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Film: Tracers (2015)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Universum Film GmbH & Wild Bunch Germany


Fakten
Jahr: 2015
Genre: Action, Thriller
Regie: Daniel Benmayor
Drehbuch: Matt Johnson, T.J. Scott, Kevin Lund, Leslie Bohem
Besetzung: Taylor Lautner, Marie Avgeropoulos, Adam Rayner, Rafi Gavron, Luciano Acuna Jr., Josh Yadon, Johnny M. Wu, Sam Medina, Amirah Vann
Kamera: Nelson Cragg
Musik: Lucas Vidal
Schnitt: Peter Amundson


Review
TRACERS ist einer dieser Filme, deren extrem negative Rezeption (bei Kritikern und Publikum) ein wenig stutzig macht, denn entgegen all des gängigen Etikettenschwindels, welcher bekanntermaßen heutzutage die Promo-Arbeit im Vorfeld von Veröffentlichungen dominiert, wurde im Falle dieses Films konsequent mit offenen Karten gespielt – die offiziellen Trailer und im Netz kursierenden Inhaltsangaben deuten vor allem in eine Richtung: TRACERS will ein straighter Genre-Film mit etwas Thrill und viel knackiger Parcours-Action sein. Nach Sichtung dieser überwiegend rasanten 100 Minuten bleibt eigentlich nur das Fazit, dass dieses Versprechen, umgeben von kleinen Kunstfehlern, weitestgehend souverän eingelöst wurde.

Zwar liefert die kleine Geschichte eines jungen Fahrradkuriers, der sich aus Geldnot einer Gruppe höchst agiler Kleinkrimineller und ihrem dubiosen Boss anschließt, welche ihre exorbitanten akrobatischen Fähigkeiten für unlauteres Machenschaften nutzen, sicher kein makellos rundes Werk, doch hebt sie sich aufgrund der enorm greifbaren Körperlichkeit und einer nicht zu leugnenden, frischen Dynamik mindestens ein gutes Stück vom gängigen Einheitsbrei der Action-Thriller ab. Filmemacher Daniel Benmayor gelingt es über weite Strecken, seine offensichtliche Begeisterung für Bewegung und Geschwindigkeit in Bildform zu konservieren – die Einstellungen erzählen von glühender Hitze im sommerlichen New York, dem Gefühl totaler Freiheit, wenn unüberwindbare Barrieren dahinschmelzen, man eins mit der Stadt wird und den nicht immer ungefährlichen Möglichkeiten, die sich durch eine außergewöhnliche Begabung ergeben.

Das schmückende Gewandt bilden Action-Sequenzen, die sowohl mitreißend und packend, wie schlichtweg beeindruckend sind. Kein Hindernis scheint zu hoch, keine Wand zu senkrecht – Cam und die junge Parcours-Gang, generieren sich hoch oben, weit über den Straßen der Stadt, ihren eigenen, ganz persönlichen Spielplatz und toben sich aus. Für manch einen mögen die ausufernden Trainings-Montagen und langen, hochenergetischen Verfolgungsjagden nach (beinahe) missglückten Coups, nicht mehr, als ein überlanges YouTube-Video darstellen – Ansichtssache – ich persönlich finde es geradezu erfrischend, dass ein Film sich in Art und Weise seiner Action (wie vor einigen Jahren schon PREMIUM RUSH) eine eigene Nische sucht und dabei von explodierenden Autos und ausufernden Schießereien emanzipiert, erst recht wenn das Resultat wie hier extrem gelungen ist: In seinen besten Momenten starten Schauspieler und Kameramann simultan zu halsbrecherischen Manövern durch, die Geschwindigkeit wird auf ein absolutes Maximum gepusht und TRACERS versprüht reine Energie – ganz ohne Knallbumm. Dass Taylor Lautner große Teile davon selbst drehte, überrascht nicht, sofern man in Betracht zieht, dass der Mann bereits mit 12 Jahren internationale Karate-Championships für sich entschied.

