Kurz-Review Round-Up: November 2015 (Ouija, Spongebob Schwammkopf 3D, Lucy)

Wie so oft zeigt sich: Im November habe ich viel und lang geschrieben. Über Filme die gut waren. Der Mist fiel eher hinten runter. Nun hab ich mich aber doch noch zusammen gerafft, um euch zwei filmische Warnungen (und eine warme Empfehlung) auszusprechen. Warum Spongebob nicht in 90 Minuten funktioniert, wo genau im Horror schlecht zu unterirdisch wird und warum Luc Besson endlich mal wieder einen guten Film gedreht hat – hier bekommt ihr einen kurzen Eindruck.



Trailer © by Universal Pictures Germany


Ouija (Stiles White, B-Movie, USA, 2015)

Review
Puh, das nenne ich einen absoluten filmischen Totalausfall!

Jugendliche beschwören Geist, Geist kommt und metzelt rum – das ist OUIJA und leider nicht mehr, als ein geradezu erbärmlich unkreativer Horrorstreifen vom Fließband. Ein leeres Werk, frei von (auch nur annähernd) interessanten Ideen, inszeniert ohne jegliches Gespür für Tempo und von Suspense scheinen sämtliche Beteiligten noch nie etwas gehört zu haben. Das ganze ist weder mitreißend, noch spannend, sondern vor allem eins: laut und nervig. Übertriebene Bass-Einschläge bilden die Untermalung der billigen Jump-Scares und diese gehen in der Anzahl (sehr) weit in den zweistelligen Bereich – etwas anderes scheint dem Produktions-Team nicht eingefallen zu sein. Völlig plump, aber erschreckend ist daran nur die Unfähigkeit der Darsteller, welche emotional schlicht gar nichts vermitteln, demnach also entweder maximal untalentiert oder sich selbst der Qualität dieser Produktion bewusst sind.

Gemessen daran, dass man sich bei Themen wie Geistern und Kommunikation mit dem Jenseits quasi endlos in kreativen Einfällen austoben könnte, gestaltet sich OUIJA einfach nur fürchterlich lahm und generisch. Geschminkte Figuren die mit Lärm unterlegt in die Kamera zu schreien, geben sich mit belanglosen, jugendfreien Arten ins Gras zu beißen die Klinke in die Hand. Das soll gruseln? Es ist höchstens zum gruseln, dass derartiger Hirnschwund es sogar in die deutschen Kinos geschafft hat, während Meisterwerke wie UNDER THE SKIN oder sher gute Filme wie SPRING direkt ins Heimkino wanderten. Ganz mies. Dass der Kameramann gelegentlich scheinbar sein eigenes Ding durchzog, was in 2-3 Einstellungen endet, die ansatzweise als atmosphärisch zu bezeichnen sind, kann als einziger Lichtblick betrachtet werden. Ansonsten: Finger Weg, absoluter Müll.

Wertung
1 von 10 unkreativen Geisterbahnfahrten

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Trailer © by Paramount Home Entertainment


Spongebob Schwammkopf 3D – Schwamm aus dem Wasser (Paul Tibbitt & Mike Mitchell, Animationsfilm, USA, 2015)

Review
So sehr ich den durchgeknallten Schwamm in Serienform lieb(t)e – auf 90 Minuten funktioniert das einfach nicht, erst recht, wenn der Geist der alten Serie (konkret: etwa Season 1-3) kaum noch durchscheint und abgedrehter Wahnsinn zum Selbstzweck verkommt.

Zwar hat der neue Film, dessen Story um Verlust und Wiederbeschaffung der Krabbenburger-Zubereitungs-Formel kreist, mit dem Eindringen in Sponge’s Hirn eine der vielleicht irrsten Sequenzen der löchrig-gelben Geschichte erschaffen, auch das wirre Zeitreise-Geschwurbel, wie auch Sponge und Patrick’s „Weltreise“ während eines Zuckerwatte-Flashs reichen (mal wieder) gefühlt an einen LSD-Trip ran und wenn man über Film-Referenzen von Western-Klassikern, über MAD MAX, bis IRON-MAN Strichliste führen würde, wäre ein Din A4 Zettel voll. Aber trotzdem hat SPONGE OUT OF WATER mich über weite Strecken (und speziell in den letzten dreißig Minuten) nur noch angeödet.

