Serie: Agents of S.H.I.E.L.D – Season 1 (2013)


Trailer © by Disney / Marvel Studios


Fakten
Jahr: 2013
Genre: Agenten-Thriller, Superhelden, Mystery
Showrunner: Maurissa Tancharoen, Jed Whedon, Joss Whedon
Crew (Writer, Director, Cinematographer, Editor): IMDB-Übersicht
Besetzung: Clark Gregg, Ming-Na Wen, Brett DaltonChloe BennetIain De CaesteckerElizabeth Henstridge, B.J. BrittBill PaxtonPatton OswaltRuth NeggaJ. August Richards 
Musik: Bear McCreary


Review
Ich bin ja eigentlich weder der große MARVEL-Fan, noch einer der Hater, die keine Möglichkeit zum Superhero-Bashing auslassen, um ihre Abneigung gegen das was da aktuell auf den Leinwänden der Welt passiert kund zu tun. Ich bin irgendwo dazwischen, die AVENGERS fand ich überragend, die meisten solo-Filmchen solide und die GUARDIANS OF THE GALAXY als einer von wenigen äußerst lame. Gemischte Gefühle also. Außerdem hab ich als Kind mal X-MEN gelesen, was für den aktuellen MARVEL-Run allerdings (leider) noch keine Rolle spielt. Was mich aber über die konkreten Inhalte der einzelnen Filme hinaus extrem beeindruckt, ist das seit einigen Jahren laufende (und aktuell so richtig Fahrt aufnehmende) Konzept des MARVEL CINEMATIC UNIVERSE.

Zum einen, weil das Ansiedeln verschiedener Superhelden-Filmen in ein und derselben Welt (plus Quervernetzung) unheimlich nah am Medium Comic ist, schließlich tauchen dort ständig in irgendwelchen Heftserien Helden oder Villains auf, die es bereits in anderen gab, Crossovers sind an der Tagesordnung und umfangreiche Storylines ziehen sich durch etliche parallel laufende Serien, so dass es für Comics schon lange ein umfangreiches, sich stetig erweiterndes Universum gibt. Zum anderen beeindruckt mich als Filmfan aber einfach, dass (völlig unabhängig von der Qualität der MCU-Filme) so ein Projekt bis jetzt absolut einzigartig ist. Wann wurde denn bis dato auf zehn Jahre im Voraus in einer Frequenz von drei Filmen pro Jahr vergleichbares geplant und erschaffen? Ich bin sehr gespannt, was kommt und wie hoch der Crossover-Anteil sein wird.

Nun zur Serie: Was sich bis jetzt als stärkstes Bindeglied durch die Filme des MCU gezogen hat, ist der Geheimdienst S.H.I.E.L.D. dessen Leiter Nick Fury in allen AVENGERS-Filmen auftauchte und die Geschehnisse geheimnisvoll aus dem Hintergrund zu dirigieren schien. Was könnte also besser taugen, etwas Licht in die verborgene Welt von S.H.I.E.L.D. zu bringen, als eine begleitende, ins MCU eingebettete und wieder von Mastermind Joss Whedon entworfene Serie? Nach den Events aus THE AVENGERS angesiedelt, ist AGENTS OF S.H.I.E.L.D. Teil der Phase 2 und bezieht ihre Prämisse zunächst aus dem Abschluss der Phase 1 – dem “Battle of New York”.

Der S.H.I.E.L.D. Agent Coulson, der auch schon in diversen MCU-Filmen auftauchte und im Finale der Avengers nach einer unschönen Konfrontation mit Loki für wenige Sekunden das Zeitliche segnete, konnte zurückgeholt werden, bekommt von Fury ein Team aus Agenten und Wissenschaftlern zur Seite gestellt und verrichtet von nun an aus seiner fliegenden Einsatz-Zentrale den Dienst für S.H.I.E.L.D.

Dabei ist zunächst wichtig, dass A.O.S. keine wirkliche Superhelden-Serie ist. Peripher kommen Menschen mit speziellen Kräften vor und immer wieder sind Anspielungen auf und Überschneidungen mit den etablierten Stoffen des MCU enthalten – die parallel gelaunchten Solo-Filme THOR 2 und CAPTAIN AMERICA 2 werden ebenfalls referenziert – doch insgesamt fühlen sich die Folgen eher wie eine Thriller-Serie mit leichten Mystery-Anklängen an. Etwas AKTE X, etwas Jason Bourne und eine gute Prise MARVEL-Lockerheit – das Resultat ist eine gute Mischung aus Humor, handfester Action und toller Figurenentwicklung.

