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Film: Dobermann (1997)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Capelight Pictures


Fakten
Jahr: 1997
Genre: Action, Groteske, Gangsterfilm, Gewaltorgie
Regie: Jan Kounen
Drehbuch: Joël Houssin
Besetzung: Vincent Cassel, Tchéky Karyo, Monica Bellucci, Antoine Basler, Dominique Bettenfeld, Pascal Demolon, Romain Duris, François Levantal, Florence Thomassin, Marc Duret, Gaspar Noé
Kamera: Michel Amathieu
Musik: Schyzomaniac
Schnitt: Bénédicte Brunet, Eric Carlier


Review
Vor 13 Jahren hatte ein Kumpel DOBERMANN auf VHS und wir haben den mehrfach – mal als wirkliches Highlight des Filmabends, mal einfach nebenbei – laufen lassen und tierisch drauf abgefeiert. Man, was fand ich diesen vermeintlich so frech-provokanten Streifen cool.

Und da er nun sogar als BD-Release das Licht der Welt erblickt hat, wurde es dringend Zeit ein wenig Nostalgie herauf zu beschwören und DOBERMANN einen neuen Durchlauf, diesmal in, verglichen mit den good old VHS-Days, geradezu utopisch guter Qualität zu spendieren. Irgendwie hatte ich es im Urin, dass dies einer der Filme sein könnte, die man alsJjugendlicher unfassbar cool fand, nach Jahren aber eigentlich nur noch durch die Nostalgie-Brille schauen kann. Ich sollte Recht behalten, denn das Resultat des erneuten Schauens wirkte noch nicht wirklich herb enttäuschend, aber schon recht ernüchternd, denn irgendetwas fehlt mir in diesem wilden Film völlig. Was genau es ist, kann ich schwer verorten. Ein Statement wahrscheinlich, denn das sehe ich hier beim besten Willen nicht drin.

DOBERMANN ist bis zum Anschlag überdreht, skurril, brutal, zynisch, sadistisch, überstylet, schnell, laut, bunt, irre. Kurz gesagt: vollkommen over-the-top. Doch ganz im Gegensatz zu Jan Kounens späterem Werk 99 FRANCS bzw. 39,90, dessen über-Style sich organisch einfügt, will meine heutige Sichtweise das alles in diesem Regiedebut nicht so recht als natürlich aus der Sprache des Filmemachers heraus akzeptieren. Hier will jemand stänkern, der Welt den Mittelfinger zeigen und das Resultat ist schräg der Schrägheit wegen, brutal der Brutalität wegen, überstylet des Style wegens, ohne dahinter eine irgendwie geartete Substanz zu verstecken. Okay, letzteres lasse ich gern gelten, denn wie sagte einst bereits Miles Davis: “In music and life, everything is about style!” Das darf man auch auf Filme anwenden. Und so vollbringt es Jan Kounen hier eine wirklich gut besetzte, von diesem Cast herrlich gespielte, 100 Minuten andauernde filmische Achterbahnfahrt zu inszenieren, der leider der offensichtliche (und erst recht der tiefere) Sinn abgeht – schicke Fassade, einmal staunen, doch bloß keinen zweiten Blick riskieren, denn dann fällt schnell auf, dass dicke Knarren, hoher Blutdurst und reichlich Irrsinn nicht reichen.

Dass der Film zeitweise Spaß macht, muss man ihm lassen, denn jede Figur ist maßlos ins Extrem überzeichnet, was eine gewisse Faszination nicht ausbleiben lässt: Ein fanatischer Pfarrer, ein ultrapsychotischer Bad-Ass-Hard-Boiled-Faschisten-Cop, ein Bilderbuch-Wahnsinniger, der den Finger nie vom Abzug nimmt und wahnsinnig gackert, usw. Daraus entsteht der eine oder andere wahnwitzige Dialog und Situationen drohen ständig grundlos zu eskalieren, was dem ganzen etwas unberechenbares gibt. Doch bei allem Wohlwollen, fällt es schwer dem Film dauerhaft sein Augenzwinkern abzukaufen. Zu sehr ist er bemüht, ALLES einfach IMMER so dermaßen EXTREM zu übertreiben, dass seine enorm aufdringliche Dampfhammer-Methodik (“nehmt mich bloß nicht ernst, ihr Spießer”) eher wie eine geschickte Verschleierung des gewollten und ausgiebigst durch-zelebrierten Schlachtfestes wirkt. Aber warum? Dann feier halt reaktionär deine Bande an Psychos ab, denn politisch korrekt bist du eh nicht und im richtigen Ton ginge das schon irgendwie klar.

Bezeichnend bei diesem Dauerfeuer der Extreme ist ein Phänomen, was man sonst eher aus reinen Action- und Baller-Orgien kennt: DOBERMANN trägt ohne Pause so dick auf, dass er mich gegen Ende, als es in Form des Finales so richtig laut und dreckig wurde, längst verloren hatte. Schon satt gewesen, da kam bereits einfach zu viel von allem vorweg. Whatever. Hauptsächlich fehlt mir da etwas (irgendein Sinn). Das wäre zu verkraften, wenn der Film noch genau so viel Spaß wie vor 13 Jahren als Teenager machen würde. Macht er aber nicht. Scheiße, ich werde alt…


Wertung
5 von 10 abgedrehten Shootouts


Veröffentlichung
DOBERMAN ist bei Capelight Pictures als Limitiertes 3-Disc Collector’s Edition Mediabook, BluRay und DVD erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Audiokommentare, Interviews, Storyboards und entfallene Szenen. Die Discs kommen im Wendecover ohne FSK Logo.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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