Film: Miami Vice (2006)


Trailer © by Universal Pictures Germany GmbH


Fakten
Jahr: 2006
Genre: Thriller, Gangsterfilm
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Michael Mann
Besetzung: Colin Farrell, Jamie Foxx, Li Gong, Naomie Harris, Justin Theroux, Barry Shabaka Henley, Luis Tosar, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Domenick Lombardozzi, Isaach De Bankolé
Kamera: Dion Beebe
Musik: John Murphy
Schnitt: William Goldenberg, Paul Rubell


Review
Es wird gemeinhin gesagt, Michael Manns Film-Version der 80er Serie MIAMI VICE stehe und falle mit der Akzeptanz für den omnipräsenten verwackelten Handkamera-Stil. Wer diesen Stil mag, könne ja hier nur voll auf seine Kosten kommen, wem die HD-Camcorder-Optik die Immersion zerstört, der wäre halt raus. Ich halte da ganz klar gegen: Nein. Der Stil ist baut Distanz auf, ist gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache, aber unter den Schauwerten liegt eben auch ein normaler Film. Mit Handlung, Figuren und spezifischer Inszenierung. Und dieser Film hat weit mehr Probleme, als einen gewöhnungsbedürftigen Look – die Handkamera ist zwar ein Ärgerniss, aber dennoch das kleinste Übel.

Michael Mann will die trashig-bunte shiny 80er-Stimmung etwas neues machen, bzw. sie ins Heute transferieren. Das MIAMI VICE der Nuller Jahre soll düster und karg sein. Schillernde Yachten wurden durch Sportwagen im diffusen Licht der Straßenlaternen getauscht, Lockerheit durch einen knallharten Ansatz, Neon-Licht durch Dunkelheit. Könnte an sich funktionieren, denn sicher kennen mittlerweile mehr Zuschauer das “Original” nicht (ich ebenfalls nur aus extrem vager Erinenrung, weshalb ich hier vielleicht gerade völligen Unsinn verzapfe), als dass es noch vorlagenkundige Fans gibt und wie oft wird schließlich bei solchen Remakes bemängelt nur doof zu kopieren? Aber wir sollen hier in einem (fast) überlangen Film einem Ermittlergespann gebannt folgen – dafür braucht es mehr als flatternde Designeranzüge, eine kriminell aufgeladene Atmosphäre und ab und an einen coolen Spruch.

Und dieses “mehr” liefert Mann nur sehr bedingt. Im Gegenteil, auf genau drei Sektoren versagt MIAMI VICE – Figuren, Story und Action.

Colin Farrell und Jamie Foxx sind cool, tough, aber mehr nicht. Sie tragen Anzüge und sind Teil einer Story um verdeckte Ermittler. Zwar schippern die zwei vor Miamis Küste ganz offensichtlich in den Gewässern eines straight angelegten Genrefilms, aber unweigerlich tun sich Parallelen zu den Protagonisten aus Manns zehn Jahre zuvor gedrehten Meisterwerkes HEAT auf. Auch dieseer Film war ein Thriller mit simpler Story, aber man wusste bis ins Letzte wer die Protagonisten Hanna und McCauley sind – es gab echte Figuren, mit Problemen, Zielen, Motivationen – hier hingegen bleiben die Hauptfiguren ihrer Arbeit fanatisch ergeben, in ihrer sonstigen Zeichnung jedoch so oberflächlich, wie das Schillern ihrer silbernen Anzüge.

Diese fehlende charakterliche Tiefe fällt ins Gewicht. Es hätte sie als Aufgleich gebraucht, als eine puffernde Funktion, die die auf 132 Minuten ausgedehnte Bierdeckelhandlung in ihrem freien Fall bremst. Die den plot-technisch eher weniger komplexen Genrefilm mit weiterer Bedeutung auflädt. Ja, hier sind verdeckte Ermittler – kennen wir, also Herr Mann, jetzt entwicklen Sie bitte aus diesem Sujet irgendetwas interessanteres, als eine dünne Selbstkopie. Geben Sie uns Nebenplots, Schauwerte, irgendetwas. Macht er aber nicht. Nebenplots bleiben, wenn vorhanden, uninteressant, die Dialoge platt, die Schauwerte gewöhnungsbedürftig. Der Film Die Datei MIAMI VICE sieht in ihrer Imitation eines klassischen grobkörnigen Films so unangenehm aus, dass sich die Fußnägel aufstellen. Bereits erwähnte Handkamera-Optik wird auf eine, dem kritisch beäugenden Menschen nicht nachvollziehbare Art genutzt – sie ist den Protagonisten in sich ewig wiederholenden Einstellungen nah auf den Fersen, egal ob es gerade Sinn macht, filmt Ohren, Schultern, oder andere beliebige Körperteile und IMMER wackelt die Kamera in konstantem Tremor – und auf dem Gebiet, wo der Altmeister noch hätte reuichlich Punkten können, den Shootouts, schließlich hat er einige der besten der Filmgeschichte gedreht (!), bleibt leider nur fassungsloses Kopfschütteln als Nachwirkung.

Es gibt wenige Actionszenen in MIAMI VICE, keine davon ist wirklich gut, doch während der “Plot” nach und nach auf das Finale zu steuert, besteht immer noch Hoffnung auf den großen Knall. Die Hoffnung stirbt zuletzt. In diesem Fall dann MIT einem großen Knall. Ich gehe so weit zu sagen, dass Mann mit dem Schusswechsel am Ende des Films genau das andere Ende der Wertungs-Skala bevölkert – dieser gehört ohne Frage zu den konfusest-inszenierten, die ich je gesehen habe. Man erkennt fünf Minuten lang NICHTS. Terror-Schnittfrequenz, ein Kameramann der beim Filmen auf Pillen zu Breakcore getanzt haben muss, in Folge dessen ist packende Spannung absolute Fehlanzeige. 20 Leute ballern wie die Wahnsinnigen umher, springen durch die Gegend, brüllen, aber nichts davon kann (m)ein normal getaktetes Hirn verarbeiten. Dagegen ist BOURNE 3 ultra-SloMo. Vorher war der Film recht dünn, an diesem Punkt wird er, je nach Sicht, traurig oder ärgerlich.

Unterm Strich passen die kühle Atmosphäre (aus der die Optik aber oft raus wirft), 1-2 gelungene Momente, wie das erste Aufeinandertreffen mit dem Drug-Lord, oder die Raid des Trailerparks stechen als Kracher heraus – da entwickelt sich schon ein intensives Knistern – und der Soundtrack, sowohl Score wie auch Originalmusik, fügt sich gekonnt in den weniger gekonnten Film ein – alles andere an MIAMI VICE ist. Ja, was ist es denn? Bei einer Legende wie Mann, mag man keine gänzlich harten Worte wählen, aber sagen wir mal: weit weniger gelungen.

Ich hoffe inständigst, dass 1) ich von MIAMI VICE auf em völlig falschen Fuß erwischt wurde und nach weiterer Erkundung seines Werkes im Re-Re-Watch merkem was ich hier für einen Mist aufs Papier gebracht habe und 2) dass sein neustes Werk BLACKHAT sich zumindest teilweise wieder vom krassen Handkamera-Stil entfernt und Figuren wieder stark durch-charakterisiert, wie wir es aus THIEF oder HEAT kennen. Wäre super, denn es fühlt sich einfach falsch an, daran zu zweifeln, dass Mann nochmal einen richtigen Kracher drehen wird!


Wertung
4 von 10 halb abgefilmten Ohren-Close-Ups


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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