene Episoden warten zu einer falsch genutzten wird. Anschauen!


Wertung
9-10 von 10 geheimnisvollen Ebenbildern


Veröffentlichung
ORPHAN BLACK – Season #1 ist bei Polyband Medien GmbH als BluRay und DVD erschienen.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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6 Gedanken zu „Serie: Orphan Black – Season #1 (2013)“

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