Dokumentation: Pussy Riot – A Punk Prayer (2013)


Trailer © by Roast Beef Productions

Fakten
Jahr: 2013
Genre: Dokumentation, Systemkritik
Regie: Maxim Pozdorovkin, Mike Lerner
Drehbuch: Maxim Pozdorovkin, Mike Lerner
Kamera: Antony Butts
Musik: –


Review
In letzter Zeit keimen immer häufiger Dokumentarfilme auf, die sich durch besonders starke (oder eigensinnige) Inszenierung definieren – beeindruckende Kameraarbeit, durchkomponierter Score, nachgestellte Szenen. Die Grenze zum Spielfilm verschwimmt, ob der Inhalt nach wie vor Priorität hat, zweifeln einige Kritiker an, weswegen manchen Exemplaren eine Aufgabe der objektiven Berichterstattung zu Gunsten der simplen Unterhaltung vorgeworfen wird.

PUSSY RIOT – A PUNK PRAYER ist eine britisch/russisch/amerikanische Co-Produktion (BBC und HBO-Documentary produzierten, Maxim Pozdorovkin, ein russisch-stämmiger Künstler der in Harvard lehrt, führte Regie), die das absolute Gegenteil der beschriebenen Doku-Art darstellt. A PUNK PRAYER ist an einer einzigen Sache interessiert: den Zuschauer in einem detaillierteren Maße als die Massenmedien über den totalitären Wahnsinn des “Pussy Riot Prozesses” aufzuklären.

Eine Gruppe junger Frauen beschließt in Russland nicht länger zu schweigen, sondern gegen den Präsidenten (aber insgeheim selbsternannten Zar) Putin und das System anzuschreien. Ihr Mittel ist nicht Terror oder Randale, sondern ganz einfach Musik – schrammeliger Punkrock, in dem sie textlich ihre Wut und Kritik gegen das System heraus schreien. Gegen Unterdrückung, gegen Sexismus, gegen Oligarchie (und versteckte Aristokratie), gegen religiösen Fanatismus – auf spontan wirkenden Events in der Öffentlichkeit mit bunten Sturmmasken vorgetragen. Etwas, was in absolut jedem Land der Welt, allein aufgrund der universell gültigen Menschenrechte, möglich sein MUSS!

Doch nachdem diverse Auftritte vor Regierungsgebäuden bereits saftige Bußgelder nach sich zogen, werden drei der Frauen bei einem Auftritt in einer Kathedrale verhaftet, in einen völlig welt- und rechtsfremden, auf monatelange Zermürbung ausgelegten Scheinprozess eingebunden und mundtot gemacht. Die Dokumentation erzählt von der Formation der Gruppe, den ersten Aktionen, der Planung und Durchführung des Kirchen-Events und dem monatelangen Prozess. Da in Russland im Gericht gefilmt werden darf, gibt es tiefe Einblicke in die absurden Argumentationen, die zwei der drei Frauen schließlich Jahre im Arbeitslager bescheren sollten.

Es kommen die Eltern und Freunde zu Wort, die religiösen Fanatiker die den Mädels den Tod wünschen und ihre weltfremde Hetze verbreiten, Ausschnitte von Interviews mit Putin und co. runden das Ganze ab – und nach und nach wird deutlich, dass es in diesem Prozess nicht um Rechtssprechung und Buße geht, sondern einzig und allein um die Machtdemonstration eines Systems, was ein Zeichen setzen will: “Ich bin Putin, ich bin Russland, und wer mir ans Bein pisst, wird dafür teuer bezahlen, EGAL was im Gesetz steht!”. Ganz übel was dort passiert und beeindruckend, dass Menschen wie die Frauen von Pussy Riot da weitermachen, wo andere aus Angst schon längst aufgehört haben.


Wertung
8 von 10 unterdrückten politischen Äusserungen


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
LETTERBOXD
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
AMAZON (*) (falls ihr das Widget nicht seht, wird es von eurem Ad-Blocker gekillt):

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