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Film: The Innkeepers (2011)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Tiberius Film


Fakten
Jahr: 2011
Genre: Horror
Regie: Ti West
Drehbuch: Ti West
Besetzung: Sara Paxton, Pat Healy, Kelly McGillisLena DunhamBrenda CooneyJohn Speredakos
Kamera: Eliot Rockett
Musik: Jeff Grace
Schnitt: Ti West


Review
Das ist er der richtige Schwerpunkt in einem Gruselstreifen: Suspense, Suspense, Suspense, Suspense!

Ti West lässt zwei nicht-mehr-ganz-Jugendliche als Portiers in einem gruseligen, alten Hotel arbeiten und nimmt so richtig das Tempo raus. Alles schleppend, die Story darf sich ewig entwickeln und die Charaktere lernt man für einen Horror-Streifen ungewohnt ausgiebig und vielschichtig kennen. Sie entwickeln tatsächlich ein richtiges Profil und ich mochte Sie total, anstatt Sie strunz-dumm und nervig zu finden. Der Fokus liegt also ganz klar auf dichte Atmosphäre und THE INNKEEPERS lebt von ultra-langsamen und ausufernden Kamerafahrten.

Daran scheiden sich scheinbar die Gemüter, für die einen stellt diese Herangehensweise die ultimative Langeweile dar – kein Thrill, keine Action, kein wirkliches Finale – für die anderen ist es die Revolution, die Wiederauferstehung des echten Spukes. Zweites ist aus meiner Sicht vielleicht etwas hoch gegriffen, überdurchschnittlich, weil sich so sehr seiner Stärken bewusst ist dieser Film aber definitiv, denn West weiß seine sparsamen Schockmomente überaus passend über die Laufzeit zu verteilen und scheut es nicht, auch mal frech mit dem Zuschauer zu spielen: Endlose Suspense, die auf den großen, zerstörerischen Moment zusteuert, gipfelt ab und an auch mal in einem finalen… Nichts! Verarscht, ätsch, umsonst auf den Fingernägeln herum gekaut und die Fingerknochen des Sitznachbarn zum Bersten gebracht.

Essentiell für die teils massive Spannung, ist (wie BERBERIAN SOUND STUDIO ein Jahr später auch dem letzten Zweifler eindrucksvoll unter die Nase rieb) die klangliche Kulisse: Abseits der starken Filmmusik sorgen bereits kleinste alltägliche Sounds für ein starkes Unwohlsein – ein wiederkehrendes Knacken im Holz der Wände, ein undefinierbares Rauschen aus der Ferne, ein seltsames Pochen in den Wasserleitungen. Man war sich in THE INNKEEPERS der enormen Wirkung des Klanges voll bewusst und passend platziert, in Harmonie mit dem gediegenen Tempo, darf der Sound eine Menge Gänsehaut generieren.

Zeitweise verliert sich THE INNKEEPERS ein wenig zu sehr in seiner Langsamkeit und sie droht kurz mal in Zähigkeit zu kippen, davon abgesehen macht der Film aber dank genannter Schwerpunkte ziemlich Spaß. So darf es mit dem Spukhaus-Genre weiter gehen.


Wertung
7 von 10 unendlich langsamen Spukhaus-Kamerafahrten


Veröffentlichung
THE INNKEEPERS ist bei Tiberius Film als 3D-BluRay, BluRay und DVD erschienen.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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7 Gedanken zu „Film: The Innkeepers (2011)“

  1. Ich war eher schockiert darüber, dass dieser Film von Ti West sein sollte, der mit “House of the Devil” einen sehenswerten Retro-Horrorfilm gedreht hatte. Doch “The Innkeepers” hat plötzlich überhaupt keine unbehagliche Atmosphäre mehr, sondern nur ein wenig Gelaber und später Geschminkte-Frau-Jumpscares, wie sie James Wan und co. schon zur Genüge zum abgeschmackten Klischee gemacht haben. Hier habe ich dann gemerkt, dass One-Hit-Wonder West dem Genre aber auch so gar nichts hinzufügen kann. Schade.

    1. Hmm. Ich fand den klasse. Extrem reduziert spielt er mit der Unheimlichkeit des Alleinseins und schürt so gute Suspense. Ich bin aber auch jemand, dem in derartigen Spukfilmen gar nicht wenig genug passieren kan. Welche Spukfilme würdest du denn empfehlen?

      1. Spontan schwer zu sagen. Die ganzen Spukfilme mit ihren Haunted Houses sind ja selten viel besser als mittelmäßig. Ich persönlich bevorzuge da wohl schlicht eine andere Art von Horror.

      2. Okay. Nun bin ich neugierig welche?
        Ich kann ja mit den meisten Horror-Spartenw as anfangen – von Terrorfilmen wie MARTYRS, über Effekthorror der Marke THE THING, bis eben zu diesen Spuk/Suspense Filmen. Ist aber nicht mein favorisiertes Genre (obwohl ich gleich nen dicken Artikel zum Thema veröffentlichen werde)

      3. Ich mag es vor allem, wenn Horror mit der Wahrnehmung von Zuschauer und Protagonist spielt, wie “Jacob’s Ladder”, “Videodrome” und “Magic Magic”, Body Horror wie “Alien”, “Possession”,”The Thing” und “Uzumaki” und auch sehr gerne, wenn es in Richtung Cosmic Horror geht, wie “Event Horizon”, “Prince of Darkness” und “Die Farbe”.

        Alles in allem gerne surreal, etwas eklig und hin und wieder schwer greif- und begreifbar. Geschminkte Geisterladys in Spukhäusern passen da nur selten rein.

      4. Ich würde auf jeden Fall auch sagen, dass ich psychologischen Horror (wie z.B. den ganz frühen und ganz späten Lynch oder JACOB’S LADDER) wesentlich interessanter als Spukhaus-Filme finde (schlägt sich auch in den Wertungen nieder. Aber ab und zu kann solche INNKEEPERS / INSIDIOUS / SINISTER Selbstzweck-Atmosphäre ganz nett sein

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