Warum: 1) Rauschüberflutung. Im 10 Minuten Serien-Format passte das immer, doch auf 90 läuft mein alterndes Hirn ca. 100 fach über. Too much Input unter allen Belangen – Kind sein, oder Drogen nehmen, anders kann man das nicht gucken. Der wichtigere Punkt ist 2). Wenn in SPONGEBOB eines schon immer störte, sind es die unnützen Realfim-Sequenzen mit Patchy dem Piraten. Patchy ist nun zwar zum x-beliebigen Piraten geworden und wird von Antonio Banderas gespielt, es hilft aber nichts – wie immer ist jede Realfilm-Sekunde unterirdisch, nervig, verschenkt. Nur: von denen gibt es eine ganze Menge – Banderas eröffnet den Film, führt durch den Film und fast die komplette zweite Hälfte klettern Sponge, Sandy, Mr. Crabbs und co. aus dem Meer, um sich in völlig überzogener „Action“ nach Superhelden-Vorbild ein Gefecht mit dem motorisierten Piratenschiff des werten Herrn zu liefern. Zu viel, zu hässlich, zu blöde. Die ersten 30 Minuten sind wirklich exzellentes Spongebob-Material, dann beginnt sich der „Plot“ langsam stark zu ziehen, dann folgt bald der Realfilm-Totalausfall. Leider sehr, sehr schwach.

Wertung
3 von 10 schlechten Realfilm-Sequenzen

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Trailer © by Universal Pictures Germany


Lucy (Luc Besson, B-Movie, Frankreich/USA, 2014)

Review
Dass LUCY das Potential in sich trug, eine gesunde Dosis unterhaltsamer Quatsch zu werden, ließ sich vermuten. Dass Luc Besson, dessen Name in den letzten Jahren leider nicht gerade für gelungene Produktionen stand (Achtung, FROM PARIS WITH LOVE erzeugt Kotzgefahr), nun allerdings so derart effektiv auf die Kacke hauen sollte, stellt jegliche Hoffnung in den Schatten. Der alte Action-Meister, welcher auch das Skript verfasste, schlachtet den ewig alten urbanen Mythos des nur partiell ausgenutzten menschlichen Hirns aus, verpasst der armen Lucy (perfekt Scarlett Johannson verkörpert) eine Überdosis Superdrogen, welche in einem stetigen Anstieg ihrer effektiv genutzten Hirnkapazität (und der damit korrelierenden Trnsformation zum Übermenschen) resultiert und lässt sie, bevor ihre Fähigkeiten Raum und Zeit zu sprengen drohen, zumindest noch mit den verantwortlichen südkoreanischen Mafioso-Gangstern abrechnen.

Das Resultat ist sich bis ins letzte des eigenen Irrsinns bewusst und tut das einzig richtige: es zelebriert diesen, anstatt ihn zu verleugnen. Wo andere das Abstruse fürchten und abwehrend den Riegel vor schieben, legt LUCY Schippe um Schippe drauf, auf dass die Absurditäts-Regler auch ganz sicher die Skala sprengen. Dank eines angenehmen inszenatorischen Selbstverständnisses, der flackernd-zackigen Inszenierung und den kompetenten Action-Szenen macht das einfach nur Spaß, Spaß, und noch mehr Spaß. Wie stark ein solider B-Streifen zudem durch die Fähigkeiten überdurchschnittlicher Darsteller aufgewertet wird, beweißt Johannson eindrucksvoll – von ihrem ersten, höchst brutalen und dank ihrer Leinwandpräsenz emotional aufrüttelnden Kontakt zur Drogen-Mafia, bis zur späteren kühlen Analyse der Gesamt-Situation, gibt Scarlett schauspielerisch den Ton und gewissermaßen auch den Takt des Films vor. 10%. 20%. 50%. Zu irre was hier gerade passiert? Dann wartet mal die 80% ab! In seiner Level-Struktur ist LUCY strukturelles Malen nach Zahlen, nur ohne das konkrete Ziel-Motiv allzu früh vor Augen zu haben – nicht dass es überhaupt eine Rolle spielen würde. Wo es hin geht, ist reichlich egal, denn Besson’s Vollgas-B-Movie ist Kino für den Moment, verzichtet dankend auf doppelte Böden oder tieferen Sinn und hebt sich so angenehm stark vom immerfort tiefere Psychologie vorgaukelnden Unterhaltungskino der Neuzeit ab. Ein paar verspielte Animationen, eine (wortwörtlich) starke Hauptfigur und reichlich durchschlagender Punch – mehr will LUCY nicht liefern, mehr braucht LUCY nicht liefern. Erfrischend.

Wertung
7 von 10 aktivierten Hirn-Segmenten

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