© by Universum Film

Film: It’s All About Love (2002)


Titelbild & Trailer © by Universum Film


Fakten
Jahr: 2002
Genre: Science-Fiction, Surreal, Romanze
Regie: Thomas Vinterberg
Drehbuch: Mogens Rukov, Thomas Vinterberg
Besetzung: Joaquin Phoenix, Claire Danes, Sean Penn, Douglas Henshall, Alun Armstrong, Margo Martindale, Mark Strong
Kamera: Anthony Dod Mantle
Musik: Zbigniew Preisner
Schnitt: Valdís Óskarsdóttir


Review
Puh… Ich glaube das ist nun offiziell das erste Mal, dass es mir wirklich vollkommen egal ist, dass ein Film audiovisuell toll inszeniert wurde, weil die handwerkliche Qualität diesen völlig wirren, zusammenhangslosen, abseits jeglicher offensichtlichen, wie auch versteckten Dramturgie gedrehten Streifen wirklich nicht einen Hauch aufwertet. Kamera, Schnitt, Score – das ist alles sogar überdurchschnittlich gut, entfaltet aber schlichtweg keine Wirkung, da der selten abstruse Inhalt ein Schütteln in mir auslöst. Vielleicht soll das Werk spontan wirken, jedoch ist es vor allem eins: beliebig und sinnfrei.

Die Liebe ist ja so wichtig. IT’S ALL ABOUT LOVE aber weder romantisch, noch herzerwärmend. Die Welt ist ja so kalt geworden. IT’S ALL ABOUT LOVE aber weder eiskalt noch schockierend. Industrie- und Auswertungsmechanismen sind ja so böse. IT’S ALL ABOUT LOVE aber… na gut, den Punkt gestehe ich dem Film mit viel wohlwollen zu – auf einem minimalen Level wird hier (für sich genommen) richtige Kritik geübt, mit viel Phantasie zumindest.

Dieser Film fühlt sich an, als ob Thomas Vinterberg immer spontan die Ideen abdrehte, die ihm gerade so durch den Kopf gingen – und die wechselten scheinbar von Szene zu Szene, manchmal gar von Schnitt zu Schnitt. Kitschiger Bombast, von Chören getragen, gefolgt von klassischer Verfolgungs-Paranoia und bedrückendem Ambient-Gedröhne, mal fühlt sich der Film nach Science-Fiction-Dystopie, mal nach Verschwörungs-Thriller, mal nach Liebes-Ballade an – ohne diese Fragmente jedoch stimmig zu addieren. Alles völlig zusammenhangslos. Joaquin Phoenix, offenbar selbst von der Strukturlosigkeit des Projekts überfordert, schaut ratlos in die Kamera und Sean Penn wohnt im Flugzeug, während die armen Menschen in Ruanda ebenfalls fliegen, allerdings ohne Flugzeug. Vielleicht lässt sie ja der nächste Schnee im Juni wieder auf den Boden sinken? Prost Mahlzeit. Wenn in einem Film schon Szenen, die sowohl in sich, wie auch in Bezug aufeinander keinen Sinn machen aneinander gekittet werden, dann bitte mit Würde, mit Konsequenz und vor allem mit einer Vision dahinter. Gegen Stream-of-consciousness-Filme ist nichts zu sagen, im Gegenteil, wenn sie auf Bilder reduziert, oder in abstrahierter Weise am Ende ihren Kern vermittelt haben (am besten mit einer Intensität, die einem die Schuhe auszieht – man vergleiche David Lynch’s INLAND EMPIRE), anstatt schamlos Alibi-Bedeutung einzuflechten und doch nur leer zu sein.

Tote die an gebrochenem Herzen sterben und in den Straßen liegen, Schnee im Juli, ein Mensch, der wegen einer Überdosis Medizin gegen Flugangst nun nur noch fliegen kann – an abgefahrenen Ideen, die für sich soghar höchst spannend klingen, mangelt es IT’S ALL ABOUT LOVE nicht, nur bleibt es beim Stadium der kruden Idee und nichts fügt sich zu einem mitreißenden Konstrukt zusammen. Auch sichere Schauspielbanken wie Joaquin Phoenix und Sean Penn (sofern man letzteren hier, bei gefühlten 10 Sekunden Screentime, überhaupt als anwesend werten kann) können da nichts raus holen. Auch die, aus dem Kontext gerissen, ganz wunderbaren Aufnahmen des britischen Kameramanns Anthony Dod Mantle, oder der schöne elektronische Score wirken verloren.

Was Vinterberg hier sagen will, bzw. ob das überhaupt etwas ist, bleibt rein spekulativ. In einem Interview gab er z.B. folgendes von sich: “[…] Through my eyes, the world is my wife, and my two daughters wearing pink dresses and ice skates. […]”. Gemessen am Erfolg dieser Umsetzung, muss man sich fragen, ob es ihm dabei gut geht, seine Frau in Eis, Schnee und Kälte untergehen zu lassen, die pinken Kleider seiner zwei Töchter mit Kuhmist zu beschmieren und ihnen danach brutal die Eisplatten zu zerschmettern? Sauber Thomas, lief ja gut.

Beyond any sense. Mit DIE JAGT und DAS FEST ist der potentielle Zuschauer besser beraten, denn da zeigt(e) der dänische ex-Dogma ’95 Auteur, dass er intensive Geschichten erzählen kann – seine Stärke liegt in diesen Werken jedoch eindeutig auf Drehbuch-Seite. Dies hier ist so fern von einer packenden Geschichte, dass man böswillig behaupten könnte, es rangiert nah am völligem Schwachsinn – Schwachsinn, der auch trotz Glanzpolitur nicht klüger wird.


Wertung
2 von 10 wirren Handlungs-Fragmenten


Veröffentlichung
IT’S ALL ABOUT LOVE ist bei Universum Film als DVD erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Trailer, Interviews, Filmographien. Die Discs kommen im Wendecover ohne FSK Logo.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.