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Film: Samurai Cop (1991)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by M.I.B. – Medienvertrieb in Buchholz


Fakten
Jahr: 1991
Genre: Trash, Action, Buddy-Cop
Regie: Amir Shervan
Drehbuch: Amir Shervan
Besetzung: Mathew Karedas, Mark Frazer, Robert Z’DarMelissa MooreJanis FarleyGerald OkamuraCranston Komuro
Kamera: Peter Palian
Musik: Alan DerMarderosian
Schnitt: Amir ShervanRuben Zadurian


Review
In Kreisen von Filmfans, deren Freude am Genuss des Mediums exponentiell in die Höhe schießt, sobald die Beschreibung des Machwerks mit “so bad, it’s good” ins Schwarze trifft, wird SAMURAI COP seit einiger Zeit als (einer der) König(e) dieser Disziplin abgefeiert. Zu recht, wie sich bei meinem längst überfälligen Kontakt mit diesem Kuriosum aus den Tiefen des Dilettanten-Kabinetts zeigen sollte – der Film hat wirklich alles, was Anhängern des zelebrierten Scheiterns das Herz höher schlagen lässt.

Einen Hauptdarsteller, dessen unfassbares Äußeres zum Einrahmen und täglichen Anbeten einlädt, seinen Sidekick, der vor allem in Reaction-Shots den Irrsinn um sich herum mit Visagen kommentiert, welche den Begriff „Gesichts-Kirmes“ neu definieren und dazu dämliche Dialoge am laufenden Band (“Seems like we got nothing to do right now… Let’s fuck!”). Das meiste, was in SAMURAI COP gesagt wird, lässt uns Zuschauer in freudvoller Fassungslosigkeit die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und sollte das mal nicht der Fall sein, dann nur, weil man das Gesagte aufgrund der unterirdischen Qualität gar nicht erst verstehen konnte. Aber Schritt für Schritt.

Frank: “You’re looking for information about my butt?!”

Zur Eröffnung dieser hoch spannenden, regelrecht atemlosen Crime-Story wird Wert auf eine knackige Exposition gelegt: Bei treibender Synthesizer-Mucke dürfen wir den hoch maskulinen, zur Verbrechensbekämpfung eigens eingeflogenen Helden Joe und dessen schlacksig-lockeren Kollegen Frank bei einer packenden Verfolgungsjagd kennen lernen. Auf doppelter Geschwindigkeit abgespielt “rasen” die Zwei in einem Auto, das einer Sardinenbüchse gleicht, weil sie rein körperlich irgendwie viel zu groß gewachsen erscheinen, durch L.A./Florida/San Diego/einen beliebigen Ort am Meer, um einem Van mit Verbrechern und Koks auf die Schliche zu kommen. Das Adrenalin schlägt dabei mehrfach in den roten Bereich, denn jedes Mal wenn Mr. Samurai himself – der 90% des Films weder Schwerter benutzt, noch japanisch spricht, noch sonst irgendetwas tut, was ihn als ein solchen qualifiziert – die Bad Guys in der Nähe vermutet, steigt er aus dem Auto aus, guckt um Ecken, hält endlose Sekunden lang inne und schlendert dann gemütlich zur Karre zurück, um einfach weiter zu fahren, weil die Gangster, nachdem sie ihn sahen, das selbe getan haben. Pure Energie. Das packt, da ist Hochspannung angesagt, zum Glück hat er Unterstützung aus der Luft.

Dort folgt Peggy im Helikopter – die heiße Schnalle vom Revier, die auf Joe’s Aufforderung hin am besten schon mal “ihre Pussy warm hält”, bis er Feierabend hat – und weist den zwei Hard-Boiled-Detectives den Weg, so dass der Höllenritt sein Finale in einem flammenden Inferno biblischen Ausmaßes finden kann. Was lernen wir? Man sollte niemals einen Transporter mit 30 km/h gegen eine Sandmauer setzen, denn das Resultat sind Explosionen und schwerste Verbrennungen von Kopf bis Fuß (auch wenn dem Stuntman nach der Explosion nur Arme und Torso brannten und er kurz vor Ende der Szene in einem CLOSE-UP (!) völlig unverbrannt gezeigt wird). Kontinuität? Fuck it!

