Film: Topas (1969)


Trailer © by Universal Pictures Germany GmbH


Fakten
Jahr: 1969
Genre: Agentenfilm, Polit-Thriller
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Samuel A. Taylor, Leon Uris (Literaturvorlage)
Besetzung: Frederick Stafford, Dany Robin, John Vernon, Karin Dor, Philippe Noiret, Donald Randolph
Kamera: Jack Hildyard
Musik: Maurice Jarre
Schnitt: William H. Ziegler


Review
Hitchcock nimmt sich 1969 in seinem drittletzten Film TOPAZ dem Nachhall der Kubakrise an und erzählt von der Entstehung eben dieser. Agenten, Spionage, Kommunisten – all dies war in den Sechzigern Stangenware, in der Regel wurde der kalte Krieg ausgeschlachtet und zur allgemeinen Stimmungsmache “der Russe” als Feindbild propagiert. Außerdem wollten die Studios wahrscheinlich im Fahrwasser der (in ihrer Popularität explodierenden) JAMES BOND-Reihe massenhaft Agententhriller an den Mann bringen. Möglichst schnell und möglichst viele – was das Volk will, das soll es bekommen.

Die üblichen Zutaten des Genres sind in TOPAZ enthalten – Global wechselnde Schauplätze, Doppelagenten, geheime Dokumente – allerdings auf eine Art verbaut, die sich wie das Abhaken einer Strichliste anfühlt. So wirklich werde ich das Gefühl nicht los, dass Hitch hier wenig motiviert gewesen ist, eigene Akzente zu setzen, oder von Studio-Seite nicht gelassen wurde, den Stoff vielleicht sogar aufgezwungen bekam, denn neben Schauplätzen und Motiven, die sich wie “Malen nach Zahlen” anfühlen, ist auch die inhaltliche wie inszenatorische Umsetzung zwar routiniert aber in Summe äußerst generisch.

TOPAZ erzählt in ziemlich viel Zeit ziemlich wenig.
“Nicht problematisch” sollte man denken, schaffte Hitchcock doch immer besonders auf Seite der visuellen Ideen und Atmosphäre zu fesseln. Hier Fehlanzeige. Die Eröffnungsszene (Flucht einer russischen Diplomatenfamilie in Kopenhagen), ein spektakulärer Datendiebstahl in einem Hotel in New York und wenige andere wirklich gelungene Momente sind großartig inszeniert, spannend und lassen durchscheinen, wer hier eigentlich auf dem Regiestuhl saß – umgeben sind diese Highlights jedoch leider von Stunden aus zähem Füllmaterial, die, kleine visuelle Highlights ausser Acht gelassen, eher berieseln als zu begeistern.

Vielleicht ist das Problem, dass der Film sich nicht recht entscheidet was er genau sein will. Um durch dynamische Szenenfolgen und Handlungsverläufe fesseln zu können, passiert schlicht zu wenig, bzw. hätten im Schnittraum mindestens 20 Minuten ausgedünnt werden müssen, auf der anderen Seite taucht TOPAZ, vielleicht der Romanvorlage geschuldet, zu wenig in die Köpfe der Figuren ein, um als psychologischer Thriller durch zu gehen, der den tonnenschweren Druck des Agentenlebens thematisiert. Nicht Fisch, nicht Fleisch.

Gucken kann man das wohl noch – Ausstattung und Kulissen vermitteln, auch aufgrund der vielen Drehortswechsel (Kopenhagen, Washington, NY, Kuba, Paris), durch viele starke Bilder und Sequenzen angenehm den Zeitgeist der Sechziger, hier wusste Hitch was er tut, außerdem überzeugt Maurice Jarre’s orchestraler Score – allerdings ist es der erste Hitchcock, wo ich sagen würde: “Muss man aber nicht.”. Sicher empfand man das konkrete Thema vor 45 Jahren auch einfach als brisanter. Ist TOPAZ in die Jahre gekommen?


Wertung
6 von 10 geheimen Raketenbauplänen


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
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