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Film: Baskin (2015)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Capelight Pictures


Fakten
Jahr: 2015
Genre: Horror, Mystery
Regie: Can Evrenol
Drehbuch: Can EvrenolOgulcan Eren AkayCem OzuduruErcin Sadikoglu
Besetzung: Muharrem BayrakFatih DokgözGorkem KasalErgun KuyucuSabahattin YakutSeyithan Özdemir
Kamera: Alp Korfali
Musik: Ulas Pakkan
Schnitt: Erkan Ozekan


Review
Wer die Kinostarts der letzten Jahre aufmerksam studierte, konnte feststellen, dass sich schleichend (weil vom deutschen Publikum weitgehend unbemerkt) eine Fülle türkischer Produktionen in die Lichtspielhäuser einschlich. Von romantischen Komödien, über Action-Thriller, bis hin zu einer Vielzahl morbider Horror-Filme ist einiges dabei, die Türkei als Film-Nation schon lang kein unbeschriebenes Blatt mehr und demnach für ein internationales Publikum bereit – letzteres bestätigen diverse Festival-Erfolge der letzten Jahre. Wahrscheinlich mit einem Auge auf die stattliche Anzahl potentieller türkisch-stämmiger Kinogänger schielend, werden diese Vertreter hierzulande sogar meist im Original mit deutschen Untertiteln projiziert und sind so für Originalton-interessierte Kino-Geeks gänzlich ohne Umwege in der präferierten Form zu genießen. 

Mit BASKIN, dem Debüt-Spielfilm (!) des türkischen Regisseurs Can Evrenol schwappte nun am 1. Januar, passig zum blutroten Start ins neuen Jahr, der nächste Vertreter zu uns herüber – und der hat es in sich! Zwar steckt der Streifen so enorm voll von filmischen Zitaten und Referenzen – dem Filmemacher war sichtlich daran gelegen, seine Einflüsse zwischen Rob Zombie, französischer Härte, den alten italienischen Giallo-Meistern, oder lynchigen Traum-Spielchen konkret auf der Leinwand zu manifestieren – dass das wilde Mashup verschiedenster Versatzstücke in Summe noch ein wenig die eigene filmische Ausdrucksform vermissen lässt, aber dennoch kann BASKIN in punkto audiovisueller Umsetzung und vor allem Wirkung nur als gelungen bezeichnet werden. Zu intensiv gestaltet sich die beklemmende Reise einer Einheit Polizisten in ungeahnte Abgründe, nachdem sie eigentlich nur einer Anforderung nach Verstärkung folgten.

Was ist Vision, was ist real? Folgt den Männern eine schleichende Bedrohung, oder verliert Arda nur den Verstand? In surrealen Farben ausgeleuchtet wie einst Argento’s SUSPIRIA, verschmelzen Schein und Sein bereits bei gemeinsamen Café-Aufenthalten, nach und nach verdichtet sich die Stimmung zu einem fordernden Höllentrip. Angenehm klassisch (was meint: vollkommen ohne den Einsatz des Computers) erschafft Evnerol Blut-triefend-okkulte Welten, die an Verstörung nicht geizen – als hätten die Cenobytes sich im HAUS DER 1000 LEICHEN in einen kryptischen Rausch aus Sex, Dreck und Gewalt getanzt. Blutig und obskur geht es zu, ist zackig geschnitten und weiß, auch durch den atmosphärischen Score aus Ulas Pakkan’s Feder, die innere Aufgewühltheit der Figuren eindrucksvoll nach außen zu transportieren. Was dieses bizarre Stelldichein im Subtext vermittelt (bzw. vermitteln will), fällt ohne genaue Kenntnis der türkischen Kultur nur marginal ins Auge – um nach außen getragene Männlichkeit könnte es gehen, bzw. das Einreißen eben dieser kraftvoll gemauerten Fassaden. Auch um Religion und ebenfalls die hinterfragende Dekonstruktion dieses Konstrukts. Schwer zu sagen, aber im Endeffekt fast nebensächlich, denn auf der Primärebene – Creepiness, Spannung, Inszenierung – funktioniert BASKIN, von kleinen Holperigkeiten abgesehen, so packend, dass der allegorische Gehalt nur ein zusätzliches Bonbon darstellt.

Starkes Teil, exzellent gefilmt und mit dem wohl perfektesten Cast für einen Kult-Guru schlechthin. Schön auch, dass Evrenol die eigene Herkunft nicht verleugnet, sondern trotz der klaren Absicht auf internationale Auswertung (die zweisprachigen Credits lassen daran keinen Zweifel) einiges an Lokalkolorit zulässt – eine johlende Gesangseinlage türkischer Folklore, die die Truppe im gemeinsamen Bus auf einer langweiligen Fahrt zum besten gibt inklusive. Anschaubefehl für weltoffene Kinogänger.


Wertung
7 von 10 blinden Kult-Anhängern


Veröffentlichung
BASKIN läuft seit dem 01.01.2016 im Verleih von Capelight Pictures in den deutschen Kinos und wird (u.A. als 3-Disc Mediabook) als BluRay und DVD erscheinen.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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