Oder besser: “Fuck Joe”. Denn der kann sich anschließend im Krankenhaus kaum vor lüsternen Krankenschwestern retten, die ihn in einem Satz fragen, ob er sie hübsch findet, im nächsten “ob er sie ficken will”, aber im dritten dann abservieren, weil ihnen nach einem Griff in seinen Schritt auffällt, dass sein Schwanz zu kurz ist (was wiederum zu einem fast schon surreal schlechten Dialog und absolut grandiosen Gesichtsentgleisungen seitens Joe’s Partner Frank führt). Und das bei der Frisur, wie konnte sie da widerstehen?

Joe: “Why did you go under?”
Frank: “Cause I’m an undercover cop!”

Es wäre ein leichtes nun in einem mind. 5000 Worte umfassenden Lobgesang all die epischen Momente zu zitieren, die mich schallend losprusten ließen – von hochgradig erotischen Sexszenen könnte ich ebenso berichten, wie von faszinierenden Plastik-Perücken. Auch von schnauzbärtigen, mit rassistischen Klischees überladenen Japaner-Gangstern (deren Samurai-Gangs dennoch nur aus übergewichtigen Afroamerikanern bestehen), grotesken Enthauptungs- oder Arm-Amputations-Szenen, dümmlichen Wortspiel-Gags und allerlei weiteren Fails. Doch nichts davon könnte das Erlebte adäquat beschreiben – man muss es mit eigenen Augen sehen, um ungläubig einzugestehen, dass man dieses Werk nicht in Worte fassen kann.

Ein so elementares Scheitern auf sämtlichen filmischen Ebenen ist selten und in der eigenen Konsequenz beeindruckend. Allein technisch lässt SAMURAI COP absolut NICHTS aus. Wozu Kamera und Schnitt eigentlich dienen, bzw. wie man sie sinnvoll nutzt, hat Filmemacher Amir Shervan, Erschaffer diese Meisterwerks, anscheinend nie wirklich reflektiert – da stehen mitten in einer Kampfszene die Darsteller plötzlich in völlig anderer Umgebung, Schurken ballern wild, ohne das irgendwo Kugeln einschlagen und SAMURAI COP ist im Ganzen ein einziger Anschlussfehler: innerhalb ein und derselben Szene springen Kamerawinkel, Bildachsen und Aufnahmen in denen sich Echthaar und Perücke abwechseln, so wüst durcheinander, wie offensichtlich auch das Filmmaterial auf dem gedreht wurde. Letzteres mündet in komplett unterschiedlicher Farbgebung, Schärfe, Bildcharakteristik, etc.. Unfassbar. Dass die Schauspieler (auch im Originalton) fürchterlich gedubbt wurden, teilweise nicht mal mit den eigenen Stimmen – oder auch mal gar nicht, obwohl sie beim Dreh gerade ganz klar gesprochene Lines zum besten gaben – lasse ich mal unter den Tisch fallen. Es ist nicht untertrieben, zu behaupten SAMURAI COP mache inszenatorisch ALLES nur denkbare falsch. Herrlich.

Und das war nur die Form. Da ist auch noch der Inhalt und der hat es in sich. Das beste, was man über die Story des Films sagen kann, ist wahrscheinlich, dass man ungefähr verfolgen kann, worum es eigentlich geht – Cop soll Mafiabande fangen und hinter Schloss und Riegel bringen – etwas, dass für diese Sorte End-80er-DTV-Schinken nicht selbstverständlich ist. Da hört es dann aber auch auf. Dadurch, dass den Dialogen (und generell Performances der Darsteller) jeglicher Anflug von Schauspiel und Timing abgeht, wirkt SAMURAI COP fast durchweg, als sei er aus Outtakes zusammen geschustert. Es wird durch eine geschlossene Glastür “Freeze!” gebrüllt, diese dann aber nicht aufgekriegt, um den natürlich NICHT stillstehenden Gangster zu verfolgen, da wird im Kampf mal kurzeitig die Perücke herunter gerissen und wieder aufgesetzt, usw. usw. Take missglückt? Egal, wurde einfach alles so wie es ist in den Film genommen (und hebt sich dennoch nicht sonderlich vom restlichen Streifen ab).

