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Miniserie: The Game (2014)


Titelbild, Trailer & Bildausschnitte © by Polyband Medien GmbH


Fakten
Jahr: 2014
Genre: Thriller, Agenten, Kalter Krieg
Showrunner: Toby Whithouse
Crew (Writer, Director, Cinematographer, Editor): IMDb-Übersicht
Besetzung: Tom Hughes, Jonathan Aris, Victoria Hamilton, Shaun Dooley, Brian Cox, Paul Ritter, Chloe Pirrie, Zana Marjanovic, Yevgeni Sitokhin, Marcel Iures
Musik: Daniel Pemberton


Review
Der Kalte Krieg scheint in jüngerer Vergangenheit wieder verstärkt als Setting für verschiedenste Agentenstoffe heran gezogen zu werden – 2013 legte FX mit THE AMERICANS vor, ein Jahr später ging ABC mit der Eigenproduktion THE ASSETS mächtig baden und nun zieht die britische BBC mit der Miniserie THE GAME nach. Das dauerhaft über den Köpfen der Menschheit schwebende Damokles-Schwert des drohenden Atomkriegs eignet sich wohl einfach zu gut für so beklemmend wie spannende Stoffe.

Tom Hughes ist Joe vom MI5, ein Agent im internationalen Einsatz dessen letzter Auftrag in Frankreich mächtig schief ging – die kooperierende russische Überläuferin, für die er weit mehr als nur berufliche Loyalität empfand, wurde ermordet, er selbst stand kurz vor dem Überlaufen, wird verhaftet und gerade noch aus feindlicher Gefangenschaft befreit, der einzige Hinweis auf die Täter ist ein Mann mit Bart, eine verräterische Apfelschale und das Pseudonym “Odin”. Als ein Sowjet-Überläufer in die Hände der Agenten fällt, von “Operation: Glass”, einer russischen Geheim-Aktion nie gekannter Größe berichtet und dubiose Verbindungen zum geheimnisvollen “Odin” ans Licht kommen, stürzt Joe sich zerrissen zwischen der Aufklärung des Mordes seiner großen Liebe und dem Drang den Feind zu enttarnen ins Geschehen.

THE GAME macht formell und inhaltlich einiges richtig. Vor allem überzeugen der karge, farb-reduzierte Look und die dauerhaft angespannte Stimmung, sowohl innerhalb des Teams, wie auch im gesamten (treffend abgebildeten) London der 70er Jahre. Graue Bilder, ein bedrückender Score und desillusionierte Menschen signalisieren schnell eines: Die Bedrohung ist überall, echtes Vertrauen aus dem Repertoire abrufbarer Gefühle gestrichen und schleichend hat nagende Paranoia die Oberhand gewonnen. Agent, Doppelagent, Überläufer – wer hier wie handelt und warum ist nie bis ins Letzte zu durchdringen, weder für uns Zuschauer, noch die Figuren dieses emotional entsättigten Agenten-Dramas. Das geht beim Protagonisten Joe los: Was denkt er, was fühlt er wirklich? Wird er bereit sein, die notwendige berufliche Professionalität über private Beweggründe zu stellen? Schwer zu durchschauen, dieser straighte (seitens Maske und Casting ein wenig zu offensichtlich ans BBC-Zugpferd Cumberbatch angelehnte) junge Mann – das macht Bindung an und Identifikation mit ihm nicht gerade einfach, ist aber in einer historischen Epoche der dauerhaften Zweitracht definitiv angemessen – wer hier ein offenes Buch ist, geht mit wehenden Fahnen unter. Weil das Misstrauen allgegenwärtig ist, schwingt in den zahlreichen Dialogen oft ein angenehm spannender, doppelbödiger Subtext mit, versteckte Vorwürfe werden abgefeuert, Loyalitäten können nur erahnt werden – jegliche Behauptung ist mit Restzweifeln behaftet. Spannend. Letzteres ist THE GAME sowieso zumeist, sobald es um tatasächliche Geheimdienst-Arbeit in Form von Spionage, Abhör-Aktionen, oder semi-legalen Verhören geht, denn es läuft alles andere als rund für die fünf Agenten unter der Leitung von “Daddy”: Zielpersonen werden vom KGB ausgeschaltet bevor sie reden können, selbst der übergelaufene Arkadi scheint nicht koscher und die Aufdeckung der “Operation: Glass” schreitet schleppend (bis gar nicht) voran. Heroisch wie im Hollywood-Film ist hier gar nichts. Das i-Tüpfelchen setzen dem Ganzen einige fulminante, höchst atmosphärische Berg- und Tal-Fahrten zwischen intensiver Suspense und schnellen, glaubhaften Action-Spitzen auf: In jeder der sechs Episoden findet eine enorm gelungene fußläufige Verfolgung von Verdächtigen, oder ähnliches statt, die durch die Wahl besonderer Schauplätze im Gedächtnis bleibt. Ein nebliges Dampfbad wird mit gezogener Waffe durchsucht, auf einem überfüllten Flughafen droht ein beschattetes Subjekt zu entwischen, auf einem stillgelegten Jahrmarkt sorgen das Rauschen des Windes und flatternde Plastik-Planen für gespenstische Stimmung. In diesen Segmenten ist THE GAME richtig gut.

