Film: Blast – Where The Buffalo Roam (1980)


Trailer © by MIG Filmgroup


Fakten
Jahr: 1980
Genre: Biopic, Komödie, Groteske
Regie: Art Linson
Drehbuch: John Kaye (basierend auf Texten von Hunter S. Thompson)
Besetzung: Peter Boyle, Bill Murray, Bruno Kirby, Rene Auberjonois, R.G. Armstrong, Rafael Campos, Lisa Taylor
Kamera: Tak Fujimoto
Musik: Neil Young
Schnitt: Christopher Greenbury


Review
Die filmischen “Denkmale” des Hunter S. Thompson suggerieren zwei Möglichkeiten: 1.) Johnny Depp hat intensiv dessen Verkörperung durch Bill Murray in WHERE THE BUFFALO ROAM studiert, verinnerlicht und in leicht intensivierter quasi-Kopie fast 20 Jahre später für FEAR & LOATHING IN LAS VEGAS abgespielt.

Oder, was wesentlich wahrscheinlicher ist, da Depp den verrückten Thompson persönlich kannte und dieser auch bei den Dreharbeiten zu diesem, 1980 gedrehten Film als “ausführender Berater” tätig war: 2.) Hunter S. Thompson war tatsächlich so vollkommen schräg, wie Murray ihn hier und Depp ihn Jahre später verkörpert haben. Hatte einfach diese abgehackte, seltsam den Naturgesetzen strotzende Art sich zu bewegen, war einer, der völlig aus der Art gefallen ist – “too weird to live, too rare to die”, auch wenn das eigentlich nicht über ihn, sondern über seinen Anwalt gesagt wurde.

Wie auch immer, fest steht, dass Bill Murray inmitten des großen Chaos namens Welt, einen verdammt genialen Auftritt als Journalist Thompson hinlegt. Wirklich gut. Auch wenn er noch nicht das vollkommen perfekte Timing seiner späteren Werke erreicht hat, überzeugt sein ironisches, abgedrehtes, manchmal impulsives Spiel von Anfang bis Ende. Das liegt auch daran was er tut – nämlich viel geisteskranken Unfug, der aus Thompsons autobiographischen Romanen entnommen ist – aber mindestens zu gleichen Teilen daran wie er es tut. Skurril wäre für die Meisten der Geschehnisse schamlos untertrieben.

Streng genommen bildet WHERE THE BUFFALO ROAM die vollständige Blaupause für Terry Gilliams, fast 20 Jahre später entstandenes Meisterwerk FEAR & LOATHING. Hier gibt es bereits alles, was man auch auf Depp und Del Toros Odyssee bewundern durfte – die Zitrusfrüchte, den dauerhaften Alkohol- und Drogenkonsum, die immerfort glühenden, oft zerbrochenen Kippen am Stil, völlig bizarr eingerichtete und umfunktionierte Hotelzimmer, die Schreibmaschine, die Fledermäuse, den Anwalt, den Exzess, den Wahnsinn… Und grade aufgrund dieser formellen Ähnlichkeit fällt auf, dass Terry Gilliam und Art Linson im direkten Vergleich auf inszenatorischer Ebene Welten trennen.

Auch wenn WHERE THE BUFFALO ROAM ganz großartige Momente vorweisen kann, die vor Situationskomik und Humor nur so strotzen, ist das Gesamtkonstrukt doch grob fahrlässig zusammengeschustert und will sich weder als einhetlicher, noch als Episodenfilm zu einem stimmigen Bild zusammenfügen. Dass Art Linson nach diesem Regiedebut nur noch einen einzigen weiteren Film inszeniert hat, wundert nicht wirklich. Thompson und sein Anwalt stolpern von einer bizarren Episode in die andere, dabei fehlt es völlig an einem roten Faden, der auch Abseits der Exzesse für Fluss und Fortschritt sorgt. Das meiste passiert irgendwie. Verlässt der Fokus mal kurzzeitig Bill Murray, fällt das schlampig errichtete Kartenhaus rasch in sich zusammen – starker Humor und Segmente von der Zähigkeit einer ausgelatschten Schuhsohle, stehen oft im direkten Wechsel.

Als sich dann in der letzten Minute der Kreis schließt und nochmal erwähnt wird, dass Thompson ja den ganzen Film über (eigentlich) die Geschichte seines Anwalts erzählt (bzw. in einer übergeordneten Rahmenhandlung an der Schreibmaschine geschrieben) hat, wird engültig klar dass Linson hier ein streckenweise witziger, aber nicht wirklich guter Film gelungen ist – da wäre wohl ohne diesen Hinweis niemand drauf gekommen. Murray Top, Film schwach – unterm Strich also (leider) nur ganz gut, aber für Murray-Fans trotzdem ein Muss.


Wertung
6 von 10 zerhackten Pampelmusen


Veröffentlichung
BLAST ist bei MIG Filmgroup als DVD erschienen.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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