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Lektionen in Zeitverschwendung #8: Ein Hauptgewinn für Papa (2006)

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Jeder sieht schlechte Filme, das liegt in der Natur der Sache. Der natürliche Auswahlprozess hilft jedoch in der Regel dabei, sie so gut wie möglich zu umschiffen. Doch wie ist es mit Werken, die mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die Kategorie „Schund“ fallen? Manchmal siegt die Neugier – nach dem Sichten bleibt dann meist die ernüchternde Erkenntnis, dass es besser gewesen wäre auf die innere Stimme zu hören. Lektionen, die man lernen muss. Es besser zu wissen, aber trotzdem zu tun – das ist Zeitverschwendung. In dieser Rubrik berichte ich von meinen traurigen Versuchen ein Terrain zu beackern, das sich eigentlich schon beim ersten Blick als unfruchtbar heraus stellte – von meinen „Lektionen in Zeitverschwendung“. Eine Auflistung aller gelernten Lektionen findet ihr in der Kategorie des Blogs und kompakter auf dieser Übersichtsseite.


Fakten
Jahr: 2006
Genre: Liebeskomödie, Un-Film, Volksverdummung
Regie: Bodo Fürneisen
Drehbuch: Stefan Rogall
Besetzung: Heio von Stetten, Dana Vávrová, Anica Dobra
Kamera: Sebastian Richter
Musik: Tamás Kahanem, Rainer Böhm
Schnitt: Unbekannt


Review
Nun, wo ich den jahrelangen (nutzlosen) Widerstand aufgegeben und mich resignierend in die Fänge der Gebührenzahlung begeben habe, wollte ich mir auch mal ein Bild machen, wofür “meine hart verdienten Euros” (haha) eigentlich ausgegeben werden. Deswegen ist dieses Wochenende keine meiner, ebenfalls von “hart verdienten Euros” (allerdings freiwillig) erworbenen, BluRay-Discs oder Netflix-Streams über den Schirm geflimmert, sondern ich habe mich voll und ganz der federleichten, Schlaf-fördernden Berieselung von öffentlich rechtlicher Seite hingegeben.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass man der Auswahl des potentiellen Meisterwerks EIN HAUPTGEWINN FÜR PAPA wahrscheinlich schon Böswilligkeit unterstellen kann. Ich höre euch schon: “Der will doch stänkern!”. Doch ganz ehrlich: ich wollte es wissen. Ich wollte die volle Dosis Treppenlift und Mainzelmännchen.

Das Resultat war höchst interessant, ungeahnt intensiv und geradezu horizonterweiternd!

Ich habe zwar schon viel Belanglosigkeit in der internationalen Medienlandschaft erlebt, aber dies war ungeschlagen die Krönung. Es ist nicht möglich sich darüber klar zu werden, für wen (wenn überhaupt) so ein “Film” sein soll? Die einzig denkbare Lösung auf dieses schier unlösbare Paradoxon des Fernsehfilms muss lauten: Für den Aufenthaltsraum im Altersheim. Für ein Publikum, dem auch nur beim geringsten Anzeichen von Involviertheit Blutdruck, Herzschlag, oder beides durch die Decke gehen. Das geschont werden muss und daher nicht mehr, als sanft vor sich hin plätschernde Farben vorgesetzt bekommt.

Dieser Film kann nur als (minimal) besserer Ersatz für ein Störbild produziert worden sein, damit auf es zur geplanten Zeit auf dem jeweiligen Sendeplatz nicht so karg aussieht. Allerdings (und das macht Sinn bei der alternativen Störbild-Produktion) unter der Vorgabe, dass der Elan aller Beteiligten, den nicht übertreffen darf, welcher durch das Anschauen eines Störbildes hervor gerufen wird. Damit das Gleichgewicht bewahrt wird. Wo kämen wir denn da auch hin, wenn ein Störbild plötzlich Geschichten erzählen will? Oder Emotionen vermittelt? Oder auch nur seicht unterhält?

Im Ernst, gegen diesen “Film” sind Rosamunde Pilcher “Filme” wahrscheinlich tief tragische Charakterdramen und der TATORT jede Woche wieder ein deutscher HEAT. Ich habe noch nie etwas belangloseres gesehen und kann mir bei aller Grenzen sprengenden Vorstellungskraft des Träumers nicht vorstellen, dass es in dieser (oder jeder anderen erdenklichen) Realität, Welt, oder Dimension etwas derartiges gibt. Heidewitzka…


Wertung
0 von 10 angesprochenen Lachmuskeln oder Herzen


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
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4 Gedanken zu „Lektionen in Zeitverschwendung #8: Ein Hauptgewinn für Papa (2006)“

  1. Vielleicht sollte man nicht allzu große Ansprüche an das deutsche TV stellen – es ist bestimmt nicht so einfach für 7 Milliarden Raubrittergebühren pro Jahr ein paar ordentliche Produktionen zu wuppen. Da muss eben oft Schmalhans Küchenmeister sein.

