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Comic: Mike Mignola – Hellboy Vol. II – Wake The Devil (1995)

Titelbild & Bildausschnitte © by Dark Horse Comics


Nachdem mir der erste Band (mit dem ich damals ja sogar die Comic-Rubrik des Blogs eröffnete) echt gut gefiel, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich zu Mike Mignola’s nächstem schwarzhumorig-obskuren Comic greifen würde. Weiter geht es also nun mit HELLBOY. Ob VOL. II wohl mithalten kann?


Eckdaten
Story: Mike Mignola
Artwork: Mike Mignola
Genre: Fantasy, Okkult, Horror, Superheld
Label: Dark Horse Comics
Umfang: 146 Seiten
Gelesen: Englisch, Digital, März 2017



Plot
Die bereits bekannte Gruppe Nazi-Wissenschaftler um Ilsa Haupstein, Karl Ruprecht Kroenen und den Magier Rasputin der einst den Hellboy erschuf versucht in Rumänien einen mächtigen Vampir zurück zum Leben zu erwecken. Das Bureau of Paranormal Research and Defense riecht Lunte, erkundet die Gegend und trifft bei den ereignisreichen Untersuchungen noch auf einige weitere seltsame Zeitgenossen, die es aufzuhalten gilt.


Review
In seiner Wirkung und stilistisch dort anknüpfend, wo VOL. I aufhörte, liefert auch der zweite Band von HELLBOY wieder ein gelungenes Konglomerat der zuvor erarbeiteten Kernkompetenzen – ein knochentrockener, mürrischer Held mit deftiger Schlagkraft, obskure Nebenfiguren die zugleich als ernsthafte Antagonisten, sowie als augenzwinkernde Parodie ihrer Selbst fungieren und der bereits bekannte und beliebte schattenreiche Zeichenstil summieren sich zu einem runden Gesamtwerk auf.

Einen Fuß im Horror, den anderen im Actionfach, doch vor allem von Ohr zu Ohr ein breites sarkastisches Grinsen grinsend, wechselt Mignola wieder gekonnt zwischen nötigen Backstorys der Figuren und reichlich Krawall hin und her. So erfahren wir zum Beispiel wie der mächtige Magier einst im Vernichtungsrausch seine Schergen zu ewiger Loyalität rekrutierte und was seine eigentlichen Pläne sind – das verleiht der seltsamen Bande um ihn ein gewisses Profil. Sie sind nicht nur böse, weil sie böse sind, sondern vom festem Glauben an eine Sache getrieben. Ob das ihr Handeln besser macht? Fragwürdig. Aber ein Stückchen nachvollziehbarer durchaus. 

Den alten Hellboy interessiert das allerdings herzlich wenig – wer ihm auf seiner Suche nach dem, aus einer Ausstellung in New York gestohlenen Leichnam des Blutsauger-Lords in den Weg gerät hat zwei Möglichkeiten: Kooperation oder die Wucht der Donnerfaust. Spoiler der keiner ist: in der Regel läuft es auf letzteres hinaus. Immer wieder lässt Mignola es deftig krachen und reichert derartige Konfrontationen mit köstlichem Humor an. Wenn Hellboy diabolische “Evil Guy hält einen Dialog, wie er die Welt zerstören wird”-Reden lakonisch mit “You’re boring me to death” kommentiert und dann genüsslich draufhaut, oder die Schergen krudes Deutsch der beknacktesten Sorte in den Mund gelegt bekommen, mag manch einer das wohl nur platt finden, in meinen Augen bricht Mignola jedoch so gezielt und pointiert Genre-Tropen, dass mir diese Momente regelmäßig ein lautes Lachen entlockten.

Makellos ist das ganze natürlich nicht – zwischenzeitlich verrennt sich WAKE THE DEVIL regelmäßig in relativ ausufernder Keilerei und insgesamt weiß der Leser nach zwei Bänden mittlerweile mehr über die Antagonisten, als über den Jahrzehnte andauernden Werdegang des titelgebenden Heldens. Hier profitiert die Story aber vom eigenen Medium, denn Gedresche ist in Graphic Novels immer so gut, wie es eben gezeichnet ist (den Stil erwähnte ich bereits) und für Hintergründe, Entwicklungen einer Figur und tiefere Charakterisierung ist in fortlaufenden Serien auch später noch Platz. Oder eben in einer neuen bzw. einem Oneshot, die vielleicht sogar zu genau diesen Ziel geschrieben werden.

Außerdem definieren den Hellboy in WAKE THE DEVIL vor allem seine Handlungen – in einer enorm brenzligen Situation entscheidet er sich sogar gegen die eigene Bestimmung und setzt so ein Zwichen – worüber ganz beiläufig sein starker Charakter umrissen und ausgeformt wird.

Wem das nicht reicht, bleibt als Quell der Freude dann immer noch die überkochende Weirdness des Ganzen. Hexen, die seit Anbeginn der Zeit in einem Knusperhäuschen auf der Spitze eines überdimensionierten Hühnchen-Schenkels leben, abgetrennte Köpfe, die in einer Käseglocke nach Jahrzehnten wieder zum Leben erweckt werden, alte Chinesen, die auf eine Beschwörung hin mit antiken Folterwerkzeugen im Gepäck aus dem Boden klettern – Mignola’s Ideen strotzen vor irrsinniger Kreativität und einer diebischen Freude am Grotesken, am Obskuren, am Wahnsinn.

Insgesamt hat VOL. I im Vergleich zwar noch die Nase vorn, aber WAKE THE DEVIL konnte mir mit seiner düsteren eigenen Welt und den schrägen Figuren eine ganze Menge geben.


Mehr HELLBOY auf Jacker’s 2 Cents…


Weblinks
DARK HORSE
COMICBOOK DB
COMIXOLOGY
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