Und glaubt mir: Alles, was Menschen in diesem Film tun, oder auch nur beiläufig sonst passiert, ist unfassbar. 2 Meter große Männer werden in (!) einem Essens-Rollwagen in ein Krankenhaus geschmuggelt, um dort, nach wörtlich zu nehmender Anweisung des Gangsterbosses Fooj Fujiyama (no shit, so heißt der – bester Name, ever), mit dem Samurai-Schwert Köpfe abzusägen – ja, zu sägen, nicht in einem schnellen Schlag abzutrennen – Joe und sein Love-Interest haben offensichtlich im Wal Mart bei der “2 für 1”-Unterwäsche-Rabattaktion zugeschlagen, tragen sie doch offensichtlich die selbe (sehr heiß!) und nonstop werden awkward Sprüche und Gags abgefeuert, die auf Penisse (vor allem deren Länge), oder Frank’s schwarze Hautfarbe, oder beides in Kombination abzielen. Dazu hat niemand der beteiligten, egal ob laut Skript Yakuza, Katana-Gangmember, oder Samurai, je ein Dojo von innen gesehen, sondern imitiert fleißig, was er in anderen C-Actionern gesehen hat. Gibt der Action, wenn nicht gerade kreischende Schergen auf dem Boden rum rollen und sich die falschen Stellen halten – weit abseits der aufgeplatzten Paintball-Kugeln, die hier Blut darstellen – die nötige Würze, vor allem wenn unser Held sein gottgegebenes Charisma ausspielen kann, das etwa dem eines bekifften Lamas in Trance gleicht.

Uff, es ebbt nicht ab. Allein an diesen Film zu denken, beschwört eine auf Entladung wartende Anspannung in der Lachmuskel-Region herauf – so geht Trash. Kein blöder SHARKNADO-Ansatz, der einem ins Gesicht schreit, wie “schlecht mit Anlauf” er sein will, sondern echte Kickermatten, echte unterirdische Dialoge, die so sind, weil man es nicht besser KONNTE (anstatt wie bei Asylum und co. lediglich nicht besser zu WOLLEN) und echte Knallchargen vor der Kamera. Wundervoll und ich garantiere, den Streifen werde ich noch einige Male sehen!


Wertung
mindestens 7-8 von 10 stumpfen Onelinern auf der Trash-Skala


Veröffentlichung
SAMURAI COP ist in Deutschland bei M.I.B. – Medienvertrieb in Buchholz als DVD in einer gekürzten FSK 16 Edition erschienen. Auf Amazon Video ist der Film zudem seit neustem in einer ungekürzten “Remastered Edition” (nur OV) zu sehen.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
Amazon (*) (falls ihr das Amazon-Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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5 Gedanken zu „Film: Samurai Cop (1991)“

  1. OK….geschaut!

    Fantastischer Scheiß, also genau mein Ding!
    Deinem Text ist nichts hinzuzufügen, der Film macht wirklich alles von Anfang an falsch.
    Hast du den selten dämlichen Score erwähnt? Egal…

    Ich habe vergessen ob du STORY OF RICKY kennst?
    Ich frage, weil du ja gesagt hast, dass du gerne mehr Trash sehen willst.
    Tamino-Wertung: 10 Punkte
    Gormenghast-Wertung: 11 Punkte (wegen der unglaublichen deutschen Synchro)

    Wenn du den nicht finden solltest leihe ich ihn dir aus, aber schau ihn, und vor allem: schreib mal ein paar Zeilen darüber.
    Wer Trash liebt heiratet RICKY!!!

    1. Geil. Super, dass der Tipp bei dir gezündet hat Kenne SOR noch nicht aber bin jetzt echt heiß und werde da bald mal bei gehen! Text kommt dann ganz sicher…

      1. Ich war mir noch nie sooooo sicher dass du den Film in den Trash-Olymp schreiben wirst wie jetzt.
        Stell Bier kalt, lad dir ein paar Freunde ein und HABT SPAAAAAAAAASSSS!!!

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