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Film: A Tale Of Two Sisters – Janghwa Hongryeon (2003)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by 3L-Homevideo


Fakten
Jahr: 2003
Genre: Mystery, Horror, Drama
Regie: Kim Jee-woon
Drehbuch: Kim Jee-woon
Besetzung: Kim Kap-su, Yum Jung-ah, Lim Su-jeong, Moon Geun-young
Kamera: Lee Mo-gae
Musik: Lee Byung-woo
Schnitt: Lee Hyeon-mi


Review
Was ist da nur seit 15 Jahren in Südkorea los?

Dieses Land hat qualitativ einen filmischen Output, der den geneigten Fan aus den Latschen haut. Ob Bong Joon-ho, Park Chan-wook, oder in diesem Fall Kim Je-woon – die junge Garde an Regisseuren liefert ein breites Spektrum an Filmen, die meist eins gemeinsam haben:
Sie sind irre, sie sind (für das europäische Auge) angenehm anders und sie sind vor allem großartig.
Und trotz der insgesamt unschlagbar hohen Qualität des jungen koreanischen Kinos, Kim’s Psychohorror A TALE OF TWO SISTERS ist ein besonders intensives Exemplar!

Zwei Schwestern reisen mit ihrem Vater in ein abgelegenes Haus, dass von ihrer Stiefmutter bewohnt wird. Die leibliche Mutter ist verstorben, die Stiefmutter ein widerliches Biest und so sind schnell umfassende Spannungs- und Reibungsflächen vorhanden. Zum Leid der Töchter, denn ihr passiv-unfähiger Vater tut nichts, um ihre Situation zu verbessern. Und auch wenn dieses Übel bereits genug wäre, kommt es noch schlimmer: Seltsame Dinge passieren, die Realität wird rissig, der Horror beginnt.

Wie so oft ist hier das, was wir meinen zu sehen, nicht das, was es im Endeffekt ist. Die Mischung macht den Unterschied und was als (scheinbar) klarer Haunted-House-Horror beginnt, der stilistisch sowohl über den Teich nach Japan schielt, wie auch die klassische Suspense eines Alfred Hitchcocks würdigt, entwickelt sich zu einer einnehmenden Mixtur aus Horrorfilm, Familiendrama und Psychothriller. Ohne zu viel zu verraten, kann man behaupten dass A TALE OF TWO SISTERS einer der Filme ist, in denen sehr schnell nicht mehr klar ist, was Realität ist, was Vision und ob die eventuellen Hirngespinste einer Figur sich nicht doch nach und nach in der Realität manifestieren. Eine intensive Gratwanderung der Wahrnehmung, immer leicht diffus, daher umso faszinierender und fesselnd bis zur letzten Einstellung.

Aus der anfänglichen Familien-Prämisse entwickelt sich ein langsamer, quälender Mental-Schocker, in dem wirklich alles richtig gemacht wurde: Die unglaublich präzise Kameraarbeit von Lee Mo-gae fängt stille, wundervolle Bildkompositionen ein, das Schauspiel aller Beteiligten ist am besten mit nur einem Wort zu beschreiben – beeindruckend! – wobei besonders Yeom Jeong-ah als diabolische Stiefmutter und Im Su-jeong als verzweifelte große Schwester Su-mi eine Intensität erzeugen, die ihresgleichen sucht und das audiovisuelle Gesamtpaket aus bedrückendem, waberndem Score – oft eher Flächen und Soundscapes als wirkliche Musik – Timing und Atmosphäre ist schlichtweg perfekt.

Und doch ist es bei weitem nicht nur die Technik, die hier zu überzeugen weiß – im Gegenteil: in dieser kleinen Geschichte von einer gescheiterten Familie stimmen Handwerk und Inhalt. Nach und nach enthüllt Kim in seinem Autorenfilm (zusätzlich zur Regie stammt das Drehbuch ebenso aus seiner Feder) die wahren menschlichen Zusammenhänge und flechtet eine umfassende psychologische Komponente ein. In seinen Absolut-Aussagen bleibt diese jedoch vage und doppelbödig genug, um dem Gezeigten eine sinnvolle Verortung zu verpassen, ohne die sehr gelungene Mystik zu entzaubern.

In seinem Horror-Gefühl wirkt A TALE OF TWO SISTERS sehr klassisch: er ist langsam, er setzt auf subtile Elemente und bedient sich nur selten wirklicher Schock-Momente – wenn jedoch, dann sitzen diese auf den Punkt und ziehen einem die Socken aus. Aus der Sicht einer Mimose wie mir, ist dieser Film durchweg maximal creepy und schubst die Zuschauerpsyche zwischenzeitlich gefährlich nah in Richtung Atemnot und Herzstillstand.

Entfernt einen Faible für Korea-Kino, oder langsame Horror-Filmchen? Dann angucken, aber unbedingt!


Wertung
9 von 10 dunklen Familiengeheimnissen


Veröffentlichung
A TALE OF TWO SISTERS ist bei 3L Homevideo auf BluRay und DVD erschienen. Die reichlichen Extras der BluRay enthalten: Deutscher Trailer, Koreanischer Originaltrailer, Making of (dt. untertitelt / ca. 54 Min.), Interviews mit den Darstellern (dt. untertitelt / ca. 46 Min.), Der Film aus der Sicht eines Psychiaters (ca. 5 Min.), Regisseur Kim-Jee Woon zur Faszination des Horrorfilms (dt. untertitelt / ca. 16 Min.), Regisseur Kim-Jee Woon analysiert die Erzählstruktur seines Films (dt. untertitelt / ca. 10 Min.), Nicht verwendete Szenen mit Audiokommentar von Regisseur Kim Jee Woon (dt. untertitelt / ca. 28 Min.), Erinnerungen an die Dreharbeiten von Darstellerin Moon Geun-Young (dt. untertitelt / ca. 9 Min.), Erinnerungen an die Dreharbeiten von Darstellerin Im Soo-Jung (dt. untertitelt / ca. 5 Min.), Bildergalerie mit Artwork und Set-Fotos & Trailershow.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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