Film: Montana Sacre – Der Heilige Berg (1973)


Trailer © by Bildstörung


Fakten
Jahr: 1973
Genre: Kunstfilm, Surrealismus, Meta
Regie: Alejandro Jodorowsky
Drehbuch: Alejandro Jodorowsky
Besetzung: Alejandro Jodorowsky, Horacio Salinas, Zamira Saunders, Juan Ferrara, Adriana Page, Burt Kleiner, Valerie Jodorowsky, Nicky Nichols, Richard Rutowski, Luis Lomelí
Kamera: Rafael Corkidi
Musik: Don Cherry, Ronald Frangipane, Alejandro Jodorowsky
Schnitt: Federico Landeros


Review
Ich fühle mich gut!
Sehr gut sogar, denn endlich habe ich den sagenumwobenen Klassiker des andersartigen Kunstfilms MONTANA SACRE sehen dürfen. In toller Qualität, da es noch tollere Labels wie “Bildstörung” gibt, die mit Hingabe und Liebe Perlen des abseitigen Kinos aus dem ewigen Nischendasein aufgrund mangelhafter Verfügbarkeit befreien, um sie in tollen Editionen mit allerlei Beigaben, reichlich gefüllten Bonus-Discs und wundervollem Artwork in den Handel zu bringen. Daumen hoch, das ist wahre Liebe für das Medium.

Zum Film:
Ich befinde mich nun, nachdem dieser irre Ritt sein Ende gefunden hat, in einer befriedigenden Mischung aus Verstörtheit, nachdenklichem Grübeln und ins alberne abdriftender Heiterkeit. Dazu hat mich MONTANA SACRE veranlasst. Mich zu freuen, über die Möglichkeiten der Kunstform Film und die alles durchflutende Leidenschaft, die manch ein Werk versprüht. Ich verneige mich im Geiste vor Alejandro Jodorowsky, für dieses von ihm geschaffene Epos – ein Meisterwerk und eine absolute Frechheit zugleich! Wer diesen Film gesehen hat, und im Abspann darauf achtet, welche Funktionen von Jodorowsky übernommen wurden, der kann sich vorstellen warum. “Written and directed by..” kennen wir. Aber auch Kostüme? Auch Kulissen? Auch Gemälde und Ausstattung? Auch Musik? Und dann vor allem in einer ausufernden Intensität, wie sie kaum ein zweiter Film teilt? Hier hat ein begeisterter Filmemacher eine vollkommen größenwahnsinnige Vision umgesetzt, auf eine Karte gesetzt und gewonnen! Es ist mir völlig unbegreiflich, wie diese, im Sekundentakt auf den Zuschauer einprasselnde Flut an Ideen, Bildern und Farben einem einzigen menschlichen Geiste entsprungen sein kann – sie sprengt ja bereits beim Zuschauen den Rahmen des (Be)greifbaren. Und es erheitert mich sehr, wie eine solch bizarre Absurdität, mit so selbstverständlichem Augenzwinkern präsentiert wird. Ich weiß nicht, ob ich solchen Ideenreichtum bis jetzt schon mal erleben durfte?

Inhaltlich mag ich gar nicht beginnen in die Tiefe des gesehenen abzutauchen und Fragen zu stellen, darüber welche vielfältigen Themen Jodorowsky hier verbaut und was er im Ganzen, aber auch in einzelnen Szenen sagen will. Oder ob es überhaupt intendiert ist, hier typisch menschlich-verkopft alles in das lähmende Korsett einer Bedeutung pressen zu wollen – ein wenig bezweifle ich es. Ich lasse das erstmal sacken, wirken und nachhallen und freue mich einfach – just for fun. Wenn ich diesen Film noch häufiger (und ebenso das reichliche Sekundärmaterial zu ihm) in mich aufgesogen haben werde, wird es vielleicht möglich sein mehr zu sagen, als ein salopp dahin gestammeltes: “Jodorowsky wollte wohl irgendwie Statements zu Imperialismus, Religion, Politik, Realität, Sinnsuche, Illusion, Unterdrückung, dem Verhältnis von Mensch, Tier und unserem Planeten und der Kunst im Allgemeinen, plus dem Filme machen im Speziellen treffen.”. Fragmente all dieser Themenkomplexe erkenne ich hier. Und sie erfüllen ihre Wirkung: ich habe Lust bekommen, mich über die mexikanische Geschichte zu informieren, denn diese reflektiert der Film ganz sicher, ich habe Lust bekommen Deutungen, Essays, Dokus, Whatever zu diesem Film (und der Person Jodorowsky) zu genießen und ich habe vor allem Lust bekommen mich hier einfach noch eine Weile weiter zu freuen.

Fans des Films, freut euch mit mir!


Wertung
9 von 10 regenbogenfarbenen Jesus-Statuen


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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2 Gedanken zu „Film: Montana Sacre – Der Heilige Berg (1973)“

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