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Comic: Anthony Johnston – Wasteland, Vol. I – Cities In Dust (2007)

Titelbild & Bildausschnitte © by Oni Press


Es geht mal wieder in die Wüste. Als Freund von Endzeit- und Post-Apokalypse-Filmen habe ich nun erstmalig ein Comic aus dem Genre gelesen, der die klassische Ödland-Wüste als Schauplatz wählt und war gespannt, was in diesem Medium aus dem Stoff herauszuholen ist. Hatte Schwächen, hatte Stärken, und ich bleibe am Ball – aber lest mehr im Review…


Wasteland Vol. I – Cities In Dust (ComicbookDB) – StoryAntony Johnston, ArtworkChristopher Mitten, ColoristChristopher Mitten, Genre: Endzeit, Dystopie, Label: Oni Press, 2006, Umfang: 188 Seiten, Gelesen: Januar-Februar 2016, Digital, Englisch



Plot
Ein geheimnisvoller Unbekannter zieht durch das Ödland. In einer kleinen Siedlung hilft er den dortigen Sheriffs im Kampf gegen mutierte Wahnsinnige („Sunners“ genannt) aus der Wüste, doch ihre Bemühungen sind zwecklos, das Dorf brennt ab und sie müssen sich auf eine ausweglos erscheinende Reise iim die sechs Tagesmarsche entfernte nächste Stadt begeben. Ob dort jedoch Sicherheit auf sie wartet, ist fragwürdig – konspirative Kräfte streben einen religiösen Umsturz an… 


Review
Schenkt man den überschwänglichen Presse-Auszügen auf Cover, etc. Glauben, muss es sich bei WASTELAND VOL. I regelrecht um eine Revolution auf dem Sektor der Endzeit-Comics gehandelt haben. Begeistert werden World-Building, Erzählstruktur und Mythologie gelobt, die Serie als Sucht-erzeugend dargestellt und selbst gestandene Autoren wie Jeff Vandermeer geben ihr kurzes feierndes Statement ab. Doch was nützen alle Lorbeeren der Welt, wenn man beim Lesen weit weniger fühlt, als sie suggerierten?

Denn obwohl Autor Anthony Johnston in den Feinheiten der sechs Hefte dieses Bandes eine Fülle an kleinen, facettenreichen Details ausarbeitet, welche ganz implizit zur Formung einer vielschichtigen Welt beitragen – religiöse Kulte, seltsame Wüsten-Völker, Ereignisse aus der Vergangenheit, welche ehrfurchtsvoll referenziert und von den Menschen als Mahnmal angesehen werden – fehlte mir inhaltlich ein Link, um mit echter Begeisterung am Ball zu bleiben. Das World-Building ist top, lange fehlte mir aber ein wirkliches Gefühl für die Figuren, ich konnte sie teilweise auch nach mehreren Kapiteln noch nicht korrekt auseinander halten, warf gedanklich die verschiedenen Kulte und Stämme der gleißenden Wüstenwelt durcheinander und vermisste inmitten des Flusses aus hyperbrutaler Action und atmosphärischen Bildern einen erzählerischen roten Faden. Kurz: Das Drama lies mich relativ unbeteiligt zurück.

An anderer Front liegen jedoch echte Qualitäten – was erzählerisch an Defiziten vorliegt, macht Artist Christopher Mitten formell wieder wett. Visuell kratzt CITIES IN DUST an der Brillanz, der nuanciert schattierte schwarz/weiß-Zeichen-Stil sorgt durchweg für eine dichte, intensive Stimmung – man spürt förmlich die brütende Hitze auf den eigenen Schultern, schmeckt den Staub auf der Zunge. So wenig sich zunächst noch die Figuren erschließen, so sehr herrscht doch ein Gefühl für diese Ruinen der Zivilisation und die brisanten Zustände in ihnen vor.

Mitten gelingt des zudem, seine Panels nicht bloß als schlichte Abbildungen von Figuren oder Ereignissen darzustellen, sondern tatsächlich als tiefe, dreidimensionale Räume zu begreifen. Er spielt mit Tiefenschärfe, was WASTELAND eine sehr cineastische Note verleiht, erlaubt uns oftmals weite Blicke in die endlose Gleichförmigkeit der Sand-Dünen und gibt darüber dem Szenario Raum, seine wuchtige Wirkung zu entfalten.

Und die hat es in sich. Gefahr und Gewalt lauern an jeder Ecke, das Risiko zu verdursten sowieso und auf der Reise begegnen die Protagonisten zahlreichen absonderlichen Menschen und Situationen, die das Potential zu weiterer Ausführung, bzw. dem erzählen ihrer Geschichten in zukünftigen Bänden in sich tragen.

Eine Sklavenhändler-Karavane in überdimensionierten Wohnwagen, die religiösen Fanatiker in der Stadt „Newbegin“, deren Putsch zu ausbeuterischer Sklavenhaltung und diktatorischen Zuständen führen könnte, oder degenerierte Höhlenmenschen die auf der Durchreise am Wegesrand von Geisterstädten lauern, um arme verdurstende Pilgerer zu verspeisen – diese und zig mehr Ausformungen der WASTELAND-Welt sind es, die mich trotz fehlenden Soges der Geschichte bald dennoch beherzt-optimistisch zu VOL. II greifen lassen werden. Hier wartet zu viel darauf entdeckt zu werden.


Weblinks
Oni Press
COMIXOLOGY
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