Doch leider krankt die Miniserie auch an einigen recht offensichtlichen Defiziten. Das geht bereits zur Eröffnung los: In geradezu inflationär eingesetzten Flashbacks erfahren wir von der missglückten Frankreich-Aktion, zunächst in Häppchen, dann in stetiger Wiederholung – immer und immer wieder, bis an den Punkt, wo bereits beim Umschnitt auf die Kulisse am See die Nackanhaare kraus stehen. Trotz seiner recht eingeschränkten Mimik hätte Tom Hughes in wenigen Szenen transportieren können, wie sehr die getötete Yulia ihm am Herzen lag – doch der endlose Loop der immergleichen Einstellungen wirkt ermüdend und nimmt der Geschichte die Wucht, anstatt sie zu intensivieren. Abseits dieses (eher kleineren) inszenatorischen Fehltritts, weiß THE GAME leider oft nicht recht den Fokus zu bewahren und verwässert die eigentliche Erzählung durch unnütze private Geschichten des MI5-Teams. Der Ansatz ist zwar nachvollziehbar, denn trotz aller geheimdienstlichen Pokerface-Fassade sollen die Damen und Herren noch irgendwie menschlich wirken – aber lohnt es in (abgeschlossenen) sechs Folgen eine sich anbahnende Liebelei aufzubauen, nur um sie effektlos im Nichts verpuffen zu lassen? Muss man um das Verhältnis eines Mitarbeiters zu seiner herrschsüchtigen Mutter wissen, wenn dies nur minimal zur Formung des Charakters und zur Story erst recht nichts beiträgt? Vielleicht ist das reine Geschmackssache, aber mir hat die Serie definitiv am besten gefallen, wenn Intrigen, Instrumentalisierung, verdeckte Ermittlungen, etc. im Fokus standen – wohl auch weil die Charakterzeichnung generell nicht wirklich in die Tiefe geht.

Alles in allem ein Serie im gehobenen Durchschnitt, deren starke Momente nicht an Spannung geizen und einige recht langsame, eher schleppende Passagen, derer es leider zu viele gibt, bevor THE GAME mächtig anzieht, um auf ein unheimlich dichtes Finale zu zu steuern, gerade noch ausgleichen. So sind es noch fünf Stunden geworden, die man als Fan derartiger Stoffe gern investieren kann, auch weil die tragende Stimmung – die alles durchziehende Angst der Epoche – in authentischen Kulissen gekonnt eingefangen wurde. In einer unscheinbaren, aber dennoch verdammt eindrücklichen Szene läuft während eines Gesprächs zweier Agenten einfach nur ein Fernseher im Hintergrund. Langsam nimmt die Kamera ihn in den Fokus, fährt auf ihn zu, die Nachrichten enden und ein Werbespot beginnt. Einer, der dem Volk mit gelassener Selbstverständlichkeit erklärt, wie sie sich zu verhalten haben, falls die Russen einen nuklearen Angriff auf das Vereinigte Königreich starten sollten. Ein Moment, der keinen Zweifel daran lässt, dass man sich sicher war, dies könne sofort, am nächsten Tag, oder zu jedem anderen Moment passieren. Ein hoch, dass diese Zeiten heute nur noch Stoff für geschichtliche Serien sind.


Wertung
5-6 von 10 unerkannten Doppelagenten


Veröffentlichung
THE GAME ist im September 2015 bei Polyband Medien GmbH als BluRay und DVD erschienen. Im Bonusmaterial befinden sich: Mehrere Interviews und Deleted Scenes.


Weblinks
IMDB
MOVIEPILOT
Streamen: Werstreamt.es
Leihen: LOVEFILM
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4 Gedanken zu „Miniserie: The Game (2014)“

  1. Ich finde auch, dass der “Look” und die Kameraperspektiven, aber auch die beklemmende Drohung eines Nuklearkriegs “The Game” zu einer sehenswerten Serie machen. Auch kleine historische Details wie der kurze Stromausfall aufgrund des damaligen Bergarbeiterstreiks sind nicht in jeder Serie zu finden. Die Szene mit der Mutter des hochrangigen Geheimdienstlers finde ich allerdings einen gelungenen (Selbst-)Sarkasmus auf Eigenheiten der britischen Gesellschaft

    Robert\filmkuratorium.de

    1. Da hast du recht Robert, neben den historischen gab es zudem auch in den Kulissen ziemlich viele kleine Details, die die Produktion im Wert weit über die typischen nett dekorierten Serien-Innenräume gehoben haben. Aber dieser Mutter-Plot… Bezüglich britischer Gesellschaft kenne ich mich vielleicht nicht genügend aus, um da das Augenzwinkern voll genießen zu können. An sich habe ich gegen solche Nebenplots, die sehr viel über Figuren sagen können, nichts – im Gegenteil, um sowas zu erleben schaut man ja auch Serien (nicht nur Filme). In THE GAME erschien es mir aber tatsächlich recht plump rein gequetscht.

  2. Hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm. Klingt jetzt aber auch nicht so, als hätte das anders sein sollen. Am Setting selbst allerdings könnte ich mich wohl nie satt sehen.

    1. Die Serie hat schon ihre Qualitäten. Ich selbst bin ja gar nicht soo großer Fan von Agentenzeugs, weil mir THE AMERICANS aber recht gut gefallen hat, hab ich mir THE GAME nun auch angeschaut. Trotz Defiziten: Wenn man drauf steht, wird man hier einige qualitativ hochwertige Aspekte finden.

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