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#52FilmsByWomen 2020 – Der Anfang (aka Filme #1-3)

Titelbild © Concorde Video

Wie ich in meinem Comeback-Post bereits beschrieb, wurde ich auf die #52FilmsByWomen-Aktion erst im April aufmerksam. Umso interessierter war ich daran, wie viele, ähem, naja, wohl eher wie wenige Filme von Frauen ich in den ersten 16 Wochen des Jahres bereits gesehen hatte.

Die ernüchternde Antwort: Drei.

Und obwohl ich retrospektiv zu diesen Filmen nur jeweils einen Tweet absetzte, möchte ich sie hier gerne, als kleines Warmup, erwähnen und empfehlen. Daher im Folgenden wenige Zeilen pro Film.

#1: Destroyer von Karyn Kusama

Ein atmosphärisch gelungener Cop-Thriller mit starken Anleihen an persönlich erzählte “Abstiegs-Dramen”, der viel Zeit mit dem Schicksal der von Nicole Kidman gespielten Hauptfigur, sowie der Verschleierung der entscheidenden Momente in ihrer Vergangenheit verbringt. Teilweise packend, doch im Strom der Ereignisse tun sich immer wieder Durststrecken auf, der Verlauf wirkt etwas ziellos und zerfasert.

Highlight sind zwei (überragende) Heist-Szenen, die vor Spannung zu zerbersten drohen und in denen ich Kidman alles geglaubt habe – ihre Wut, ihre Verzweiflung, ihre Gebrochenheit. Ganz im Gegensatz zur Maske, denn auch wenn sie darstellerisch alles tut, um ihre kaputte Figur auch ebenso wirken zu lassen – die Körperhaltung entspricht der einer alten Frau, Energie scheint sie selbst zum Atmen kaum noch übrig zu haben – konnte ich ihr insgesamt leider die Abgefucktheit nicht abkaufen. Zu aufgemalt sehen Furchen und Narben aus.

#2: Systemsprenger von Nora Fingscheidt

Ein zermürbender Film, dessen emotionale Wucht mich völlig umgehauen und lange nachgehalt hat. Die deprimierende Erkenntnis, dass es manchmal trotz aller Bemühungen des Umfelds und der Beteiligten für ein schwerwiegendes Problem keine Lösung gibt, schnürt Fingscheidt in ihrem Langfilmdebut zu einer unerträglich krassen Dosis Realität zusammen.

Das Beispiel eines schwer, bzw. un-erziehbaren kleinen Mädchens, welches von Heim zu Heim und Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben wird, brachte mich enorm zum Nachdenken über unser menschliches Wesen und die Einflussfaktoren darauf. Was formt uns, was spielt in unsere Wesensentwicklung rein? Und gibt es einen Point-of-no-return, an dem das Fehlen von menschlicher Wärme (und die angedeutete erfahrene Gewalt) bereits in jungen Jahren für irreversible Schäden sorgen?

Der kleinen Benni wünscht man nur das Beste, weil sie doch eigentlich nur die Liebe ihrer Mutter möchte, ihr dabei zuzusehen, wie sie an den Institutionen scheitert (und diese an ihr) zerreißt das Herz, dass all diese Verfahrenheit zu verknotet ist, um sich noch aufzulösen, gibt den emotionalen Todesstoß.

#3: Unicorn Store von Brie Larson

Mit ihrem Regiedebut hat sich Brie Larson leider komplett verhoben, denn sich selbst in die Hauptrolle besetzen, war bei unerfahren Regisseur*innen in den seltensten Fällen eine gute Idee.

So auch hier, denn Larson selbst stolpert verplant als (enorm) unsympathische Figur durch zwar bunte, aber dennoch ideenlose Settings und langweilt in Szenen voll holziger, repetitiver Dialoge. Befremdlich ist dabei vor allem ihr Humorverständnis – das Klamotten farbig, oder Frisuren wild sind, scheint ihr bereits als Gag zu taugen, psychische Verwirrtheit verwechselt sie mit Individualismus, angepissten Teenager-Vibe mit sympathischem Coming-of-age.

Wirklich öde hoch zehn und eine Gurke von Film. In seinem farblosen Versuch ein aus der Welt gefallenes Manic-Pixie-Dreamgirl zu kreieren, ist Unicorn Store auf dem Feld der “bunt & querky”-Filme fast schon wieder herausragend.