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Film geschaut: The Greasy Strangler (2017)


The Greasy Strangler (IMDb) – Groteske/Slasher/Trash, USA, 2016 – Regie: Jim Hosking, SkriptJim Hosking, Toby Harvard, Kamera: Mårten Tedin, Musik: Andrew Hung, Copyright (Titelbild, Bildausschnitte, Trailer): Tiberius Film


Review
Manche Filme sind mit einer kurz und knappen Aussage am besten (und vielleicht sogar hinreichend) reviewt. Im Falle von THE GREASY STRANGLER hätte sie unmittelbar nach „Genuss“ des Films wie folgt lauten können: „Was zur Hölle habe ich hier gerade für einen versifften, infantilen und dabei hochgradig vergnüglichen Hirnschiss gesehen!?“ Doch als Senfmeister vom Dienst, sehe ich es als meine Blogger-Pflicht, mehr als diesen knappen Satz zu einem schrägen Werk wie diesem abzugeben – vor allem, weil ein wenig mehr drinsteckt, als der erste, trashige Eindruck glauben lässt.

Mit Anlauf scheiße sein zu wollen, „Trash“ zu produzieren, wie es sich im aktuellen Filmdiskurs schimpft, kann und wird in den meisten Fällen enorm in die Hose gehen – Asylum und Co. beweisen es uns in hoher Taklung immer wieder mit ihren Totalausfällen von SHARKNADO bis hin zum neusten Mockbuster. Diese Filme scheitern (auch in ihrer Intention das Label „Trash“ zu bedienen), weil die Schmieden, welche sie am Fließband produzieren nicht verstanden haben, dass es weit mehr als bloß technische bzw. handwerkliche Inkompetenz und/oder eine übertriebene Prämisse ist, die der stetig wachsenden Gemeinde an Trash-Fans höchste Verzückung beschert. Ausschlaggebend sind noch weitere Faktoren – völlig absurde Einfälle, die uns todernst verkauft werden, Hybris/Selbstüberschätzung/Größenwahn von Filmemachern die nicht eine einzige funktionierende Szene runtergekurbelt kriegen, ungewollte Komik an den unerwartetsten Stellen, weil den Beteiligten nie bewusst ist, was für einen Mist sie gerade verzapfen.

Kann man dieses, von zig Faktoren gelenkte Gesamtpaket künstlich simulieren? Ich denke nicht.

Und eben deshalb ist es angenehm, dass Filme wie THE GREASY STRANGLER, denen der ein oder andere Filmfreund sicher auch bedenkenlos besagtes Label aufdrücken würden, es gar nicht erst versuchen. Ja, der Film bedient mit seinen Gummi-Fettanzügen und vergnüglichen handgemachten Effekten einen vorhandenen Hunger nach unperfekten Low Budget-Inszenierungen, schießt in vielen Momenten weit über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus, kann sich nicht von pubertären Pimmel- und Beleidigungs-Jokes, sowie ausgeprägtem Körper-Ekel freimachen und verirrt sich inhaltlich völlig absichtlich in Gebiete, die von schwer gestörtem, regelrecht debilem Charakter gezeichnet sind – so weird, dass sie nur ein „Bullshit Artist!“ verfasst haben kann. Aber trotz all dieser seltsamen, durchweg auf 11 gedrehten Aspekte, will der Film eben nicht aktiv schlecht sein.

Seltsam hingegen schon, denn Hauptfiguren, die in ihren bizarr aufspielenden Präsenzen wie Serienkiller-Creeps aus dem 60ern aussehen und in einer geisterhaft-menschenleeren Welt pink gekleidet abzockerische Touristenführungen an Orte veranstalten, wo einst (angeblich) Disco-Persönlichkeiten lebten sind schon ziemlich Banane. Ein gefährlicher Würger, der zum psychopathischen Monster wird, die raus-ploppenden und verspeisten Augen seiner Opfer, ganze Teller voller Bratfett zum Frühstück, sowie andere Typen, die mit stillschweigender Selbstverständlichkeit eine Schweinenase im Gesicht haben, setzen diesem Ansatz die Krone auf. Das alles sind nicht die Zutaten eines „normalen Films“, wohl eher einer verzerrten Farce und als diese gelesen funktioniert der Film wahrscheinlich am besten – gelingt es, ihn als augenzwinkernden Quatsch zu betrachten, wohnt dem ganzen eine Menge (!) Spaß-Potential inne.

Der Film, bzw. sein Macher Jim Hosking trägt dick auf, wo es nur geht und zeichnet eine eigene, verschrobene Welt, die auf filmische und gesellschaftliche Konventionen wenig gibt, sondern uns (z.B. durch reichlich nackte Haut fernab jeglicher Schönheitsideale, oft involviert in wilden Koitus) stetig vor die Nase führt, wie wir durch besagte Konventionen auf Glätte und langweilige Gleichförmigkeit hin gehirngewaschen wurden. Hauptsache immer mehr vom selben, Hauptsache schöne Menschen, Hauptsache perfekte Effekte – und die Hollywood-Welt ist in Ordnung. Doch nicht hier, THE GREASY STRANGLER ist ein Dorn im perfekt gephotoshopten Mainstream-Fleisch. Er sitzt nicht tief, dafür ist der Film auf seinem eigenen Sektor dann doch zu kalkuliert, aber genug um stetig zu nerven und immer wieder zu zeigen, dass er da ist.

Und auch wenn das Ganze auf Anhieb sinn- wie menschenleer wirken mag, ist es das nicht wirklich. Auf den zweiten Blick sind die 90 Minuten, die wir in der oft auch Kafka-, bzw. eher Helge Schneider’esk angehauchten Filmwelt verbringen, weder platt – im Kern wird auf verzerrt-krude krude Weise tatsächlich eine funktionierende Vater-/Sohn-Geschichte über Entfremdung, Enttäuschung und Vergebung erzählt – noch schlecht, denn abseits der bewusst gestalteten Quatsch-Kostüme können sowohl der Electro-/Synth-Score, wie auch Kamera, Schnitt und kleinere andere Effekt-Spielereien sich sehen lassen.

Um es abzurunden: Sicher (leider) kein Film für jedermann, aber ich hatte mit dieser herrlich verstörten Portion Ekel-Gedöns eine Menge Spaß und freue mich, dass auch in 2017 scheinbar Filmemacher gibt, die mit Absurdität und B-Ästhetik umgehen können, ohne dabei in die zeitgenössische Trash-Falle zu tappen. Also bitte guckt den auch – das werden nämlich, wie so oft bei interessanten Filmen, wieder viel zu wenige tun!


Wertung
7 von 10 besonderen Mahlzeiten


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