Worüber sich der Zuschauer natürlich im Klaren sein muss, ist dass Wirkung hier ganz klar über Realismus steht. Niemand lernt in wenigen Tagen oder Wochen Parcours auf einem Level, das mit jahrelang trainierenden Profis mithalten kann. Freunde der ominösen Logik-Löcher kommen demnach voll auf ihre Kosten und können mit Leichtigkeit alles Gezeigte auf fundamentaler Ebene dekonstruieren. Klar. Doch wer sich Filmen, die einen beträchtlichen Anteil ihres Unterhaltungswertes aus der gezeigten Kinetik ziehen, aus der unsäglichen Richtung der Logik nähert, wird wohl schnell zu dem Schluss kommen, dass diese Filmgattung ihm keine Freude bescheren kann. Also einfach mal die Goldwaage mit dem Knüppel zerhauen, akzeptieren dass Logik nicht alles ist und analysieren, wie viel TRACERS aus dem ganzen „Unsinn“ macht: abgesehen von wenigen Momenten in denen Parcours zum reinen (und vor tatsächlich höchst sinnlosen) Showoff verkommt, ist das eine Menge.

Sobald der Film jedoch im zweiten Drittel Anstalten macht, sich vom sicheren Terrain der Parkdecks, Schiffe und Feuerleitern weg zu bewegen und stattdessen den Versuch unternimmt, über Charakterzeichnung und zwischenmenschliche Plots Emotionalität zu erschaffen, beginnt das Konstrukt zu bröckeln – wann immer die vier (!) Autoren versuchen TRACERS auf einen persönlichen, charakterlichen Level zu hieven, scheitert dieser Versuch. Manchmal kläglich. Zu viele Köche verderben anscheinend tatsächlich den Brei, was Autor A schuf wurde von B und C zerstört und so gestaltet der Film sich, wenn nicht gerade gesprungen, geklettert und gerannt wird, als relativ leer und belanglos. Das mag zum einen an der oberflächlichen Zeichnung der wenigen wirklichen Figuren liegen – weder Cam’s familiäre Backstory, noch das Schicksal seines Love-Interests, Marie Avgeropolous, deren mysteriöser Charme ihn überhaupt erst dazu veranlasste sich in die Welt der Parcours-Kleingangster hinein zu wagen, gehen auf. Zum anderen am holprigen Spiel: Während Lautner seinen Job in allen Belangen gut macht, spielt letztere wenn überhaupt noch durchschnittlich (vom restlichen Cast nicht zu reden) und scheint zudem weit weniger intensiv mit den akrobatischen Möglichkeiten ihres Körpers vertraut zu sein, was sie in der Rolle etwas deplatziert wirken lässt. Der Parcours-Skill bleibt Behauptung. Gleiches gilt für die angebliche Romantik zwischen den Beiden – sie ist nicht existent, weshalb die aufkeimende Lovestory bestenfalls als liebloses Plot-Device zu bezeichnen ist und besser im Fundus der verworfenen Ideen in Vergessenheit geraten wäre. Das krampfhafte Einflechten generischer Liebes-Plots, werde ich wohl nie verstehen – beliebiges Beispiel: Johnnie To hat mit DRUG WAR eindrucksvoll gezeigt, wie wenig Figuren-Drama es benötigt, wenn die Handlung kontinuierlich rollt, um sich in einem fulminanten Finale zu entladen – derartige Straightness zahlt sich aus, jeder Bruch mit ihr schmälert, wo drin ist also die Angst begründet, die üblichen Hollywood Bausteine einfach mal über Bord zu werfen?

Schade, hätte man sich mehr Fokus aufs Wesentliche gegönnt, anstatt die klare Linie mit generischem Firlefanz zu verwässern, wäre TRACERS richtig gut geworden. So holen die besagten Defizite das Ganze doch wieder aufs Mittelmaß zurück. Gutes Mittelmaß, denn was die Damen und Herren mit ihrem Körper veranstalten ist beachtlich und ohne Frage einen Blick wert.


Wertung
5 von 10 waghalsigen Rooftop-Chases


Veröffentlichung
TRACERS ist im Vertrieb der Universum Film GmbH bei Wild Bunch Germany als BluRay, VoD und DVD erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Making Of (The Art & Motion), Director’s Pitch Real. Die Discs kommen im Wendecover ohne FSK Logo.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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