Dabei geht die S1 noch recht verhalten los. Die Figuren wirken teils nervig, teils uninteressant, Dramaturgie und Ablauf haben in den ersten 3-4 Folgen noch nicht recht ihren Rhythmus gefunden und dem ganzen scheint ein übergeordneter Master-Plot zu fehlen – letzteres wäre fatal, zeichnet doch eine TV-Serie 2.0 der fortlaufende, nicht vorhersehbare Spannungsbogen aus. Doch je mehr Whedon und die Macher ihren Fluss finden, desto mehr formt die Serie einen eigenen Charakter. Einige Hauptfiguren hatte ich zwar sofort ins Herz geschlossen – das Wissenschaftler-Duo Fitz/Simmons ist der absolute Traum (Nerds, Nerds, Nerds!) und übertrifft sich im Zusammenspiel jede Folge aufs Neue – doch auch die anfänglich eher blassen Figuren bekommen Farbe, tauen auf und beginnen auf der Sympathieskala zu punkten, weil recht schnell merkliche Charakterentwicklungen (zum Positiven hin) zu bemerken sind. Im Resultat dauert es nicht lange, bis A. O. S. erstens süchtig und zweitens konsequent nur noch Spaß, Spaß und noch mehr Spaß macht! Spannende, mitreißende und äußerst humorvoll geschriebene Unterhaltung.

Auch inhaltlich braucht es nur wenige Episoden, bis sich rückwirkend die losen Handlungsfetzen zu erschließen beginnen. Die meisten Ereignisse, die nur ein kleiner, unbedeutender Fall unseres Agentenkollektivs zu sein schienen, fügen sich langsam in die Formation eines großen Ganzen ein, die stetig auf einen lauten Knall hinzu arbeitet. Und der kommt. Erschien mir der mega-Twist zunächst zwar noch etwas befremdlich (ich hatte THE WINTER SOLDIER noch nicht gesehen), macht er besonders im Kontext der restlichen zeitgleichen Geschehnisse des MCU Sinn und endet in einem fulminanten Finale.

Das nicht bekannte, aber im Vergleich zu den Filmen sicher weitaus kleinere Budget ist hier eine ziemlicher Pluspunkt. Die MARVEL-Filme kranken, AVENGERS ausgenommen, meist an besagtem, bombastisch großen Finale. Wenn Flugschiffe in Städte krachen, oder in wilden Showdowns alles explodiert, verliere ich zumindest immer die Lust. Hier reicht das Budget nicht um Flugschiffe in Städte krachen zu lassen, oder riesige CGI-Setpieces in Flammen aufgehen zu lassen und das ist gut so! Auf Actionseite wird sich daher nämlich oft auf kleinteilige, greifbare Situationen verlassen. Wuchtige Martial-Arts-Kämpfe, Schießereien und stetige, dynamische Bewegung. Wie auch in THE WINTER SOLDIER (den ich nach Sichtung der Serie direkt nachgeholt habe) überraschten mich die kleinen Action-Momente sehr, weil sie im MARVEL-Kontext unheimlich geerdet sind. Mehr davon!

Unterm Strich kann ich die S1 von AGENTS OF S.H.I.E.L.D. eigentlich nur uneingeschränkt loben. Spannende, dynamische Episoden, viele kleine Rätsel deren Lösung man in perfektem Tempo näher kommt, nette Twists die jedoch nicht zu dick auftragen und vor allem einen der tollsten Character-Arcs, die ich bis jetzt in einem Staffel-Verlauf erlebt habe. Von der nervig-bratzigen Hacktivistin zur sympathisch-unperfekten Agentin, um die man bangt und fiebert. Wäre da nicht Simmons, könnte man sich glatt in sie verlieben.

Weiter so Joss Whedon!


Wertung
8 von 10 magischen Tahiti-Urlauben


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
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7 Gedanken zu „Serie: Agents of S.H.I.E.L.D – Season 1 (2013)“

  1. Nachdem ich bisher nur den Piloten gesehen habe und die Kritiken eher verhalten waren, freut mich deine Besprechung sehr. Werde die Serie beizeiten bestimmt auch nachholen.

  2. Sehr schöne Kritik, der ich vollends zustimme! (Ich bin ja leider immer noch nicht dazu gekommen, ein Review zu schreiben, obwohl ich auch schon Season 2 gesehen habe…) Den Nerd-Factor Fitz/Simmons (überhaupt die Idee mit den Namen!) mochte ich auch sofort, aber mein Lieblingscharakter ist Coulson, der hier so viel mehr zeigen kann als in den Marvel-Filmen!

    1. Coulson ist auch richtig gut. Ich finde ihn sehr vielschichtig und seine Geschichte (Tahiti) hat mich sehr mitfühlen lassen.

      Einzig zu Melinda habe ich noch nicht so wirklich Zugang gefunden, obwohl bei ihr ja auch ne krasse Backstory angedeutet wurde..

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