Serie: Mad Men – Season #5 (2011)


Trailer © by Universal Pictures Germany GmbH / AMC


Fakten
Jahr: 2011
Genre: Drama
Showrunner: Matthew Weiner
rew (Writer, Director, Cinematographer, Editor): IMDb-Übersicht
Besetzung: Jon Hamm, Elisabeth Moss, Vincent Kartheiser, January Jones, Rich Sommer, Christina Hendricks, Aaron Staton, John Slattery, Kiernan Shipka, Robert Morse, Christopher Stanley, Jessica Paré
Musik: David Carbonara


Review
Ein neues Leben hat begonnen.
Mal wieder.

Nach der Scheidung von Betty und den darauf folgenden monatelangen Exzessen, Eskapaden und Abstürzen (die sich über große Teile der S4 zogen) ist etwas unerwartetes passiert. Die eigentlich nur zur Betreuung seiner Kinder von Don auf eine Los Angeles-Reise mitgenommene Sekretärin Megan, führt Don etwas vor Augen, was er verloren glaubte und vielleicht länger als er denken kann nicht mehr erlebt hat:
Die Existenz von menschlicher Wärme.

Ein Funken, der sobald freigesetzt, in Don’s Kopf (und Herz) schnell zu mehr heranwächst. Erstmalig, seit der damals ebenfalls in Los Angeles gelebten halb platonischen, halb emotionalen Beziehung zu Anna Draper, regt sich bei ihm mehr als nur die Leistengegend, sitzt er schlaflos auf der Bettkante, ist hin und weg und grübelt – unfähig zu verstehen was gerade mit ihm passiert.

Das war das Ende der vierten Staffel.
Sie endete mit einem Antrag.

Diese fünfte Staffel steigt nun voll in das Leben des “neuen” Ehepaar Draper ein. Eine Ehe, die das absolute Gegenteil zu dem darstellt, was Don über Jahre an der Seite von Betty er-, bzw. sie an seiner Seite durchlebt hat. Megan liebt Don ehrlich und tief, doch im Gegensatz zu den verstaubten Mustern der Fünfziger und frühen Sechziger Jahre definiert sie sich nicht über eine Rolle als Ehefrau und (Teilzeit-Stief-)mutter. Nein, sie ist jung, sie weiß was sie will, sie kennt die kreativen Potentiale in sich und will im Leben etwas erreichen, erst als Werbetexterin, später mit dem Versuch ihre gescheiterte Schauspielkarriere wieder aufzunehmen.
Und dieses Recht fordert sie ein.

In gewisser Weise ist dieses umgekehrte Verhältnis auch ein direkter Spiegel der porträtierten Zeit, denn MAD MEN erreicht langsam das Ende der sechziger Jahre und somit eine Phase des extremen gesellschaftlichen Umbruchs. Don muss sich in der Beziehung oft (und für ihn erstmalig) zurücknehmen und Megan’s Entscheidungen akzeptieren, egal ob sie ihm passen oder nicht. Nicht mehr er gibt den Ton an, sondern die zwei begegnen sich auf Augenhöhe, was natürlich einen krassen Kontrast zur ihm bekannten Form der Ehe darstellt, er aber trotzdem akzeptiert. Und dies ist nur ein Aspekt, der die späten Sechziger für Don auf persönlicher Ebene, zu einer Zeit der neuen, schwierigen Herausforderungen macht. Erstmalig scheint Draper Probleme zu haben, die Verbindung zur immer schneller tickenden Welt aufrecht zu erhalten:

Welche Musik ist angesagt?
Wie denken die jungen Leute überhaupt?
Wie verändern sich die Lebensrealitäten der Menschen?
Wie verändert sich das Zusammenleben in den heimischen vier Wänden?

Fragen über Fragen, die den ehemals so zielstrebigen, vor Selbstbewusstsein triefenden Macher überrollen zu scheinen. Immer häufiger – sei es im Backstage Bereich eines Rolling Stones Konzertes, beim zweifelnden Hören der neuen, psychedelischen Beatles-Platte, usw. – wirkt der Mann in seinem weit geschnittenen Anzug fast schon aus der Zeit gefallen. Ein Relikt vergangener Tage, verankert in einer vergangenen Lebensrealität. Und doch, obwohl sich Draper den wohl größten, oder eher den unerwartetsten persönlichen wie emotionalen Herausforderungen der gesamten Serie gegenüber sieht: Er scheint glücklich zu sein. So sehr, dass nicht mehr nur Alkohol und Arbeit als alleinige Flucht aus dem Leben funktionieren.
Endlich kann Don mal lange seine guten Seiten ausspielen, man wünscht ihm so sehr, dass dies von Dauer ist.

Und dann ist da natürlich noch, hier bis jetzt sträflich außer Acht gelassen, die Serie abseits von Don. Viele kleine Geschichten und Konflikte, die sehr viel über die Figuren, wie auch generelle Fragen der Moral und des Lebens erzählen. Da ist Peggy’s Zusammenleben mit ihrem Freund – ein system- und kapitalismuskritischer Journalist, der immer wieder in Frage stellt, was sie da beruflich eigentlich tut. Da ist die immer stärker aufkommende Bürgerrechtsbewegung, die über verschiedene Wege die Protagonisten der Serie beeinflusst und so Fragen der Menschenrechte und generellen Zustände in den USA aufwirft. Da ist der vieles (auch Joan, ihren neugeborenen Sohn und dort als Sanitäter stationierten Ehemann) überschattende Vietnamkrieg. Da ist der Kampf um den Jaguar-Etat, der für Joan und die Firma weitreichende, unangenehme Folgen hat. Da ist Pete, der immer weiter in seine frühen, arroganten Verhaltensmuster zurückfällt und beginnt sich wie Draper in seinen besten Tagen zu benehmen.
Und, und, und.

Obwohl die Grundstimmung oftmals fast heiter und leicht ist, an intensiven Konflikten und Problemen mangelt es nicht – MAD MEN trifft emotional immer wieder ins Schwarze und kommt in Momenten der trügerischen Sicherheit mit einer ganz bitteren Bombe um die Ecke. Die Summe all dieser Momente, ob heller Lichtblick oder dunkles Pulverfass, der konstant fortgeführten Figurenentwicklung und der nach wie vor unheimlich authentischen Inszenierung macht diese fünfte Staffel erneut zu einem kleinen Juwel am Serienhimmel.

Bewegend und großartig.


Wertung
9 von 10 geheirateten Sekretärinnen


Wertung
8 von 10 irrationalen Wutausbrüchen


Serie auf:
IMDB
MOVIEPILOT
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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