Film: Once Upon A Time In China – Huáng Fēihóng (1991)


Trailer © by Splendid


Fakten
Jahr: 1991
Genre: Eastern, Wuxia, Martial-Arts
Regie: Hark Tsui
Drehbuch: Hark TsuiLeung Yiu MingElsa TangYuen Gai Chi
Besetzung: Jet Li, Biao Yuen, Rosamund KwanJacky CheungKent ChengMa WuJonathan Isgar
Kamera: Arthur WongBill WongArdy LamDavid ChungWilson ChanTung-Chuen Chan
Musik: Romeo DíazJames Wong
Schnitt: Marco Mak


Review
Es tut sich etwas bei der Nutzung der GEZ-Gebühren: Am letzten Donnerstag war es möglich den Martial-Arts Klassiker ONCE UPON A TIME IN CHINA auf ARTE über Tonkanal 3 im Originalton mit optionalen Untertiteln zu gucken. Danke! Nichts ist schlimmer als asiatische Filme in synchronisierter Fassung schauen zu müssen – zum Einen, weil es aufgrund des kulturellen Charmes von Kulissen, Kostümen, etc. völlig unpassend wirkt, zum anderen weil die Qualität der Synchronfassungen früher HK-Filme meist mit deren Bekanntheitsgrad korreliert und demnach mehr als bescheiden ist. Ich hoffe dies wird bald (für alle fremdsprachigen Filme) zur Regel, schließlich stellt es technisch nicht das geringste Problem dar und würde einige Filmfreunde dazu bringen, öfter mal die Glotze im klassischen Sinne zu nutzen.

Nun zu Jet Li’s atemberaubender Akrobatik.
Wie es bei Filmen dieser Art in der Regel der Fall ist, ist die Motivation ONCE UPON A TIME IN CHINA zu schauen offensichtlich: Die Hoffnung auf beeindruckende Kampf-Sequenzen in tollen Wuxia-Kulissen, die evtl. mit einer netten Story als Beiwerk gewürzt wurden. Da die internationale Langfassung des Films mit über zwei Stunden zu Buche schlägt, scheint es kaum machbar diese Laufzeit ausschließlich mit wilden Kung-Fu Showdowns zu füllen und die Vermutung liegt nahe, dass die Story weit mehr Raum einnimmt als in vergleichbaren Werken. Dem ist so – Regisseur Tsui Hark siedelt den Film im späten 19. Jahrhundert an und lässt den (wie so oft eine reale historische Person abbildenden) Kung-Fu Meister Wong Fei-Hung mit seinen Schülern nach anfänglicher diplomatischer Zurückhaltung gegen die britische UND amerikanische Besatzung in China/Hongkong rebellieren.

Ein politisch-historischer Rahmen bildet das Gerüst, verstrickte Liebesgeschichten, wilde Konfrontationen mit rebellierenden Banden, die den Besatzern dienen und reichlich tollpatschiger Humor den konkreten Inhalt. Dabei teilt Hark nicht nur mit Hand und Fuß aus, denn ONCE UPON A TIME IN CHINA ist durchzogen von bissigen Seitenhieben auf den westlichen Imperialismus und das arrogant-gottgleiche Auftreten der Kolonialmächte. Die missionierende Kirche, die feinen Lords, sie kriegen alle ihr Fett weg – war der Film etwa deshalb in den USA um etwa eine halbe Stunde gekürzt in die Kinos gebracht worden? Zudem dient der gezeigte Konflikt immer wieder als Lieferant für umfassende Denkanstöße zum Thema “Tradition versus Moderne”. Die ein Leben lang gereifte Technik der Kung-Fu Meister prallt auf dumme, skrupellose Soldaten, welche stillos den Abzug ihrer Waffe ziehen und ihre Gegner über den Haufen schießen.

“Ihre Waffen werden immer stärker als unsere Fäuste sein”, heißt es – leider wahr und ein Satz, der dazu animiert über den Lauf der Zeit zu sinnieren. Die Kampfkünstler hält er dennoch nicht davon ab, es wenigstens zu versuchen: was der Film in diesen (häufigen) Kampfszenen für ein Feuerwerk der Körperlichkeit los lässt, ist schier unglaublich und eigentlich nicht in Worte zu fassen. Technik und Choreografien beeindrucken bis auf ein Level hinauf, das körperliche Erstarrung und stockenden Atem hervor ruft – nicht selten will das Hirn nicht glauben, was das Auge da gerade gesehen hat – und auch die Einbindung von Sets und Utensilien sprengen jegliche denkbare Grenze der Kreativität. Kämpfe voller Plateau-Wechsel auf wippenden Leitern, Regenschirme als Waffe, die Liste ist endlos und die Resultate rufen jubelnde Begeisterungs-Stürme hervor. Kleiner Auszug: Jet Li springt zwischen zwei Wänden in die Luft, hält sich im Spagat zwischen diesen, kämpft kurz in dieser Position und springt im Salto aus ihr heraus. Noch Fragen?

Zwar fällt die hohe Laufzeit trotz des Eckpunkt-reichen Plots ein wenig ins Gewicht, weil zwischenzeitlich etwas Leerlauf entsteht, aber auf den eigentlichen Aktionsebenen – Humor, Kung-Fu und humorvolles Kung-Fu – überzeugt ONCE UPON A TIME IN CHINA bis ins Letzte. Einzig warum er lange auf dem Index stand, ist (mal wieder) nicht im Entferntesten nachvollziehbar – ein Freundschaftsdienst an die gekränkten Amerikaner vielleicht?


Wertung
8 von 10 vollkommen abgedrehten Kampf-Aktionen


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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