Film: Leben und sterben in L.A. (1985)


Trailer © by 20th Century Fox


Fakten
Jahr: 1985
Genre: Thriller, Neo-Noir, Gangsterfilm
Regie: William Friedkin
Drehbuch: William FriedkinGerald Petievich
Besetzung: William Petersen, Willem Dafoe, John PankowDebra FeuerJohn TurturroDarlanne FluegelDean StockwellSteve JamesRobert Downey Sr.Michael GreeneChristopher Allport
Kamera: Robby Müller
Musik: Wang Chung
Schnitt: M. Scott Smith


Review
Wenn William Friedkin eines liegt, dann die Umsetzung von rasanter Bewegung. Egal ob er seine Protagonisten unter vollem Körpereinsatz, quer über Gepäckbänder und Sitzbänke durch einen völlig überfüllten Flughafen sprinten lässt, zur Rush-Hour das Gaspedal auf den Straßen von Los Angeles auf Anschlag durchtritt und die zwei FBI-Agenten sogar als Geisterfahrer auf rappelvolle Highways loslässt, oder fußläufige Verfolgungsjagden durch ganze Stadtviertel inszeniert – die Action sitzt und ist definitiv das Highlight aus TO LIVE AND DIE IN L.A. – verdammt schnell, knackig-explosiv und wirklich gut fotografiert.

Weniger Highlight ist im Kontext gesehen leider die oftmals demonstrative Klischee-80er-Ästhetik, speziell der Soundtrack. Für sich genommen, liegt mit der Musik von Wang Chung großartige Qualität vor. Wirklich feinster 80er-Synthiepop – quietschig, pornös und in jeder Note Zeichen seiner Zeit. Doch wirkt eben diese Form der Musik hier unangenehm deplatziert, weil sie sich weder natürlich einfügt, noch sinnvoll aus den gezeigten Szenarien heraus legitimiert ist. Synthesizer geben sich in Friedkin’s 1985er Werk ein fröhliches Stelldichein mit klassisch-orchestraler Untermalung und TO LIVE AND DIE IN L.A. ist immer (bzw. leider nur) dann packend, spannend, intensiv und atmosphärisch dicht, wenn der etwas düstere, bedrückende Streicher-Score die Geschehnisse untermalt. Doch das ist nicht von Dauer: aus dem nichts ertönt der nächste, frisch aus dem Step-Sequencer entflohene Synthie-Angriff und wirft den Zuschauer (bzw. mich zumindest) mit einem weit ausgeholten Tritt in den Allerwertesten aus dem atmosphärischen Fluss hinaus. Um in dieser Hinsicht stimmig zu wirken, bringt der Film akustisch zu sehr die Synthie-Peitsche, ihm fehlt jedoch fast völlig das visuelle Äquivalent dazu: Eine ordentliche Schippe Neon-Ästhetik. Wenn, dann richtig – hier herrscht eine ungewollte Diskrepanz vor, die keine gesunde Mitte findet – der Film sieht weit klassischer aus, als er klingt. 

Doch ab und an sind sie da, diese Momente die dem abgrundtief böse aufspielenden Willem Dafoe gerecht werden, die einen Nährboden für die zwielichtig-unmoralische Geschichte liefern, in der die Grenzen zwischen Bewahrung und Bruch des Gesetzes zur vage verschwommenen Auslegungssache verkommen. Moralische Fragen stellt Friedkin hier immer wieder – heiligt der Zweck die Mittel in jedem Fall? Darf das Gesetz überschritten werden um Gesetzesbrecher endlich festnageln zu können? Da liegt reichlich Potential, es wird jedoch zu selten ausgespielt. Am Beispiel der Figuren wird das besonders deutlich: FBI-Agent Richard wagt sich immer wieder ein paar Schritte über die Grenze zur mehrdimensionalen Figur hinaus, immer wieder flackern kurze menschliche Momente auf – das Skript tut jedoch alles erdenkliche um ihn zurück auf den Level eines eindimensionalen Action-Buttkickers zu bremsen.

Richard Chance: “No arrest, no money.
Ruth Lanier: “It’s my fault he’s dead? It took me six months to get next to him. I got expenses, you know.
Richard Chance: “Guess what? Uncle Sam don’t give a shit about your expenses. You want bread, fuck a baker.

Zitate wie dieses zeigen es deutlich: Zeitweise rangiert Friedkin sein Vehikel auf einem nahezu trashigen B-Movie-Level – das ist nicht per se schlecht, hier jedoch ungewollt komisch und ich werde das Gefühl nicht los, dass TO LIVE AND DIE IN L.A., auch aufgrund der brillanten Besetzung, so viel mehr sein könnte, sich aber in dieser Form immer wieder bewusst ausbremst. Friedkin, der auch am Drehbuch schrieb, will den Hard-Boiled-Detective um jeden Preis und immer wenn sich das nicht natürlich, sondern künstlich erzwungen anfühlt, gibt es einfach ein paar Oneliner auf Bodensatz-Niveau mehr.

Fast ein Film, der (bewusst?) versucht, platter zu sein als er es hätte sein müssen. Ein Sammelsurium seltsamer kreativer Entscheidungen und irgendwie schade drum.


Wertung
6 von 10 etwas zu platten Onelinern


Veröffentlichung
LEBEN UND STERBEN IN L.A. ist bei 20th Century Fox als BluRay und DVD erschienen.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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