    Ein wütender Tamino wäre mal wieder prima; Second Unit schaut im Moment zu viele gute Filme, da kommt er zu selten in Rage:)

    Ob ich eine erneute Sichtung von Vronis Machwerk vertrage?
    Da konsultiere ich lieber vorher meinen Hausarzt in punkto Blutdruck und Nervenstärke.
    Aber du bringst mich auf eine Idee. Man sollte den an S/M-Studios verkaufen und bei den Kunden den Alex aus CLOCKWORK ORANGE machen. Da wird garantiert kein Auge trocken bleiben.

    Ah Supi,
    du kennst KEHRAUS.
    Dein Fundus ist einfach zu groß, da muss ich mich Step by Step durchwühlen.
    Das ist doch irgendwie, ne?
    Vielleicht wäre eine Liste aller besprochenen Sachen hilfreich, aber ist wohl eine Schweinearbeit

  2. Willkommen in der wunderbaren Welt der deutschen TV-Produktionen!

    Du denkst das ist der Tiefpunkt?
    Das denkst du wirklich?
    Ich habe das Meisterwerk nicht gesehen, aber die Screenshots sagen ja schon alles. Der Kram ist wohl langweilig, nichtssagend, etc.
    Aber das sind 99 % aller deutschen TV-Verbrechen, ich kann sie wirklich nicht mehr ertragen. Immer die gleichen Schausteller, immer die gleichen öden Themem, langweilige Kamera, langweiliges Gedudel als Musik…zum Knochenkotzen.

    Aber dieser Streifen ist wahrscheinlich nur blöd, öd und belanglos.

    Check wirklich mal DIE STAATSAFFÄRE mit der Ganovenbraut Veronika Ferres; aber nur wenn du ein Zweitgerät hast, das du nicht mehr brauchst, denn du wirst versucht sein in die Mattscheibe zu treten.
    So eine Volksverblödung habe ich noch nie sehen müssen, das ist schon eine Vergewaltigung aller Sinne, ein Gehirnwaschversuch der dämlichsten Art.
    Ich wünschte wirklich Tamino, du und ich würden den Scheissdreck gemeinsam schauen, und immer abwechselnd in die Glotze treten, spucken, oder Gegenstände schmeissen…

    Mir ist übrigens nach echt langem Nachdenken ein cooler deutscher Film eingefallen, der keinen Bezug zur deutschen Geschichte hat, (auch schon traurig genug, die Deutschen könnens eben nicht):

    KEHRAUS mit Gerhard Polt von 1983.

    Diese bitterböse Realsatire kennen leider nur wenige Leute, und ich bezweifle das der Film nochmal in deutschen TV läuft; entweder fehlen den Programmgestaltern die Eier, weil er die Wirklichkeit abbildet, oder er versauert im Giftschrank, und kein Praktikant hat den mehr auf dem Schirm.
    Der einzige andere Mensch der den kennt ist lustigerweise Podcaster Bernd Begemann, das wandelnde Filmlexikon, und er sagte mir genau die richtigen Worte dazu: “KEHRAUS ist Deutschland!”

    In diesem Sinne, schau trau wem…aber wenn du Bock hast,

    ich gebe 10 von 10 aufgeschwatzten Versicherungspolicen

    1. Hehe, natürlich wird das sicher nicht der schlechteste von allen sein, keine Frage, was diesen Film so erbärmlich macht, ist dass zusätzlich zu jeglicher Qualität eben auch jegliche Ambition fehlt. Niemand hatte hier irgend ein Ziel, dieser Film wurde gemacht, damit irgendwelche bewegten Bilder über dem Schirm flimmern. Die Alternative zur Wiederholung des vorherigen belanglosen TV-Films. Ekelhaft.

      STAATSAFFÄRE also.. Den hattest du ja so schön ironisch bei Second Unit vorgeschlagen, wenn ich mich nicht irre. Irgendwie appellierst du ja mit der Beschreibung an meine masoschistische Ader. Aber wenn, dann nur mit René (und dir und Tamino am besten als Gast) für nen Podcast, wo wir nen Live-Kommentar zum Film aufnehmen.

      Zum Glück bin ich einer der Menschen, die KEHRAUS kennen (hab ich auch schon mal eine Review zu geschrieben. Ganz großes Ding (ich war zwar nur bei 8/10, aber das heißt ja auch schon was!)..

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